F-35-Kampfjet Was dieses Flugzeug alles nicht kann

390 Milliarden Dollar - diese gigantische Summe gibt das US-Militär für F-35-Kampfjets aus. Nun listet das Pentagon die Mängel der Flieger auf. Den Schleudersitz sollten Piloten jedenfalls nicht benutzen.

F-35-Maschine: "Arbeitet nicht korrekt"
REUTERS

F-35-Maschine: "Arbeitet nicht korrekt"


Der F-35-Kampfjet soll einmal das Rückgrat der amerikanischen Luftstreitkräfte und mehrerer Nato-Partner bilden. Doch die Maschine könnte zur Todesfalle werden. Ein aktueller Pentagon-Bericht hält fest: Wer weniger als 75 Kilogramm wiegt und den Schleudersitz benutzt, stirbt mit einer Wahrscheinlichkeit von 23 Prozent.

In praktisch jedem Fall drohen demnach schwere Nackenverletzungen. Wer leichter als etwa 62 Kilo ist, darf die Maschine überhaupt nicht fliegen.

Der Mehrzweck-Kampfjet ist das weltweit teuerste Rüstungsprojekt der Geschichte. Er wird vom Rüstungskonzern Lockheed Martin hergestellt. Insgesamt 2457 Flugzeuge wollen die USA in den kommenden Jahren anschaffen. Stückpreis: rund 160 Millionen Dollar. Die Gesamtkosten liegen damit bei etwa 390 Milliarden, Wartung und Betrieb nicht eingerechnet.

Doch das Tarnkappen-Flugzeug, das derzeit getestet wird, ist längst zum Problemfall des amerikanischen Militärs geworden. Noch der frühere US-Präsident George W. Bush hatte den "Joint Strike Fighter" zu einem seiner Lieblingsprojekte erklärt. In der Folge häuften sich allerdings die Schlagzeilen über explodierende Kosten - und technische Pannen. Das Pentagon versprach im Herbst, für mehr Sicherheit zu sorgen.

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Kampfjet F-35: Das teuerste Rüstungsprojekt aller Zeiten
Doch Besserung ist offenbar nicht in Sicht. In dem Bericht, den das Pentagon jetzt veröffentlichte, werden Dutzende Mängel zusammengefasst, die in den vergangenen Monaten festgestellt wurden. Die Verfasser fordern, "sorgfältig zu prüfen", ob es "klug" sei, andere Regierungen zum Kauf der Kampfjets zu bewegen, bevor die Probleme gelöst sind.

Zu den wesentlichen Fehlern zählen:

  • Der Schleudersitz drehe sich zurück, wenn die Piloten herauskatapultiert werden, heißt es im Bericht. Nacken und Kopf würden dabei so belastet, dass schwere Verletzungen drohen - oder gar der Tod.
  • Das Computersystem an Bord erkennt demnach nicht, wenn die Maschine zu schnell unterwegs ist.
  • Software-Nutzer würden wahllos daran gehindert, sich in das System einzuloggen.
  • Der F-35 ist offenbar nicht in der Lage anzuzeigen, wie schwer mögliche Beschädigungen sind. Das System "arbeitet nicht korrekt", heißt es.
  • Die Maschine kann offenbar alte von neuen Teilen nicht unterscheiden.

Der Kampfjet ist in drei Varianten verfügbar: Als F-35A für normale Startbahnen, als Senkrechtstarter F-35B und als Modell für Flugzeugträger mit einklappbaren Tragflächen (F-35C). Abnehmer sind auch Großbritannien, Italien, Australien oder Israel.

Video (2015): Feuerprobe für F-35 - leider nur am Boden

Lockheed Martin

kev

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