Tarnkappen-Schiffe für US-Marine: Obama setzt auf unsichtbare Zerstörer

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Diese Hightech-Schiffe könnten bald Amerikas Interessen im Pazifik verteidigen. Die US-Marine plant den Bau von drei Tarnkappenzerstörern, vollgestopft mit modernster Technik. Das Problem der Wunderwaffe: Sie ist fast unbezahlbar.

Stealth-Zerstörer: Giganten ohne Schatten Fotos
U.S. Navy

Washington - Die Zukunft der US-Marine wirkt ein wenig so, als hätte jemand die Pyramiden von Gizeh auf einen U-Boot-Rumpf verfrachtet. Ein schwimmendes Durcheinander aus Drei- und Rechtecken, so präsentiert sich die DDG-1000 "Zumwalt" in Entwürfen. Für die Navy könnte das bizarre Hightech-Schiff eine Schlüsselfunktion einnehmen. Der Tarnkappen-Zerstörer soll den US-Einfluss im Pazifikraum sichern - sofern ihn Washington bezahlen kann.

Denn die Kosten sind gigantisch. Satte 3,1 Milliarden Dollar dürfte das Kriegsschiff gekostet haben, wenn es 2014 vom Stapel laufen soll. Das ist rund das Doppelte dessen, was die Marine bisher für "normale" Zerstörer ausgibt. Die Rechnung ist noch konservativ: Kritiker des Prestigeschiffs gehen, inklusive Entwicklungskosten, von bis zu sieben Milliarden Dollar aus.

Entsprechend kontrovers wird das Projekt in den USA diskutiert. Erst recht, seit Präsident Barack Obama Einschnitte beim Budget der Streitkräfte angekündigt hat. Ursprünglich waren rund um die Jahrtausendewende insgesamt 32 Schiffe geplant, dann noch 24. Später wurde die Zahl auf sieben gesenkt - nun werden vorerst wohl nur drei DDG-1000 gebaut. Außer der "Zumwalt" sollen noch die "Michael Monsoor" und die "Lyndon B. Johnson" in der Bath-Iron-Works-Werft im US-Bundesstaat Maine entstehen.

Befürworter verweisen trotz der harschen Kritik an den Kosten auf das Potential der neuen Schiffe:

  • Beim Design von Rumpf, Aufbauten und Oberflächenbeschichtung setzt die US-Marine konsequent auf die sogenannte Stealth-Technik. Dadurch wird die "Zumwalt" zum Tarnkappenschiff und auch für modernste Radarsystem kaum noch zu orten sein.

  • Dabei ist das Schiff mit einer Verdrängung von 14.500 Tonnen deutlich größer als die Zerstörer der "Spruance"oder "Arleigh-Burke"-Klasse (cirka 9000 Tonnen).

  • Auch bei der Besatzung könnten die "Zumwalt" und ihre Schwesterschiffe neue Maßstäbe in Sachen Effizienz setzen. Rund 140 Mann sollen reichen, um das Hightech-Kriegsgerät zu navigieren. Zum Vergleich: Bei den "Spruance"-Zerstörern sind bis zu 400 Soldaten an Bord. Schiffe der moderneren "Arleigh-Burke"-Klasse bringen es immerhin noch auf deutlich über 300 Mann.

  • Trotz seiner enormen Ausmaße, mit mehr als 180 Metern Länge und rund 25 Metern Breite, besitzt die "Zumwalt" einen ein bis zwei Meter geringeren Tiefgang als die aktuelle Zerstörer-Generation. Dies macht sie zu einem Multifunktionsschiff, das sowohl auf hoher See als auch in flachen Gewässern in Küstennähe operieren kann.

Dieser Vorteil könnte sich entscheidend auf die Genehmigung weiterer Exemplare der kostspieligen Schiffsklasse auswirken. Mit hoher Manövrierfähigkeit, aber geringem Tiefgang und minimalem Radarecho eignet sich die "Zumwalt" ideal für den Einsatz in der Asia-Pazifik-Region. Genau dort planen die USA in Zukunft eine deutlich erhöhte Militärpräsenz.

