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USA: Iran-Kriegsplanungen sollen seit 2002 laufen

Die USA sollen bereits seit Jahren mit der Planung eines möglichen Angriffs auf Iran beschäftigt sein. Der frühere US-Geheimdienstler Arkin schreibt in der "Washington Post", das Szenario gegen den Mullahstaat sei schon vor dem Irak-Krieg entwickelt worden.

Washington - Bereits mehrfach hat es in den vergangenen Wochen in den USA Berichte über angebliche Vorbereitungen auf einen Krieg gegen Iran gegeben. An diesem Wochenende liefert die angesehene "Washington Post" neuen Zündstoff.  Der ehemalige US-Geheimdienstler William Arkin schreibt dort in einem Gastbeitrag, die Vorbereitungen hätten bereits 2002 begonnen - schon vor dem Einmarsch in den benachbarten Irak.

Weißes Haus: Angeblich bereitet die US-Regierung seit Jahren einen Krieg gegen Iran vor
REUTERS

Weißes Haus: Angeblich bereitet die US-Regierung seit Jahren einen Krieg gegen Iran vor

Diese Pläne umfassen Raketenangriffe, einen Einmarsch von Bodentruppen und die Übernahme der Kontrolle über die für den Schiffsverkehr wichtige Straße von Hormus, schreibt Arkin. Der Mann war in den siebziger Jahren der führende Geheimdienstler der US-Armee für West-Berlin-Fragen. Vor der US-Offensive im Irak sagte er exakt deren Verlauf voraus.

Die Angriffspläne gegen Iran seien in Militärkreisen unter dem Namen Tirannt bekannt, berichtete Arkin. Dem Militärexperten zufolge beinhalten sie detaillierte Analysen des iranischen Raketenarsenals, ein Szenario für den Einmarsch von Bodentruppen und einen weltweiten Einsatzplan zur Vernichtung iranischer Massenvernichtungswaffen.

Auch eine gemeinsame Übung des britischen und des US-Militärs im Kaspischen Meer habe es schon gegeben. Der US-General John Abizaid sei bereits im Jahr 2002 mit der Planung beauftragt worden. Seit Mai 2003 seien die Vorbereitungen verstärkt worden. Seither sei der Plan mit neuen Informationen aus dem Irak aktualisiert worden.

"Mächtiger als al-Qaida"

Inzwischen warnt der frühere Anti-Terror-Chef Richard Clarke die USA vor einem Angriff auf Iran. In der "New York Times" malt er dramatischen Szenarien für den Kriegsfall aus.  Als Antwort würde die Islamische Republik ihr "terroristisches Netzwerk benutzen, um amerikanische Ziele auf der Welt anzugreifen, auch in den USA", mutmaßt der frühere Anti-Terror-Experte des US-Präsidialamtes. Clarke verfasste den Artikel gemeinsam mit Steven Simon, einem ehemaligen Vertreter des US-Außenministeriums. "Iran hat Kräfte unter seinem Kommando, die weit mächtiger sind, als alles was al-Qaida jemals ins Feld schicken konnte", heißt es darin weiter.

Als Beispiel für die von Iran ausgehende Gefahr nannten die Autoren die Verbindungen des Landes zur Extremistengruppe Hisbollah. Zudem könnte iranischer Einfluss die Lage im Irak weit verschlimmern. Es sei absolut glaubhaft, dass Iran eine Welle von Vergeltungsmaßnahmen bereits geplant habe - und auch in der Lage sei, sie in die Tat umzusetzen. US-Präsident George W. Bush müsste dann mit weiteren Bombardierungen antworten, in der Hoffnung, die Iraner würden irgendwann ihre Regierung in Teheran stürzen. Es sei jedoch wahrscheinlicher, dass ein solcher Krieg das Regime Jahrzehnte lang weiter an der Macht halten würden, urteilten die beiden Autoren.

Clarke und Simon schließen ihren Artikel mit der Warnung, dass es zu viele überzeugende Parallelen zum Irak-Krieg gebe. "Erinnern Sie sich daran, dass Präsident Bush im Mai 2002 erklärte, er habe keinen Kriegsplan auf dem Tisch, obwohl er bereits seit Monaten an detaillierten Plänen zum Einmarsch in den Irak arbeitete." Der Kongress dürfe es der Regierung nicht erlauben, sich in einen weiteren Krieg zustürzen, dessen Ausgang "wir nicht kennen können, oder schlimmer, alle schon kennen."

In den vergangenen Wochen hatte es bereits mehrfach Berichte über angeblich weit vorangeschrittene Kriegs-Vorbereitungen der USA gegen Iran gegeben. Erst am vergangenen Wochenende hatte der "New Yorker" geschrieben, Pentagon-Strategen erwägten militärische Angriffe gegen Iran - insbesondere auf Nuklearanlagen wie die zur Urananreicherung in Natans. Der Enthüllungsjournalist Seymour Hersh hatte in dem Bericht geschrieben, es gebe allerdings erheblichen Widerstand von US-Militärs gegen solche Pläne. Auch die "Washington Post" hatte bereits zuvor berichtet, Experten des Geheimdienstes CIA und des Verteidigungsministeriums prüften bereits mögliche Angriffsziele.

Bereits im Februar gab es Berichte über einen angeblichen Kriegsplan mit dem Namen "Conplan 8022-02". Damals berichtete der Ex-Geheimdienstler Arkin, Bush habe den Plan bereits im Januar 2003 abgesegnet. Er richte sich nicht nur gegen Iran, sondern allgemein gegen nukleare Schwellenländer. Dabei sei unter Verzicht auf reguläre Bodentruppen einen Mix aus Luftangriffen, Computerattacken und dem Einsatz von Special Forces vorgesehen. Allerings sehe "Conplan 8022-02" eine ausdrückliche Option für den Einsatz von Atomwaffen vor: bei einem unmittelbar drohenden Nuklearschlag gegen US-Interessen, oder gegen Tiefbunker des Gegners.

Die Dementis der US-Regierung zu diesen Berichten waren bisher eher zurückhaltend. Zudem hat US-Außenministerin Condoleezza Rice der Führung in Teheran am Donnerstag öffentlich mit Konsequenzen bis hin zu einem Militärschlag gedroht. Die USA zögen die gesamte Bandbreite der Optionen des Uno-Sicherheitsrates in Betracht, damit Iran keine andere Chance habe, als sich zu fügen. 

ler/AFP/Reuters/dpa

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