USA Trump will Kelly Craft zur Uno-Botschafterin machen

Sie ist Klimawandel-Skeptikerin und derzeit US-Botschafterin in Kanada: Kelly Knight Craft, 56, soll laut Präsident Trump die oberste Diplomatin der USA bei den Vereinten Nationen werden.

Kelly Craft
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Kelly Craft


Die künftige Botschafterin der USA bei den Vereinten Nationen (Uno) soll die Diplomatin Kelly Knight Craft werden. Dies teilte US-Präsident Donald Trump über den Kurzbotschaftendienst Twitter mit. Die 56-Jährige aus dem Bundesstaat Kentucky ist bislang US-Botschafterin in Kanada. Der Ernennung muss nun noch der Senat zustimmen.

"Kelly hat einen herausragenden Job als Repräsentantin unseres Landes gemacht, und ich habe keinen Zweifel, dass unser Land unter ihrer Führung auf höchstem Niveau repräsentiert wird", erklärte Trump. Zwischenzeitlich hatte es Spekulationen gegeben, wonach der US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, für das Amt infrage kam.

US-Außenminister Mike Pompeo begrüßte die Entscheidung des Präsidenten. Er lobte Craft als "herausragende Anwältin" für die Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen der Vereinigten Staaten in Kanada. Sie sei "extrem gut qualifiziert", um diese Arbeit bei der Uno fortzusetzen.

Craft war vor ihrer Zeit als US-Botschafterin in Kanada Unternehmerin im US-Bundesstaat Kentucky. Ihre Diplomatenkarriere hatte unter dem früheren Präsidenten George W. Bush begonnen, der sie in die US-Delegation bei den Vereinten Nationen berief. Sie vertrat Washington bei Uno-Versammlungen.

Diplomatin mit Zweifeln am Klimawandel

Für Aufsehen sorgte Craft 2017 mit geäußerten Zweifeln an der Existenz des Klimawandels. In einem Interview des kanadischen Senders CBC war sie gefragt worden, ob sie an das Phänomen glaube. Sie entgegnete daraufhin: "Ich glaube, es gibt Wissenschaftler auf beiden Seiten, die richtig liegen".

Trumps Kandidatin ist mit Joe Craft verheiratet, der mit dem Grubenbetreiber Alliance Resource Partners den nach eigenen Angaben zweitgrößten Kohle-Produzenten im Osten der USA leitet. Dem Magazin "Forbes" zufolge besaß Craft im Jahr 2012 ein Vermögen von geschätzt 1,4 Milliarden Dollar (nach heutigem Wechselkurs 1,2 Milliarden Euro).

Beide sind Spender der Republikaner. Im Wahlkampf 2016 unterstützte das Ehepaar Kandidaten der Konservativen nach einem Bericht der "Washington Post" mit rund 1,5 Millionen Dollar (1,3 Millionen Euro). Für die Feierlichkeiten anlässlich der Amtseinführung Trumps im Januar 2017 steuerte Joe Craft nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Open Secrets eine Million Dollar bei.

Posten seit dem Jahreswechsel vakant

Trump hatte ursprünglich die Außenamtssprecherin Heather Nauert für den Posten bei den Vereinten Nationen in New York ernannt. Nauert verzichtete jedoch am vergangenen Samstag überraschend auf das Amt. Sie begründete dies damit, dass die zwei Monate seit ihrer Nominierung für ihre Familie eine Strapaze gewesen seien.

Mehrere US-Medien berichteten allerdings, Grund für Nauerts Rückzug sei, dass sie vor Jahren eine Frau als Kindermädchen beschäftigt hatte, die keine US-Arbeitserlaubnis gehabt habe. Aus Angst vor Komplikationen im Nominierungsprozess wegen dieses Falls habe Nauert entschieden, sich selbst aus dem Rennen zu nehmen.

Die Opposition hatte Nauert mangelnde außenpolitische Erfahrung vorgeworfen. Sie arbeitete früher als Moderatorin beim konservativen und Trump überaus wohlgesonnenen Fernsehsender Fox News.

