Weißes Haus Macrons Baum ist weg

US-Präsident Trump und Frankreichs Präsident Macron hatten vor wenigen Tagen mit großer Geste gemeinsam einen Baum im Garten des Weißen Hauses gepflanzt. Jetzt ist er schon wieder verschwunden.

Macron (re.) und Trump beim Pflanzen
AFP

Macron (re.) und Trump beim Pflanzen


Es war eine symbolträchtige Geste: Zum Auftakt seines Besuchs in den USA griffen Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Gastgeber Donald Trump im Garten des Weißen Hauses gemeinsam zur Schaufel. Die beiden Männer gruben ein kaum mannshohes Bäumchen ein - ein Gastgeschenk aus Frankreich. Gebuddelt wurde in Sichtweite des Weißen Hauses nahe einer grünen Laterne. Das war am vergangenen Montag.

Die Gartenarbeit war Teil einer Inszenierung von ausgeprägter Harmonie. Der dreitägige Besuch Macrons in Washington nannte sich offiziell "state visit", war aber eher das, was die Amerikaner eine "Bromance" nennen, eine wahre Männerfreundschaft.

Und nun ist dort, wo die beiden gegraben hatten, nur noch ein gelber Fleck im Rasen zu sehen. Von der jungen Eiche keine Spur mehr. Fotografen entdeckten das Fehlen des Bäumchens am Samstag bei einem Termin im Weißen Haus.

Ein gelber Fleck zeigt, wo die Eiche stand
REUTERS

Ein gelber Fleck zeigt, wo die Eiche stand

Was ist passiert? Ein Affront, obwohl der Baum an Symbolkraft kaum zu übertreffen war? Schließlich sollte der Setzling die historischen Bande beider Länder symbolisieren: Der Baum stammt aus dem Wald von Belleau nordöstlich von Paris. Im Juni 1918 kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs war der Ort Schauplatz eines Gefechts, bei dem US-Marines eine deutsche Offensive abwehrten. Dabei kamen fast 2000 von ihnen ums Leben.

Aus dem Weißen Haus gibt es bisher kein Wort dazu, was mit der kleinen Eiche passiert ist. Die französische Ausgabe der "Huffington Post" schreibt aber, dass es sich beim Verschwinden des Baums nicht um einen diplomatischen Zwischenfall handele. Man habe aus dem Élysée-Palast erfahren, dass der Baum in Quarantäne sei - veranlasst vom amerikanischen Zoll. In den USA müssen sämtliche Pflanzen, Samen und sogar Erde aus dem Ausland zunächst gründlich überprüft werden. Damit soll verhindert werden, dass Krankheiten oder schädliche Insekten ins Land geschleppt werden.

Auch die Macrons erhielten Gastgeschenke: ein eingerahmtes Polsterstück von einem Stuhl im Weißen Haus. Darauf ist ein von Lorbeeren umgebener Steinadler zu sehen. Außerdem bekamen sie ein Fotoalbum mit Bildern ihres Besuchs und eine Tiffany-Silberschale mit dem Siegel des Präsidenten und den Unterschriften des Trump-Ehepaars. Kann man alles viel unauffälliger verschwinden lassen.

ler

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