Nach Amoklauf an Highschool NRA klagt gegen verschärftes Waffengesetz in Florida

Eine Highschool in Florida war Schauplatz des jüngsten Amoklaufs an einer US-Schule. Der Bundesstaat setzte das Alter für Waffenkäufer herauf. Dagegen klagt nun die Waffenlobby - die Gesetzesänderung sei verfassungswidrig.

Florida unterzeichnet strengeres Waffengesetz
AP

Florida unterzeichnet strengeres Waffengesetz


Das verschärfte Waffengesetz im US-Bundesstaat Florida sollte ein Kompromiss zwischen Waffenlobby und Aktivisten sein. Doch kaum ist das Gesetz unterzeichnet, gibt es bereits neuen Protest. Die US-Waffenlobby National Rifle Association (NRA) reichte Klage vor einem Bundesgericht in Tallahassee ein.

Die Anhebung des Mindestalters für den Kauf von Gewehren in dem Bundesstaat von 18 auf 21 Jahre verstoße gegen das in der Verfassung verankerte Recht auf Waffenbesitz sowie die Gleichbehandlungsklausel, weil jüngere Erwachsene nun ausgenommen würden, erklärte die NRA.

Zudem würden mit der neuen Regelung gesetzestreue Waffenbesitzer für die kriminellen Handlungen einer "gestörten Person" bestraft, sagte der Chef des NRA-Instituts für Rechtsmaßnahmen, Chris W. Cox, laut einem Bericht des Senders CNN. "Die Sicherung unserer Schulen und der Schutz der Verfassungsrechte von Amerikanern schließen sich nicht gegenseitig aus", so Cox.

Waffen für Schulbedienstete

Erst wenige Stunden zuvor hatte Gouverneur Rick Scott das neue Gesetz unterzeichnet. Das Mindestalter für den Kauf von Handfeuerwaffen liegt in den USA bei 21 Jahren, in Florida aber konnte bislang bereits ein 18-Jähriger ohne Wartezeit ein Gewehr kaufen. Neben dem höheren Mindestalter sieht das Gesetz nun eine dreitägige Wartezeit beim Waffenkauf vor. Zudem dürfen künftig bestimmte Schulbedienstete zum Schutz Waffen tragen.

Die Verschärfung des Waffengesetzes ist eine Reaktion auf den Amoklauf an einer Schule in Parkland. Ein 19-Jähriger hatte am 14. Februar an der Highschool 17 Menschen erschossen, darunter zahlreiche Schülerinnen und Schüler. Der Schütze wurde festgenommen. Er hatte die Waffen legal gekauft, obwohl bekannt war, dass er seit langer Zeit psychische Probleme hatte und verhaltensauffällig war.

Im Video: Das ist die Sprecherin der US-Waffenlobby

asc/dpa/reuters



insgesamt 46 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Axel Schön 10.03.2018
1. widerwärtigster Lobbyismus
Der NRA ist nichts heilig - außer ihrem eigenen Profit. Mit diesem Schritt, gegen demokratisch beschlossenes Gesetz - Volkes Wille - vorzugehen mit der fadenscheinigen Begründung, das Recht auf das Tragen von Waffen zu schützen und dieses "Recht" vor den Schutz von Menschenleben zu stellen, zeigt sich einmal mehr, wie skrupellos diese kriminelle Vereinigung ihre Pfründe zu wahren sucht. Klar ist, dass es der NRA nicht um Recht und Gesetz geht, sondern darum, dass ihnen mit der Neuregelung in Florida ihr Geschäft mit dem Tod versaut wird - ich muss mich schwer beherrschen, um hier keine Kraftausdrücke zu verwenden, die diesen gewissenlosen Gesellen gebühren.
poetnix 10.03.2018
2. Auspuffschuss
Ich würde die NRA als ein Krebsgeschwür im Körper der amerikanischen Gesellschaft bezeichnen, das seine eigenen Kinder umbringt, um Profit zu machen. Bei uns scheint die automobile Pestrattenindustrei -ebenfalls in Gemeinschaft mit der Politik- diese Rolle über Gesundheitsschädigung übernommen zu haben.
Axel Schön 10.03.2018
3. gestörte Personen...
Die wahrhaft gestörten Personen sind diejenigen, die das Tragen von Waffen als heiligstes Gut der amerikanischen Gesellschaft betrachten und ihren blutigen Profit auch vor dem Hintergrund der sich häufenden Amokläufe mit vielen unschuldigen Opfern trotzig verteidigen. Diese fanatische Schlange, die neuerdings das Second Amendment "mit der geballten Faust der Wahrheit" bis aufs Blut verteidigen will, ist das krankeste, was jemals aufmarschiert ist in diesem paranoiden Theater.
spon-facebook-10000009550 10.03.2018
4. Alkohol vs. Waffen
Das Argument Gleichbehandlung sollte nach gesundem Menschenverstand in Florida und auch den meissten anderen US Staaten nicht ziehen. Alkohol ist auch erst mit 21 erlaubt. Im übrigen stellt sich die Frage warum Menschen denen man die Reife abspricht Alkohol zu konsumieren reif genug sein sollten für Waffenbesitz...? Aber auf gesunden Menschenverstand braucht man in den USA eh nicht hoffen
touri 10.03.2018
5.
Oh da bin ich mal gespannt, ob in dem Prozess auch mal die Frage gestellt wird, wie eigentlich das aktuelle liberale Waffenrecht in den USA mit dem second amendment in Einklang zu bringen ist: "A *well regulated Militia*, being necessary to the security of a free State, the right of the people to keep and bear Arms, shall not be infringed." Für mich ist da nichts "well regulated" und eine Militia bedarf eigentlich auch einer formalen Grundlage, wie z.B. bei uns oder in der Schweiz die Reservisten (letztere dürfen ihre Waffe daheim lagern). In den USA kann sich, je nach Federal State etwas unterschiedlich, jeder Depp eine Waffe kaufen. Sogar blinde haben sich schon versucht das Recht einzuklagen (ich weiß nicht wie der Prozess ausgegangen ist)...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.