Der Posten des US-Botschafters bei der Uno ist seit dem Jahreswechsel vakant. Die bisherige Botschafterin Nikki Haley war freiwillig aus dem Amt geschieden.

jus/AFP/Reuters



insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
transatco 23.02.2019
1. Ich denke Trump kann froh sein...
überhaupt noch jemanden zu finden, der bereit ist einen seiner Schleudersitze zu besteigen!! Den Namen der Dame brauchen wir uns nicht zu merken, da Sie spätestens in 10 Monaten ohnehin wieder ersetzt werden wird! Vielleicht reicht es ja auch wenn Trump seinen Twitter Account zur UN schickt!?
aurichter 23.02.2019
2. Schmorren im eigenen Saft
So stellt sich die Personalpolitik des 45. PoTUS dar. Nur Posten besetzen mit Menschen, die gepflegte und zudem noch finanziell lukrative Spendenpolitik als A-Politik betreiben, das sind die besten Mitarbeiter bei DT. Schrecklich.
kajoter 23.02.2019
3.
Zitat von transatcoüberhaupt noch jemanden zu finden, der bereit ist einen seiner Schleudersitze zu besteigen!! Den Namen der Dame brauchen wir uns nicht zu merken, da Sie spätestens in 10 Monaten ohnehin wieder ersetzt werden wird! Vielleicht reicht es ja auch wenn Trump seinen Twitter Account zur UN schickt!?
Mittlerweile gilt es in den USA in puncto Karriere als ein nicht auszugleichender Malus, im WH gearbeitet zu haben, und dementsprechend viele offene Stellen gibt es in Trumps Administration. Im übrigen ist es typisch für Trumps antithetischen Ernennungsstil, eine Kritikerin des wissenschaftlich prognostizierten Klimawandels als UN.-Botschafterin einzusetzen, denn gerade dieses Gebiet ist ein Musterbeispiel für die Notwendigkeit der internationalen Zusammenarbeit. Trump scheint insofern die Thesen Steve Bannons von der Zerstörung der politischen Systeme verinnerlicht zu haben. Es würde analog dazu passen, wenn er einen ausgesprochenen Pazifisten als Verteidigungsminister ernennen würde - um die Sache mit einem hinkenden Vergleich zu beschreiben.
juba39 23.02.2019
4. Irgendwie lebensfremd!
Zitat von aurichterSo stellt sich die Personalpolitik des 45. PoTUS dar. Nur Posten besetzen mit Menschen, die gepflegte und zudem noch finanziell lukrative Spendenpolitik als A-Politik betreiben, das sind die besten Mitarbeiter bei DT. Schrecklich.
Ihnen scheint entgangen zu sein, das die Verknüpfung von Wahlkampfspenden mit lukrativen Botschafterposten weltweit seit Jahrzehnten zur US-Außenpolitik gehört. Egal, ob Republikaner, oder Demokraten. Hat also absolut NICHTS mit Trump zu tun. Bedenklicher eigentlich nur, wenn es um den Botschafterposten bei der UNO geht. Denn hier gehören wirklich Profidiplomaten hin. Man sehe sich nur die letzten Besetzungen von USA und GB an. Ideologie anstatt Diplomatie.
Beat Adler 23.02.2019
5. US Aussenpolitik unter Trump, erst Tillerson, nun Pompeo
US Aussenpolitik unter Trump, erst Tillerson, nun Pompeo: 30% des Personals des Aussenministeriums wollte nicht von John Kerry zu Tillerson wechseln. Tillerson schaffte es nicht die Luecken zu fuellen. Pompeo hat unterdessen sage und schreibe 40% WENIGER Mitarbeiter wie zu Obamazeit. Nikki Haley lief weg, auch weil ihr zu wenige Mitarbeiter zur Verfuegung standen. Dossiers wollen vorbereitet sein. Auftritte vor der UNO muessen sorgfaeltig gestaltet sein. Fauxpas sind nicht erlaubt! Die Auswirkungen dieses Personalmangels zeigen sich in den unsaeligen Treffen mit Kim Jong Un, die alle lausig, miserabel vorbereitet sind. Sie zeigen sich auch in den Handelskonflikten der USA mit so gut wie Allen im Rest der Welt. Vom "make our planet great again" ganz zu schweigen! Sie zeigen sich bei der "obsoleten" NATO der "feindlich gesinnten" EU. Besserung wird erst in der Zeit NACH Trump eintreten, wenn faehige US Buerger wieder im Aussenminsterium arbeiten wollen und sich darum bemuehen dort einen Job zu bekommen. mfG Beat
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