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TV-Debatte: Rubio und Cruz führen Trump vor

Bei der letzten TV-Debatte vor dem Super Tuesday muss Donald Trump viel einstecken. Seine ärgsten Rivalen Rubio und Cruz stochern erstmals in der Vergangenheit des Milliardärs.

"Was ist dein Plan, Donald?", fragt Marco Rubio: "Was ist dein Plan?" Donald Trump guckt verdutzt. Es geht gerade um das Gesundheitssystem, und da ist er - wie auf so vielen Feldern - nicht so drin in den Details. Also flüchtet er sich in einfache Botschaften. "Wir werden ein viel besseres System haben. Ein viel besseres. Glaubt mir."

Aber das, was auf seinen Veranstaltungen so gut klappt, funktioniert in Houston irgendwie nicht. Trump wirkt im Vergleich mit seinen bestens vorbereiteten Rivalen regelrecht ahnungslos. Das Publikum schweigt.

Es ist nur eine von etlichen Szenen bei der letzten TV-Debatte vor dem so wichtigen Super Tuesday, in denen Donald Trump wahrlich nicht gut aussieht. Ob die hohe Staatsverschuldung, das Verhältnis zu Israel oder die eigene Steuererklärung - egal um welches Thema es geht, der Multimilliardär hat einen schweren Stand und wird von seinen ärgsten Rivalen Marco Rubio und Ted Cruz nicht nur angegriffen, sondern teilweise auch vorgeführt.

Nicht einmal bei seinem Kernthema, der illegalen Einwanderung, kann Trump wirklich punkten. Ganz anders Rubio. Der Senator aus Florida, den viele aus dem Parteiestablishment als letzte Hoffnung sehen, um Trump als Kandidat zu verhindern, macht das, was viele schon seit Wochen von ihm erwarten: Er knöpft sich die Vergangenheit des Hotelunternehmers vor. Gleich zu Beginn der Debatte wirft er Trump vor, auf seinen Baustellen illegale Einwanderer beschäftigt zu haben.

Trump und die polnischen Arbeiter

"Die Leute können das nachschauen", ruft Rubio. "Ich bin sicher, dass die Leute das in diesem Moment googeln. Polnische Arbeiter. Eine Strafe von einer Million Dollar, weil er polnische Arbeiter bei einem seiner Projekte beschäftigt hat." Das Publikum jubelt, Trump entgegnet scharf auf die Breitseite: "Ich bin der Einzige auf dieser Bühne, der überhaupt Leute eingestellt hat. Du hast niemanden eingestellt", sagt Trump. Rubio kontert, indem er auf die Herkunft des Milliardärs zu sprechen kommt: "Wenn er nicht 200 Millionen geerbt hätte, wisst ihr, wo Donald Trump jetzt wäre? Er würde Uhren verkaufen in Manhattan." Es wird unruhig im Saal.

Auch Cruz geht Trump hart an und wirft dem Geschäftsmann Opportunismus bei seiner harten Haltung in der Einwanderungspolitik vor. Der erzkonservative Senator sagt, als er selbst im Jahr 2013 gegen ein Gesetz zur Einwanderungsreform gekämpft habe, habe Trump gerade in der Reality-TV-Show "Celebrity Apprentice" den früheren Basketball-Profi Dennis Rodman gefeuert. Außerdem habe der Immobilienmagnat in der Vergangenheit Wahlspenden an Politiker gegeben, die eine Einwanderungsreform unterstützt hätten.

Ach, und gibt es nicht diverse Betrugsklagen zur sogenannten Trump Universität? Im Juli sei da der Prozess angesetzt, sagt Cruz, und es sei vielleicht nicht so schön, wenn der Kandidat mitten im Wahlkampf ins Gericht müsse. Erwiderung Trump? Fällt mehr oder weniger aus.

"Du wiederholst immer nur deine Lieblingssätze"

Cruz und Rubio stehen unter Druck, sie beide müssen am Super Tuesday gut abschneiden, um an Trump dranzubleiben. Und so versuchen sie bei der Debatte volle zwei Stunden lang, sich am Spitzenreiter abzuarbeiten. Die beiden anderen verbliebenen Kandidaten, Ohios Gouverneur John Kasich und Ex-Chirurg Ben Carson, kommen kaum vor.

Rubio und Cruz säen immer wieder Zweifel an Trumps konservativen Haltungen. Beide schlachten die sensiblen Punkte in seiner Unternehmerkarriere aus. Und beide machen sich hier und da gar über Trump lustig. "Du wiederholst immer nur deine Lieblingssätze", ruft Rubio in Richtung Trump und äfft ihn nach: "Wir machen Amerika wieder großartig. Wir werden wieder siegen. Und so weiter." Da herrscht gute Stimmung im Publikum, Trumps Miene ist versteinert.

Ob der gute, aggressive Auftritt den beiden nutzt? Ungewiss. Trump geht trotz allem als Top-Favorit in den Super Tuesday, er hat bisher drei von vier Vorwahlen gewonnen. Die letzte, in Nevada, war ein Durchmarsch. Sollte er von den elf Staaten, die am 1. März wählen, wie erwartet den Großteil gewinnen, dürfte er auf seinem Weg zur Kandidatur schwer aufzuhalten sein. Aber diese Debatte zeigt: Rubio und Cruz sind bereit, noch einmal zu kämpfen. Und sie haben die wunden Punkte in Trumps Biografie offengelegt.

Trump dürfte ahnen, dass diese auch im Hauptwahlkampf gegen die Demokraten eine Rolle spielen könnten.

Best of-Video: Donald Trumps bemerkenswerteste Sprüche

REUTERS

vme/AFP

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insgesamt 172 Beiträge
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1. Wenn kein Argument,
thequickeningishappening 26.02.2016
dann "schmutzige Waesche"! Es wird nicht helfen.
2.
Phil2302 26.02.2016
Darauf kommen die erst jetzt? Was haben die denn die anderen Debatten gemacht? Aber wie gesagt, Rubio und Cruz sind keinesfalls bessere Kandidaten als Trump.
3. Nur Fassade
veritas31 26.02.2016
Trump ist typisch für die gesamte USA. Dieses Land ist seit jeher nur eine inhaltslose Fassade. Alles in den USA ist nur heiße Luft und hohle Phrasen. Insofern ist Donald Duck die erste Wahl für dieses Land
4. Debattieren uebt ungemein
tailspin 26.02.2016
Polnische Schwarzarbeiter! Pfui Teufel. Nur gut, dass das in Deutschland nicht vorkommt. Ist ja gut, dass der Trump auch mal Breitseiten kriegt. Aber das funktioniert nur beim ersten Mal. Das naechste Mal ist er besser vorbereitet, und wenn er es ueberlebt hat, wird er er noch haerter sein.
5.
felix-culpa 26.02.2016
...diesen Satz sollten sich alle Kandidaten gegenüber den Demagogen in Deutschland in ihre Handfläche schreiben.
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Fläche: 9.833.517 km²

Bevölkerung: 318,857 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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