Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Streit mit den USA: Festnahme von Diplomatin in New York erzürnt Indiens Regierung

Diplomatin Khobragade: "Ich bin mehrfach zusammengebrochen" Zur Großansicht
ddp images/ Sipa USA

Diplomatin Khobragade: "Ich bin mehrfach zusammengebrochen"

Die indische Vizekonsulin Devyani Khobragade erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei in New York. Sie sei in Handschellen abgeführt und in eine Zelle mit Schwerkriminellen gesperrt worden. Neu-Delhi reagiert mit Schikanen gegen US-Diplomaten.

New York/Neu-Delhi - Die Festnahme einer Diplomatin in New York belastet die Beziehungen zwischen Indien und den USA. Die Polizei hatte Devyani Khobragade, Indiens stellvertretende Generalkonsulin, festgenommen, als sie ihre Tochter zur Schule brachte.

Die US-Justiz wirft der 39-Jährigen vor, sie habe falsche Unterlagen vorgelegt, um ein Arbeitsvisum für ihre indische Haushälterin Sangeeta Richard zu erhalten. Khobragade soll unter anderem angegeben haben, ihrer Bediensteten 4500 US-Dollar pro Monat zu zahlen. Tatsächlich habe Richard jedoch nur 3,31 Dollar pro Stunde bekommen - weniger als den gesetzlichen Mindestlohn in den Vereinigten Staaten. Das jedenfalls behauptete die Hausangestellte, nachdem sie im Juni dieses Jahres gekündigt hatte.

Die Staatsanwaltschaft hielt die Vorwürfe offenbar für stichhaltig, jedenfalls wurde ein Haftbefehl gegen Khobragade erlassen. Nach ihrer Festnahme am Donnerstag wurde die Diplomatin mehrere Stunden lang festgehalten. Die Inderin bestreitet die Vorwürfe. Gegen eine Kaution von 250.000 US-Dollar kam sie vorläufig frei. Ihr Pass wurde eingezogen.

Nun erhebt sie schwere Anschuldigungen gegen New Yorks Polizei. Sie sei in Handschellen vor der Schule ihres Kindes abgeführt und anschließend sechs Stunden lang mit anderen weiblichen Gefangenen - unter ihnen Drogenabhängige und Schwerkriminelle - festgehalten worden. Außerdem habe sie sich vor den Beamten ausziehen müssen. "Ich bin mehrere Male zusammengebrochen", sagte Khobragade. Die US-Behörden beteuern, sie hätten geltende Standards eingehalten und keine Regeln verletzt.

#DevyaniHumiliated in Indien "Trending Topic" auf Twitter

Politik und Öffentlichkeit in Indien reagierten erbost auf den Vorfall: Außenministerin Sujatha Singh bestellte die US-Botschafterin in Indien, Nancy Jo Powell, ein. Singh verwies auf das Wiener Übereinkommen über konsularische Beziehungen, laut dem Diplomaten Immunität besitzen. Powell betonte, dass dies nur gelte, wenn es um Handlungen gehe, die "in Ausübung konsularischer Funktionen" begangen worden seien.

Die Regierung in Neu-Delhi bemüht sich nun darum, Khobragade nach Indien zurückzuholen.

Im Internet tobt der Zorn über die Behandlung der Diplomatin: Auf Twitter gehört das Hashtag #DevyaniHumiliated in Indien derzeit zu den am meisten benutzten.

Dem trägt die Politik Rechnung: US-Diplomaten in Indien sind nun verpflichtet offenzulegen, wie viel sie ihren Bediensteten zahlen. Außerdem wurden die ID-Cards eingezogen, die den Diplomaten bestimmte Privilegien sichern.

Indische Regierungsvertreter weigerten sich, eine Delegation von Abgeordneten des US-Kongresses zu empfangen. Vertreter der führenden Oppositionspartei BJP bezeichneten die Behandlung Khobragades als "abstoßend und barbarisch". Yashwant Sinha, führendes Mitglied der BJP, rief die indischen Behörden auf, alle gleichgeschlechtlichen Partner von US-Diplomaten festzunehmen. Er verwies damit auf ein jüngstes Urteil des Obersten Gerichts in Neu-Delhi, das homosexuelle Handlungen in Indien wieder unter Strafe stellt.

syd/AP

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 176 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. geltende Standards eingehalten
tropfstein 18.12.2013
Wenn es stimmt, dass es so wie es beschrieben ist, den "geltenden Standards" entspricht, dann sind diese "Standards" der eigentliche Skandal. Ich habe keinen Diplomatenstatus, aber wenn man mich beschuldigen sollte, eine Putzfrau illegal zu beschäftigen oder eine Gartenlaube als Schwarzbau zu haben, möchte ich nicht nackig ausgezogen oder mit Schwerkriminellen eingesperrt werden.
2. Da...
Schreiberling aus München 18.12.2013
... wird schon was dran sein. Nirgendwo auf der Welt ist das verachtende Standesdenken so ausgeprägt wie in Indien. Und wer dann glaubt unter dem Deckmäntelchen der Immunität tun und lassen zu können was er/sie will ist gerade in Amerika am falschen Platz. Und seit dem die Homeland Security dort mächtig an Einfluss gewonnen hat ist das Toleranzbarometer unter Null gesunken. Und ein "mehrfaches Zusammenbrechen" macht die Geschichte der Dame auch nicht glaubwürdiger.
3. Verstehe ich das jetzt richtig ...
www.yzx.de 18.12.2013
... die Amerikaner inhaftieren Diplomaten, ziehen Diplomatenpässe ein und fordern kaution? Und Vielleicht sollte der zuständige Staatsanwalt seine Berufswahl nochmal überdenken: https://de.wikipedia.org/wiki/Diplomatenstatus#Unverletzlichkeit_der_Person_des_Diplomaten Das sind Spielregeln, ohne die Diplomatie (manchmal durchaus leider) nicht funktioniert. Der Zorn der Inder ist vollkommen berechtigt. Und ab sofort sollten natürlich alle Länder dieser Welt dem Beispiel der New Yorker Staatsanwaltschaft folgen. Leibesvisitationen, Verhaftungen, Passentzug, wegen sicher zahlreicher Bagatelldelikte, die US-Diplomaten in aller Welt begehen. Na, dann wird's aber lustig. ...
4. passt
sPeterle 18.12.2013
zum einen passt das oftmals zu der Haltung vermögender Inder ihren Angestellten gegenüber. Zum anderen zu den Amerikanern, für die gilt internationales oder "außer amerikansiches" Recht nur für die anderen. Ignoranz ohne Ende und dann wundern wenn die ganze Welt sauer ist....
5. USA Grenzen aufzeigen
profbingo 18.12.2013
Im Gegensatz zur Bundesregierung ist die indische Regierung offensichtlich gegenüber den USA souverän. Wenn denn wirklich die Meinung des amerikanischen Botschafters in Indien, Powell, richtig sein sollte, dann dürfte Indien sicherlich eine Reihe von amerikanischen Diplomaten festnehmen, denn es kann davon ausgegangen werden, dass nicht alle arbeitsrechtlichen Vorschriften Indiens (da gibt es eine ganze Reihe zumindest auf dem Papier nach) in den Beschäftigungsverhältnissen von indischen Hauspersonal bei Diplomaten eingehalten werden.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Buchtipp

Fläche: 3.166.414 km²

Bevölkerung: 1213,370 Mio.

Hauptstadt: Neu-Delhi

Staatsoberhaupt:
Pranab Mukherjee

Regierungschef: Narendra Modi

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Indien-Reiseseite



Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: