Nach Twitter-Attacke von Moderatorin Parkland-Überlebender erreicht Werbeboykott von Fox News

Fox-Moderatorin Laura Ingraham beleidigt einen Überlebenden des Parkland-Anschlags auf Twitter. Mit seiner Antwort gelingt es Schüler David Hogg, Werbepartner zum Boykott der Sendung zu bewegen.

  David Hoggs, Parkland-Überlebender und Fox-Moderatorin Laura Ingraham
AFP

David Hoggs, Parkland-Überlebender und Fox-Moderatorin Laura Ingraham


Ein Tweet und seine Folgen: Laura Ingraham, Moderatorin einer konservativen Nachrichtensendung, hatte sich auf Twitter über die Schulnoten des Parkland-Überlebenden David Hogg lustig gemacht. Daraufhin rief der 17-jährige Schüler und Aktivist Sponsoren von Ingrahams Show zum Boykott auf. Elf Firmen zogen ihre Werbespots für die Sendezeit von "The Ingraham Angle" zurück.

David Hogg hatte den Amoklauf an der High School in Parkland überlebt, bei dem Mitte Februar 17 Menschen getötet worden waren. Er und viele seiner Klassenkameraden, darunter Emma González, sind als die Gesichter eines Protests bekannt geworden, die sich um strengere Waffengesetze bemühen.

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Die Gesichter des Waffenprotests: "Ich gebe nicht auf, bis sich etwas tut"

"David Hogg ist von vier Universitäten abgelehnt worden, bei denen er sich beworben hat, und jammert darüber", schrieb die Moderatorin auf Twitter. Dass er bei der renommierten Universität UCLA mit einem Notendurchschnitt von 4,1 nicht genommen wurde, sei bei den Aufnahmezahlen vorherzusehen gewesen, twitterte sie.

Der Notendurchschnitt in den USA kann entweder mit dem besten Schnitt von 5,0 oder 4,0 ausgelegt sein. In Hoggs Fall wurde offenbar nach der ersteren Skala bewertet. Sein eigentlicher Durchschnitt liegt bei 4,2.

Daraufhin twitterte der 17-jährige Hogg eine Liste mit den zwölf größten Werbepartnern von Ingrahams Show und forderte Follower dazu auf, die verschiedenen Firmen wegen Ingrahams Beleidigung über Twitter zu thematisieren. Elf der zwölf Firmen reagierten innerhalb von 36 Stunden mit einem Boykott der Show, darunter der Nahrungsmittelhersteller Nestlé, das Reiseportal Expedia oder die Touristik-Webseite Tripadvisor.

Auf den Boykott ihrer Werbepartner hin hat sich die Fox-News-Moderatorin bei Hoggs entschuldigt. Nachdem sie länger Zeit zum Nachdenken hatte, entschuldige sie sich für alle möglichen Gefühlsverletzungen, die ihr Tweet bei Hoggs oder alle anderen Parkland-Überlebenden verursacht haben könnte, twitterte Ingraham. Jeder Student sollte Stolz auf einen Durchschnitt von 4,2 sein, auch David Hogg.

Der 17-Jährige lehnte ihre Entschuldigung indes ab. Eine Entschuldigung nur um Werbepartnern gefällig zu bleiben, sei unzureichend, schrieb er. Ingraham kündigte am Freitag an, sie werde eine Woche Urlaub nehmen. Von Fox News hieß es, der Urlaub sei vor dem Boykott bereits geplant gewesen. Fox News ist ein Sender, der Teil des Netzwerks von Rupert Murdochs Twenty-First Century Fox Inc. ist.

ans/Reuters

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insgesamt 107 Beiträge
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Seite 1
jujo 31.03.2018
1. ...
Das scheint die einzige Sprache zu sein welche diese Leute verstehen. Man muss ihnen ans Geld. Denn darum geht es schlußendlich. Das würde selbst Trump verstehen.
p-touch 31.03.2018
2. Die Konservativen
in denn USA haben anscheinend immer noch nicht recht verstanden welche Wut diese Schüler antreibt. Spätesten nach denn Wahlen im November werden sie es wissen.
neanderspezi 31.03.2018
3.
Was hat diese Fox-Moderatorin Ingraham nur für einen unendlich abstoßenden Gesichtsausdruck? Wie kann es eine Firma fertigbringen, sich für ihre Show als Sponsor anzudienen, ohne sämtliche sensible Kunden aufs Übelste vor den Kopf zu stoßen? Vermutlich hat die Dame in allerhöchstem Auftrag ihre Beleidigung aus sich herausgezwitschert und jetzt versucht sie krampfhaft ihren unverschämten und hinterhältigen Dienst gerichtet gegen Parkland-Überlebende zu verharmlosen. Wie scheußlich kann sich die Moderatorin einer konservativen Nachrichtensendung eigentlich noch geben, ohne dass ihre Tröte gegen Sitte und Anstand versiegelt wird?
hauser 31.03.2018
4. clevere Kampagne
alles richtig gemacht, letztlich geht's ums Geld. So wie die Politiker ihren Spendern nach dem Mund reden, biedern sich die US Medien ihren Werbetreibeden an. Im Fach Kommunikationskampagne kriegt der Junge die Höchstnote...
Garak 31.03.2018
5. War da nicht was mit Toleranz?
Zitat von jujoDas scheint die einzige Sprache zu sein welche diese Leute verstehen. Man muss ihnen ans Geld. Denn darum geht es schlußendlich. Das würde selbst Trump verstehen.
Verlangt die Linke nicht Toleranz für alle! ihre Ansichten? Für Transgender, für Multi-Kulti, für andere Meinungen wie Open Borders etc.? Aber sobald jemand eine andere konservative Ansicht hat wird derjenige persönlich angegriffen, beleidigt und gemobbt (hier durch das trollen der Werbekunden)! Und das witzige ist das Menschen wie David Hogg die eine andere Meinung unterdrücken anstatt sie argumentativ zu widerlegen die Methoden anwenden die sie angeblich verabscheuen! Aber das ist so wie bei allen Fanatikern, im Dienste der "guten" Sache ist alles erlaubt!
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