Schon im Januar hatte Präsident Obama eine Neuausrichtung der Streitkräfte angekündigt - nun lässt sein Verteidigungsminister Zahlen sprechen. Bei einer Sicherheitskonferenz in Singapur erklärte Leon Panetta, sein Land werde bis 2020 rund drei Fünftel seiner Seestreitkräfte in den Pazifikraum verlegen. Bisher ist das Verhältnis zwischen Atlantik und Pazifik nahezu ausgeglichen.

Mit Fischerbooten gegen Zerstörer?

Mit Sorge beobachtet Washington schon länger den militärischen Aufstieg Chinas. Die Zeiten der Massenarmee scheinen zu Ende, Peking setzt auf eine hochentwickelte Streitmacht. Gewaltige Summen steckt das Regime in die Entwicklung neuer Kriegstechnik, nicht zuletzt auch bei den Seestreitkräften.

Immer wieder tauchen Berichte auf, dass China einen ersten funktionsfähigen Flugzeugträger in Dienst gestellt haben soll. Im Dezember 2011 hatte ein Satellit das Schiff im Gelben Meer aufgenommen, offenbar handelt es sich um ein aufgerüstetes Modell aus Sowjetzeiten. China hatte der Ukraine das stillgelegte Schiff ohne Motoren, Waffensysteme und andere wichtige Ausstattung abgekauft. Ursprünglich sollte der Flugzeugträger für die sowjetische Marine gebaut werden, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurden die Arbeiten 1991 eingestellt.

Daneben investiert Peking auch in alle anderen Militärbereiche. So laufen die Arbeiten am ersten eigenen Tarnkappenflugzeug auf Hochtouren, auch die ballistischen Raketen aus chinesischer Herstellung erreichen immer höhere Reichweiten.

Nun steuert das Pentagon vehement gegen, um die eigene wirtschaftliche und militärische Präsenz in den Boom-Regionen Asiens nicht zu riskieren. Offenbar setzen die USA dabei auch auf die umstrittenen Tarnkappenschiffe.

In China ist man ob der Aussicht eines High-End-Zerstörers vor den eigenen Küsten wenig amüsiert - aber auch mäßig beunruhigt. Peking warnte die Regierung in Washington davor, "in der Region Wellen zu schlagen", wie die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua am Wochenende mitteilte.

Die "Washington Post" zitiert jedoch einen Admiral der chinesischen Marine, der gleichzeitig für eine militärische Forschungsgruppe im Land arbeitet. Man werde, so Zhang Zhaozhong, dem US-Wunderschiff im Notfall einfach eine Flotte von mit Sprengstoff beladenen Fischerbooten entgegenschicken: "Dann war es das."

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1. Fehler im Artikel
drake7 06.06.2012
Die Zerstörer der Spruance-Klasse sind schon seit 2005 Geschichte. Zur Zeit haben sie 61 Arleigh-Burke-Zerstörer im Einsatz....
2. Schön,
08-15heini 06.06.2012
das wird sicher spannend mit Seefahrtsteilnehmern die nicht mehr im Navradar sind. Naja, oder es erweitert sich das Aufgabenspektrum des Signälers - Radarreflektor auf! Außerdem ergeben sich neue Möglichkeiten ... chinesischer Spionagetrawler leider bei schlechter Sicht von unbekanntem Fahrzeug gerammt und versenkt.
3. Neuer kalter Krieg aus ökonomischen Gründen?
Thorongil 06.06.2012
Bereiten sich die USA auf den Ernstfall vor, also eine Währungsreform, um die chinesischen Dollar-Einlagen zu entwerten und ihre Schulden "abzubauen"?
4. Man kann beruhigt sein, wenn...
anti-de 06.06.2012
Zitat von sysopDiese Hightech-Schiffe könnten bald Amerikas Interessen im Pazifik verteidigen. Die US-Marine plant den Bau von drei Tarnkappen-Zerstörern, vollgestopft mit modernster Technik. Das Problem der Wunderwaffe: Sie ist fast unbezahlbar. USA planen High-Tech-Zerstörer mit Stealth-Technik für den Pazifik - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,837095,00.html)
man solche Waffen im Besitz unserer Freunde weiß.
5. Excelennt recherchiert!
ColoradoAvalanche 06.06.2012
Die Spruance-Klasse ist seit 2005 außer Dienst und wurde durch die Arleigh-Burke-Klasse ersetzt. Übernimmt SPON inzwischen jede Meldung vollkommen ungeprüft?
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