Von Johannes Korge
Washington - Die Zukunft der US-Marine wirkt ein wenig so, als hätte jemand die Pyramiden von Gizeh auf einen U-Boot-Rumpf verfrachtet. Ein schwimmendes Durcheinander aus Drei- und Rechtecken, so präsentiert sich die DDG-1000 "Zumwalt" in Entwürfen. Für die Navy könnte das bizarre Hightech-Schiff eine Schlüsselfunktion einnehmen. Der Tarnkappen-Zerstörer soll den US-Einfluss im Pazifikraum sichern - sofern ihn Washington bezahlen kann.
Denn die Kosten sind gigantisch. Satte 3,1 Milliarden Dollar dürfte das Kriegsschiff gekostet haben, wenn es 2014 vom Stapel laufen soll. Das ist rund das Doppelte dessen, was die Marine bisher für "normale" Zerstörer ausgibt. Die Rechnung ist noch konservativ: Kritiker des Prestigeschiffs gehen, inklusive Entwicklungskosten, von bis zu sieben Milliarden Dollar aus.
Entsprechend kontrovers wird das Projekt in den USA diskutiert. Erst recht, seit Präsident Barack Obama Einschnitte beim Budget der Streitkräfte angekündigt hat. Ursprünglich waren rund um die Jahrtausendewende insgesamt 32 Schiffe geplant, dann noch 24. Später wurde die Zahl auf sieben gesenkt - nun werden vorerst wohl nur drei DDG-1000 gebaut. Außer der "Zumwalt" sollen noch die "Michael Monsoor" und die "Lyndon B. Johnson" in der Bath-Iron-Works-Werft im US-Bundesstaat Maine entstehen.
Befürworter verweisen trotz der harschen Kritik an den Kosten auf das Potential der neuen Schiffe:
Dieser Vorteil könnte sich entscheidend auf die Genehmigung weiterer Exemplare der kostspieligen Schiffsklasse auswirken. Mit hoher Manövrierfähigkeit, aber geringem Tiefgang und minimalem Radarecho eignet sich die "Zumwalt" ideal für den Einsatz in der Asia-Pazifik-Region. Genau dort planen die USA in Zukunft eine deutlich erhöhte Militärpräsenz.
Schon im Januar hatte Präsident Obama eine Neuausrichtung der Streitkräfte angekündigt - nun lässt sein Verteidigungsminister Zahlen sprechen. Bei einer Sicherheitskonferenz in Singapur erklärte Leon Panetta, sein Land werde bis 2020 rund drei Fünftel seiner Seestreitkräfte in den Pazifikraum verlegen. Bisher ist das Verhältnis zwischen Atlantik und Pazifik nahezu ausgeglichen.
Mit Fischerbooten gegen Zerstörer?
Mit Sorge beobachtet Washington schon länger den militärischen Aufstieg Chinas. Die Zeiten der Massenarmee scheinen zu Ende, Peking setzt auf eine hochentwickelte Streitmacht. Gewaltige Summen steckt das Regime in die Entwicklung neuer Kriegstechnik, nicht zuletzt auch bei den Seestreitkräften.
Immer wieder tauchen Berichte auf, dass China einen ersten funktionsfähigen Flugzeugträger in Dienst gestellt haben soll. Im Dezember 2011 hatte ein Satellit das Schiff im Gelben Meer aufgenommen, offenbar handelt es sich um ein aufgerüstetes Modell aus Sowjetzeiten. China hatte der Ukraine das stillgelegte Schiff ohne Motoren, Waffensysteme und andere wichtige Ausstattung abgekauft. Ursprünglich sollte der Flugzeugträger für die sowjetische Marine gebaut werden, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurden die Arbeiten 1991 eingestellt.
Daneben investiert Peking auch in alle anderen Militärbereiche. So laufen die Arbeiten am ersten eigenen Tarnkappenflugzeug auf Hochtouren, auch die ballistischen Raketen aus chinesischer Herstellung erreichen immer höhere Reichweiten.
Nun steuert das Pentagon vehement gegen, um die eigene wirtschaftliche und militärische Präsenz in den Boom-Regionen Asiens nicht zu riskieren. Offenbar setzen die USA dabei auch auf die umstrittenen Tarnkappenschiffe.
In China ist man ob der Aussicht eines High-End-Zerstörers vor den eigenen Küsten wenig amüsiert - aber auch mäßig beunruhigt. Peking warnte die Regierung in Washington davor, "in der Region Wellen zu schlagen", wie die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua am Wochenende mitteilte.
Die "Washington Post" zitiert jedoch einen Admiral der chinesischen Marine, der gleichzeitig für eine militärische Forschungsgruppe im Land arbeitet. Man werde, so Zhang Zhaozhong, dem US-Wunderschiff im Notfall einfach eine Flotte von mit Sprengstoff beladenen Fischerbooten entgegenschicken: "Dann war es das."
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