Demokratin Pelosi gegen Trump Immer Kontra

Zum zweiten Mal steigt die Demokratin Nancy Pelosi zur Sprecherin des US-Repräsentantenhauses auf. Damit wird sie die mächtigste Frau Amerikas - und dürfte Donald Trump ernste Probleme bereiten.

Von , New York und Thies Schnack (Video)


Kaum eine Stunde dauerte das Treffen. Präsident Donald Trump, so war zu hören, habe stur auf seiner Forderung nach einer Mauer an der US-Südgrenze beharrt. Nicht mit uns, hätten die Demokraten ebenso stur erwidert. Es soll laut geworden sein.

So scheiterte am Mittwoch auch der jüngste Versuch im Weißen Haus, den Shutdown zu beenden - den Zwangsstillstand eines Teiles der US-Regierung. Das lag nicht nur an Trumps Kompromisslosigkeit - sondern vor allem an der Härte seiner demokratischen Hauptgegnerin: Nancy Pelosi.

"Wir bitten den Präsidenten, die Regierungsgeschäfte wieder aufzunehmen", teilte sie anschließend vor der Tür mit, in gespielter Unschuld. "Warum tut er das nicht?"

Und das war nur ein Vorgeschmack auf das, was Trump demnächst bevorsteht.

Denn an diesem Donnerstag steigt Pelosi zur neuen Sprecherin des US-Repräsentantenhauses auf, dessen Mehrheit die Demokraten nach ihrem Erfolg bei den Midterm-Wahlen im November jetzt offiziell übernehmen. Damit wird die 78-jährige Kalifornierin gemäß der in der Verfassung geregelten Rangfolge automatisch zur drittmächtigsten Person - und zur mächtigsten Frau - in Amerika.

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Nancy Pelosi: Die mächtigste Frau Amerikas

Das war Pelosi zwar schon einmal, von 2007 bis 2011. Doch heute steht viel mehr auf dem Spiel als damals. Trump hat die USA tief gespalten und viele bislang als unumstößlich geltende politische Regeln außer Kraft gesetzt. Nun aber bekommt er es erstmals mit einer starken, selbstbewussten Opposition zu tun - und mit deren Anführerin, die über Nacht zu seiner größten Bedrohung werden könnte.

"Sie wird dir den Kopf abschneiden", warnte die Tochter der Demokratin, die Filmemacherin Alexandra Pelosi, den US-Präsidenten am Mittwoch im TV-Sender CNN. "Und du wirst nicht mal merken, dass du blutest."

Längst eine Ikone der Frauenbewegung, hat die neunfache Großmutter Jahrzehnte der Kongress-Intrigen überdauert, indem sie ihre meist männlichen Widersacher aus dem Weg räumte. Nun, in der wohl "letzten Schlacht" ihrer Karriere ("New York Times"), trifft sie auf Trump, der seinerseits offenbar nicht daran denkt, sich künftig mit scharfen Attacken zurückzuhalten.

Wie knallhart das werden dürfte, zeigt der Shutdown-Streit. Trump hofft, damit bei seiner Basis punkten und Pelosi zugleich den Amtsantritt vermiesen zu können. Doch Pelosi hält dagegen.

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US-Präsident unter Druck: Trumps größte Brandherde

Dass Trump die Demokratin offenbar unterschätzt, war schon im Dezember zu sehen, als er Pelosi - die seit 1987 im Kongress sitzt - im Oval Office vor laufenden Kameras zu belehren versuchte. Pelosi erinnerte den Präsidenten daraufhin an die eigene "Stärke", mit der sie nach dem Wahlerfolg der Demokraten zu dem Treffen gekommen sei. Dann rauschte sie im blutroten Designermantel ins Freie und legte nach: "Als ginge es ihm um die Männlichkeit. Falls man bei ihm von Männlichkeit sprechen kann." Ein sehr gefährlicher Mann sei Trump, sagte Pelosi.

Wie sie mit ihm umgeht, wird auch über den weiteren Weg der Demokraten entscheiden. Die Partei durchlebt mit Blick auf die Präsidentschaftswahlen 2020 gerade eine öffentliche Sinnkrise.

Pelosi mit Trump im Oval Office
AP

Pelosi mit Trump im Oval Office

Die einen würden am liebsten gleich ein Amtsenthebungsverfahren anstoßen oder Trump zumindest mit Anhörungen und Untersuchungsverfahren unter Druck setzen. Andere suchen Kompromisse, etwa bei einer Infrastrukturreform.

"Wir müssen bei allem strategisch denken", mahnte Pelosi nach dem Midterm-Sieg in der "New York Times". Ein Amtsenthebungsverfahren lehnt sie zum jetzigen Zeitpunkt noch ab.

Trump ist jedoch nicht das einzige Reizthema, das Pelosi zwischen den Fronten ihrer Partei moderieren muss. Die lautesten Stimmen der neuen Mehrheit kommen von Linken, Frauen und Minderheiten, die sich gegen das Establishment wehren, also auch gegen sie. "Jeder will etwas", sagt Pelosi, deren jetzige Wahl zur Sprecherin des Repräsentantenhauses zeitweise sogar unsicher war.

Doch kaum jemand kennt die lähmenden Rivalitäten der Demokraten besser als sie. Pelosis Vater, ein Freund von Präsident Franklin D. Roosevelt, war Kongressabgeordneter und Bürgermeister von Baltimore, ein Amt, das später auch ihr Bruder innehatte. Als Studentin erlebte sie John F. Kennedys Vereidigung persönlich mit, danach war sie Praktikantin im Senat.

Pelosi im Kongress
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Pelosi im Kongress

Mit 29 Jahren ging sie nach San Francisco, bis heute ist die Stadt ihre Heimat. 1982 wurde sie kalifornische Parteichefin, 1987 zog sie in den Kongress ein. Nur 26 der 435 Abgeordneten waren damals Frauen.

Schon ihre erste Zeit als "Speaker" verdankte Pelosi einem Midterm-Sieg. Unter der Präsidentschaft des Republikaners George W. Bush konnten die Demokraten im Spätherbst 2006 bei den Wahlen zulegen. Pelosis Amtszeit in den folgenden Jahren war geprägt von Erfolgen und Kontroversen und manchmal von beidem zugleich. Etwa bei Barack Obamas Gesundheitsreform, die sie auch durch parteiinterne Streitereien manövrieren musste.

Mit jedem Schritt wuchs Pelosis Macht - und auch ihre Rolle als ewiges Feindbild: Den einen ist sie zu links, den anderen nicht links genug.

Doch die gleiche Mischung aus Strategie und Selbstsicherheit, die ihr früher schon durch solche Wirren half, könnte ihr nun auch gegen Trump nutzen. Geld für die Mauer? "Nichts für die Mauer", sagte sie in einem am Mittwochabend veröffentlichen NBC-Interview und lachte. "Wir können das ganze Hin und Her gerne weitermachen. Aber - nein."

insgesamt 151 Beiträge
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natakajw 03.01.2019
1. Das nenn ich mal ne junge Demokratie
78 Jahre. Diese Generation hats doch verbockt. Umwelt, Klima, Kriege, Armut, etc. Es sollten endlich mal die jüngeren dran. Mögen diese aus unseren Fehlern lernen.
weusti 03.01.2019
2. Gut so
Endlich einmal ein Amerikaner, und in diesem Fall sogar Amerikanerin, die diesem Typen Paroli bietet. Weiter so, Frau Pelosi, wir erwarten von Ihnen die Rückkehr zu einer amerikanischen Normalität ohne diese historischen Frontenkriege, sei es militärisch, wirtschaftlich und völkerrechtlich.
conrath 03.01.2019
3. Brava!
Eine starke Frau, intelligent, charakterfest und mit dem gewissen Etwas aggressiven Charmes. Damit DT um Längen überlegen Er findet jetzt seine Meisterin. Viel Glück, Nancy!
dasfred 03.01.2019
4. Ich hätte Trump mehr Souveränität zugetraut
Er würde enorm in der Achtung seiner Wähler steigen, wenn er, als "Milliardär" die Mauer selbst finanziert. Er bekommt das Geld ja schließlich von den Mexikanern erstattet. Oder glaubt er selbst nicht, was er erzählt?
timm.freitag 03.01.2019
5. Grösste Spendensammlerin
Die Hauptqualifikation von Pelosi besteht (z.b. nach Jimmy Dore) darin am meisten Spenden von den Superreichen für die Demokraten gesammelt zu haben. Evtl nach den Clintons. Sie verkörpert wie Clinton den Prototyp der alten korrumpierten Politikerelite die verhindert hat das Sanders President wurde.
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