Neue FBI-Daten: Amerikaner kaufen noch mehr Waffen

Die Zahl der Waffenkäufe in den USA ist im Dezember offenbar drastisch gestiegen - ausgerechnet im Monat des Newtown-Massakers. Das zeigen Daten des FBI, das die Kaufanträge überprüft. Insgesamt war 2012 für die amerikanische Rüstungsindustrie ein Rekordjahr.

Mann in einem Waffenladen in Texas: Furcht vor Verboten befeuert Waffenkäufe Zur Großansicht
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Mann in einem Waffenladen in Texas: Furcht vor Verboten befeuert Waffenkäufe

Washington - Die Debatte über Waffen ist in den USA nach dem Massaker von Newtown Mitte Dezember neu entbrannt. Einige fordern schärfere Gesetze. Andere glauben, es brauche noch mehr Waffen - damit man sich vor Gefahren schützen könne.

Dieser Meinung sind offenbar immer mehr Amerikaner. Neue Daten des FBI deuten darauf hin, dass die Zahl der Schusswaffenkäufe deutlich gestiegen ist.

Wenn in den USA eine Waffe verkauft wird, führt die Behörde eine gesetzlich vorgeschriebene Zulassungsprüfung durch - den sogenannten "Background Check". In diesem Dezember meldet das FBI einen Rekord: Knapp 2,8 Millionen "Background Checks" seien vorgenommen worden. Dies sei ein Anstieg von 49 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

2012 sei insgesamt ein Rekordjahr gewesen: 19,6 Millionen Prüfungen wurden durchgeführt - eine Zunahme von 19 Prozent im Vergleich zu 2011. Eine detaillierte Auflistung finden Sie hier.

Die "Background Checks" wurden 1998 eingeführt. Die für die Kontrollen zuständige FBI-Behörde NICS hat Zugriff auf wichtige Datenbanken des FBI. Verhindert werden soll unter anderem, dass Flüchtige, psychisch Kranke oder Straftäter an Waffen gelangen. Die Zahl der Waffenverkäufe selbst wird in den USA nicht erfasst.

Die Daten des FBI lassen also keinen direkten Schluss auf genaue Verkaufszahlen zu. Sie deuten aber darauf hin, dass der Waffenabsatz im Jahr 2012 und insbesondere im Dezember stark gestiegen ist.

In den vergangenen Jahren sind die Waffenkäufe oft gestiegen, wenn Amerikaner strengere Vorschriften befürchtet haben, etwa nachdem US-Präsident Barack Obama seine erste Amtszeit angetreten hatte. Nach Amokläufen wird in den USA regelmäßig über schärfere Gesetze diskutiert - meist passiert wenig.

Angst vor schärferen Gesetzen

Auch nach dem Amoklauf von Newtown gibt es wieder die Debatte. Ob es zu Gesetzesänderungen kommen wird, ist noch unklar. Besonders erschüttert hat viele Amerikaner, dass in dem kleinen Ort im US-Bundesstaat Connecticut Kinder erschossen worden: Am 14. Dezember tötete ein Mann in der Sandy-Hook-Grundschule 20 Erstklässler und sechs Erwachsene, bevor er Selbstmord beging.

Die US-Waffenlobby schwieg zunächst. Auf einer Pressekonferenz eine Woche nach dem Massaker warb sie dafür, Schulen durch Bewaffnete zu schützen. Denn das einzige Mittel gegen einen bösen Menschen mit einer Waffe sei: ein guter Mensch mit einer Waffe. Selbst Konservative waren entsetzt. Doch der US-Bundesstaat Ohio machte es im Dezember seinen Bürgern sogar leichter, verborgene Waffen bei sich zu führen. In Newtown waren die Menschen nach dem Amoklauf geteilter Meinung, ob es schärfere Waffengesetze geben sollte.

Die überlebenden Kinder und Lehrer besichtigten am Mittwoch erstmals ihre neue Schule. Ab Donnerstag werden die Schüler bis auf weiteres an der Chalk Hill Middle School im rund 15 Kilometer entfernten Städtchen Monroe unterrichtet, berichteten US-Medien.

Das Übergangsquartier sei neu gestrichen worden. Außerdem seien neue Möbel hineingestellt und die Rucksäcke und persönliche Gegenstände der Kinder aus der Sandy-Hook-Schule hinübergeholt worden. Als neue Direktorin ist die Vorgängerin der bei dem Massaker erschossenen Schulleiterin aus dem Ruhestand zurückgekehrt. Ob in der Sandy-Hook-Grundschule jemals wieder Unterricht stattfindet, ist derzeit noch unklar.

kgp/Reuters

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insgesamt 158 Beiträge
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1.
B.Lebowski 03.01.2013
Zitat von sysopAPDie Zahl der Waffenkäufe in den USA ist im Dezember offenbar drastisch gestiegen - ausgerechnet im Monat des Newtown-Massakers. Das zeigen Daten des FBI, das die Kaufanträge überprüft. Insgesamt war 2012 für die amerikanische Rüstungsindustrie ein Rekordjahr. USA nach Massaker von Newtown: Kauf von Schusswaffen steigt deutlich - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/usa-nach-massaker-von-newtown-kauf-von-schusswaffen-steigt-deutlich-a-875498.html)
... und da sind nicht die Waffenkäufe auf Flohmärkten oder Messen erfasst. Bei einem Aufstand oder in einer schlimmen Krise werden sich die Bürger selbst auslöschen, weil jeder den ersten Schuss haben will, um nicht selbst Opfer zu werden.
2. Ist doch logisch
farview 03.01.2013
Zitat von sysopAPDie Zahl der Waffenkäufe in den USA ist im Dezember offenbar drastisch gestiegen - ausgerechnet im Monat des Newtown-Massakers. Das zeigen Daten des FBI, das die Kaufanträge überprüft. Insgesamt war 2012 für die amerikanische Rüstungsindustrie ein Rekordjahr. USA nach Massaker von Newtown: Kauf von Schusswaffen steigt deutlich - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/usa-nach-massaker-von-newtown-kauf-von-schusswaffen-steigt-deutlich-a-875498.html)
Jeder hat Angst vor einer Verschärfung der Gesetze, also kaufen sie jetzt noch schnell was bereits morgen verboten sein könnte.
3. Das wahre Problem nicht erkannt...
mrfruit 03.01.2013
Anstatt ab der richtigen Stelle zu sparen und Ausgaben zu kürzen müssen die Reichen dran glauben und dafür sorgen, dass die Einnahmen steigen. Liebe Amerikaner, ihr habt ein Ausgaben- und kein Einnahmenproblem!
4. Perfekt
dunkelmerkel 03.01.2013
Na, wer sagts denn. Die Amis sind wieder die alten :-) Die tun wenigstens was für die Konjunktur. Abgesehen davon kann man diese Waffen dann wieder bei einer Aktion gegen Einkaufsgutscheine tauschen. Also doof sind die nicht...die Amis.
5. Rüstungsindustrie
thomasmaier 03.01.2013
und Waffenindustrie sind zwei verschiedene Dinge. Bei ersterem kann nur Obama einkaufen.
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