Kritik an Siedlungen USA gehen auf Distanz zu Israel

"Das ist Gift für die Atmosphäre": Die USA haben neue israelische Siedlungspläne ungewöhnlich scharf kritisiert. Laut Weißem Haus entfernt sich Israel von seinen engsten Verbündeten.

Josh Earnest, Sprecher des Weißen Hauses: "Gift für die Atmosphäre"
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Josh Earnest, Sprecher des Weißen Hauses: "Gift für die Atmosphäre"


Washington - Mit deutlicher Kritik hat die US-Regierung auf Pläne Israels reagiert, im annektierten Ostteil von Jerusalem mehr als 2600 Wohnungen für jüdische Siedler zu bauen. Ein derartiger Schritt widerspreche Israels erklärtem Ziel, sich mit den Palästinensern auf dem Verhandlungsweg über den künftigen Status von Jerusalem zu einigen, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest.

Sollten die Pläne vorangetrieben oder verwirklicht werden, würde dies "Israel sogar von seinen engsten Verbündeten entfernen", so Earnest. Die Pläne seien "Gift für die Atmosphäre" zwischen Israel und Palästinensern, die gesamte internationale Gemeinschaft werde eine derartige Entwicklung verurteilen.

Die Siedlungspläne sollen zuvor auch Thema der Treffens zwischen US-Präsident Barack Obama und dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu im Weißen Haus gewesen sein. Bei einer folgenden Pressekonferenz äußerten sich die beiden Regierungschefs jedoch nicht dazu. Obama bezeichnete die Verbindung zwischen Israel und den USA als "unzerbrechlich".

Netanjahu habe sich gegen die Kritik des Weißen Hauses gewehrt, berichtet die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf Reporter, die mit dem israelischen Präsidenten reisten. Bevor man solche Äußerungen tätige, sollte man alle Informationen kennen, habe der israelische Ministerpräsident gesagt. Obama habe die Siedlungspolitik bei ihrem Treffen zwar angesprochen, aber dabei sei es nicht um spezielle Fälle gegangen. "Ich kann die Kritik nicht verstehen, und ich kann diese Position nicht akzeptieren", sagte Netanjahu laut israelischen Medienberichten.

Laut einem Bericht der "Jerusalem Post" betreffen die neuen Baupläne die Gegend Givat Hamatos in Ost-Jerusalem, die Palästinenser als Teil ihres künftigen Staates ansehen. Nach Angaben der israelischen Bewegung "Peace Now" hatte die Regierung in der vergangenen Woche endgültig grünes Licht für den Bau der Wohnungen gegeben.

Im Sommer hatte es bereits Kritik Washingtons an Israels Vorgehen im Gaza-Krieg gegeben. Das Verhältnis zwischen Obama und Netanjahu gilt als schwierig. Die beiden ähnelten einem Ehepaar im Zwist, das sich zum Wohl der Familie trotz andauernder Streitereien entschieden habe, zusammen zu bleiben, schrieb die "New York Times" am Mittwoch. Das Verhältnis sei "in der Regel kooperativ, aber selten warm".

hut/dpa/AFP/AP

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insgesamt 59 Beiträge
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schmusel 02.10.2014
1.
Israels Persilschein scheint seinen Wert zu verlieren. Und wie gewohnt fällt Netanjahu einmal mehr durch Ignoranz und Arroganz statt Weisheit auf.
keksguru 02.10.2014
2. ABM auf israelisch
obwohl es eigentlich reichlich Land für Siedler auf "echtem" israelischem Territorium gibt kann die Regierung offenbar nicht davon lassen diese Siedlungspläne immer wieder in Palästinensergebieten zu bauen... hinterher werden sie dann wieder abgerissen, und dann wieder neu gebaut... es gibt und gab Friedensverträge die den Siedlungsbau in Palästinensergebietgen hätten verhindern sollen... aber die Hardliner in der Regierung provozieren somit immer wieder aufs Neue. Wenn ich mich mit meinen Nachbarn arrangieren muß dann pflanze ich meine Obstbäume schließlich auch nicht in deren Gärten :-(
robin-masters 02.10.2014
3. Fakten
Die Israelis schaffen Fakten und die palestinensaer sollen stillschweigend zusehen ansonsten sind sie bösen Terroristen. Die Israelis haben kein Interesse an frieden -das sollte die Welt erkennen und entsprechend handeln.
studibaas 02.10.2014
4. Israel hat...
387 Menschen pro Quadratkilometer. Zum Vergleich: Die Niederlande kommen auf 402, die Deutschland auf 226. Da auch die Niederlande Land vom Wasser gewinnt wg. Raummangel gestehe ich den Israelis zu, das sie nicht beliebig Raum zur Verfügung stehen haben. Aber ist es so wenig, das sie umbedingt in ein Gebiet bauen müssen, auf das dann garantiert wieder Raketen fliegen werden? Wer hat dann wieder angefangen? Oder wollen die Israelis (wie schon beim letzten mal) so lange provozieren bis Raketen fliegen damit sie endlich wieder Krieg zu den Palästinensern tragen können? Dieser Krieg wird so lange gehen, bis die Palästinenser "ihr" Land bekommen oder bis die Israelis die Palästinenser von Israel völlig weggebombt wurde.
catheater 02.10.2014
5. Taten sprechen lassen
Wenn ich schon lese "die gesamte internationale Gemeinschaft wird werde eine derartige Entwicklung verurteilen", dass interessiert Israel nicht. Lasst Taten sprechen, bringt Sanktionen auf den Weg, Konten sperren, Exportverbote.... dann wäre ein einlenken nicht allzuweit weg. Klar wird in Israel oder sonst wo behaupten das ganze wäre Antisemitisch. Ist es aber nicht nur Anti-Israelitisch. Wenn sich Putin ein kleines Stück der Ukraine krallt ist das Geschrei groß und international bewegt sich was. Helft endlich mal den Palästinensern gegen diese Besatzer!!!
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