USA-Iran Neue Spannungen wegen Beinahe-Seegefecht - Bush attackiert Teheran

Der US-Präsident lässt nicht locker: Zum Auftakt seiner Nahost-Reise beschwor Bush erneut die iranische "Bedrohung des Weltfriedens" - und schloss einen Militärschlag nicht aus. Neuen Spannungen gibt es wegen des Beinahe-Seegefechts im Persischen Golf.


Hamburg - Die Nahost-Reise soll Palästinenser und Israelis versöhnen - aber US-Präsident George W. Bush nutzt sie auch zu neuen Attacken auf Iran: Zum Auftakt seines Aufenthalts in Israel warf Bush Iran die "Bedrohung des Weltfriedens" vor. Seit Tagen gibt es neue Spannungen zwischen Washington und Teheran wegen eines Zwischenfalls im Persischen Golf.

US-Präsident Bush: Neue Attacken gegen Iran
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US-Präsident Bush: Neue Attacken gegen Iran

Iranische Militärboote hatten Bushs Präsidialamt zufolge am Wochenende beinahe einen Schusswechsel mit US-Schiffen provoziert. Fünf Schnellboote der iranischen Revolutionswächter sollen in der Straße von Hormus drei Schiffe der US-Marine umzingelt und per Funk aggressiv bedroht haben. Während die US-Regierung von einem "ernsten Zwischenfall" sprach und dem Iran "verantwortungslose und potenziell feindliche" Handlungen vorwirft, bezeichnete das iranische Außenministerium die Konfrontation als "gewöhnlichen und natürlichen" Vorgang.

Bush betonte bei einer Pressekonferenz in Jerusalem, Teheran könne sein Wissen über die zivile Nutzung von Kernkraft leicht zum Bau von Atomwaffen nutzen. Der Konflikt über das iranische Atomprogramm könne zwar auf dem Verhandlungsweg gelöst werden, der internationale Druck auf das Land müsse aber aufrechterhalten werden. Einen Militärschlag gegen den Iran schloss Bush erneut nicht aus.

Nach dem Beinahe-Gefecht warnte Iran zudem vor ernsthaften Konsequenzen, sollte die Islamische Republik US-Schiffe angreifen. "Mein Rat wäre: Tun Sie es nicht", sagte Bush. "Wir haben dies öffentlich klar gemacht und Sie kennen unsere Haltung", fügte er hinzu.

Zuvor hatte bereits Bushs Sicherheitsberater Stephen Hadley die Islamische Republik vor den Konsequenzen einer neuerlichen Konfrontation auf der Straße von Hormus gewarnt, einem für den Öl-Transport wichtigen Wasserweg. Auch Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner sprach von einer gefährlichen Situation und warf dem Iran ebenfalls Provokationen vor.

Der iranische Parlamentspräsident Gholamali Haddadadel erklärte dagegen, die Kritik der USA wegen des Vorfalls sei Teil einer Propaganda-Kampagne gegen sein Land. "Wir haben immer gezeigt, dass wir an den Frieden und die Vermeidung von Spannungen glauben", zitierte die Zeitung "Teheran Times" Haddadadel. Verteidigungsminister Mostafa Mohammed Nadschar warf den USA vor, in der Region Spannungen zu schüren.

Das Pentagon hatte per Videoveröffentlichung die iranische Provokation im Persischen Golf dokumentiert. Ein vom US-amerikanischen Verteidigungsministerium veröffentlichtes Video zeigt jetzt, wie sich die fünf iranischen Schnellboote bei Tageslicht den wesentlich größeren US-Schiffen "USS Hopper", "USS Port Royal" und "USS Ingraham" in internationalen Gewässern näherten und sie umkreisten.

Die Szene stammt von Bord eines der US-Schiffe - dreieinhalb Minuten Filmmaterial, das die Darstellung des iranischen Außenministeriums widerlegt, es habe sich um einen "Routinezwischenfall" gehandelt. Ein Offizier der iranischen Revolutionsgarde hat laut Irans staatlichem TV-Sender "Press TV" geäußert, die USA hätten das Video gefälscht.

Das Video zeigt zunächst drei Marines an Bord, einer, mit schwarzem Basecap, greift zum Hörer und schildert den Vorfall. Auf unruhiger See nähern sich von rechts zwei kleine iranische Boote. Sie fahren hohes Tempo. Ein drittes wird sichtbar. Die Marines geben über Funk weiter: "Fünf Boote, hohes Tempo, unidentifiziert, nähern sich unseren Kriegsschiffen." Im Hintergrund Schiffsgeräusche, quäkende Stimmen ertönen über Funk. Achtmal lärmt ein Signalhorn von Bord des US-Schiffs, in kurzen Abständen - eine akustische Warnung der Marines, adressiert an die iranischen Provokateure.

Eines der offenen Boote, mit zwei Insassen in roten Westen an Bord, ändert plötzlich den Kurs und fährt in Zickzacklinien zunächst auf das Schiff der Navy zu, von dem die Aufnahmen stammen. Die Kamera, hektisch schwenkend, fängt einen US-Soldaten auf der Reling ein, der die Szene per Fernglas verfolgt. Nur 200 Meter liegen zwischen einem der iranischen Boote und einem zweiten US-Schiff. Sie fahren parallel zueinander - winzig das iranische Schnellboot, mächtig das US-Schiff. Schaumige Wellen unter dem Schiff der Navy lassen zunächst eine Explosion vermuten - was jedoch eine Täuschung ist. Das iranische Boot dreht ab, fährt zu den anderen Schnellbooten.

Auch die entscheidenden 35 Sekunden O-Töne aus der Kommunikation zwischen Navy und einem der iranischen Boote hat das Pentagon veröffentlicht. Die Stimme eines Iraners sagt mit starkem Akzent auf Englisch: "Ich komme auf euch zu." Ruhig, aber bestimmt, erwidert ein US-Soldat: "Zwei Boote nähern sich unseren Kriegsschiffen. Ihre Identität ist nicht bekannt. Ihre Intentionen sind unklar." Man solle die Kommunikation aufnehmen. Dann pariert der iranische Soldat: "Ihr werdet in ein paar Minuten in die Luft fliegen" - als handelte es sich um einen militärischen Angriff oder ein Selbstmordattentat. Der US-amerikanische Soldat wiederholt diese Aussage. Dann endet die Pentagon-Aufnahme.

flo/Reuters/AFP

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