Ex-US-Außenminister: Republikaner Powell beklagt Rassismus in eigener Partei
Colin Powell übt heftige Kritik an seiner eigenen Partei: Die Republikaner hätten ein Identitätsproblem, sagte er in einem Interview und monierte rassistische Ausfälle, auch gegen Präsident Obama. Die US-Konservativen müssten sich dringend ändern - sonst bekämen sie "große Schwierigkeiten".
Washington - "Ich bin gemäßigt, aber ich bin immer noch ein Republikaner", sagt der ehemalige US-Außenminister Colin Powell und holt zum Rundumschlag gegen seine Partei aus. Die Republikaner seien zum Teil rassistisch und würden unter einem Identitätsproblem leiden, wetterte Powell laut dem Online-Magazin "Politico" in der am Sonntag ausgestrahlten NBC-Sendung "Meet the Press."
In einigen Teilen der Partei gebe es einen "dunklen Trend der Intoleranz", sagte Powell. Manche Mitglieder würden immer noch auf Minderheiten herabblicken. Auch gegenüber US-Präsident Barack Obama seien Republikaner immer wieder rassistisch gewesen. So habe zum Beispiel Sarah Palin, Tea-Party-Anhängerin und ehemalige Gouverneurin von Alaska, Obamas Verhalten mit Ausdrücken beschrieben, die aus der Zeit der Sklaverei kämen, zitiert "Politico" den ehemaligen US-Außenminister.
Die Republikaner haben aus Sicht Powells zudem ein Identitätsproblem. In den vergangenen Jahren habe es bei den Republikanern "einen erheblichen Rechtsruck" gegeben, sagte Powell. Diese Entwicklung habe dazu geführt, dass zwei Präsidentschaftsrennen verloren gegangen seien. Powell hatte sich bei beiden vergangenen Präsidentschaftswahlen für den Demokraten Barack Obama ausgesprochen.
Als Gegenrezept verordnete Powell seiner Partei "einen schonungslosen Blick" in den Spiegel. Die Republikaner seien nicht mehr nur die Partei der niedrigen Steuern, sondern auch die Partei der Reichen geworden. Vor der nächsten Präsidentschaftswahl sollten sie dringend die Themen Bildung, Immigration und Klimawandel aufgreifen. Sie müssten verstehen, dass sich das Land demografisch verändert habe. Wenn sich die Republikaner nicht veränderten, "werden sie in große Schwierigkeiten" geraten, prophezeite Powell.
Powell unterstützt Obamas Kabinetts-Entscheidung
Gegenüber der Kritik aus den eigenen Reihen nimmt Powell auch Chuck Hagel in Schutz. Die Entscheidung Obamas, den Vietnam-Veteranen zum neuen Verteidigungsminister zu machen, sei richtig, so Powell gegenüber NBC. Hagel stellt sich selbst gern ab und zu gegen seine Partei und wurde deshalb von der "New York Times" als "Außenseiter-Republikaner" bezeichnet.
Die Nominierung Hagels trifft nun daher bei republikanischen Parteifreunden auf Ablehnung. Sie nehmen Hagel übel, dass er einst den Irak-Einsatz kritisiert hat. Außerdem hat er in der Vergangenheit gegen unilaterale Iran-Sanktionen gestimmt und eine Lösung des Atomstreits am Verhandlungstisch eingefordert.
Eine Sache lässt allerdings auch Powell nicht durchgehen: Hagel hatte einmal den Einfluss einer "jüdischen Lobby" in Amerika beklagt. "Chuck hätte 'Israel-Lobby' sagen sollen, nicht 'jüdische Lobby'", korrigierte ihn Powell jetzt, "vielleicht sollte er hundertmal an eine Tafel 'Israel-Lobby' schreiben".
lgr/AP/dapd
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
- Montag, 14.01.2013 – 00:09 Uhr
- Drucken Versenden
- Nutzungsrechte Feedback
- Kommentieren | 18 Kommentare
Fläche: 9.632.000 km²
Bevölkerung: 310,384 Mio.
Hauptstadt: Washington, D.C.
Staats- und Regierungschef: Barack Obama
Vizepräsident: Joseph R. Biden
Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | USA-Reiseseite
- Washington: Jack Lew wird neuer US-Finanzminister (10.01.2013)
- Obamas Kabinett: US-Arbeitsministerin Solis tritt zurück (10.01.2013)
- US-Militärpolitik: Obamas neue Schattenkrieger (07.01.2013)
- Chuck Hagel als US-Verteidigungsminister: Obamas Quertreiber (07.01.2013)
- US-Geheimdienst: Obama-Berater Brennan soll CIA-Chef werden (07.01.2013)
- Obamas Verteidigungsminister: Republikaner gilt als Favorit für Pentagon-Spitze (06.01.2013)
- Erfolg für Republikaner: Boehner als US-Parlamentspräsident bestätigt (03.01.2013)
- US-Haushaltskrise: Tanz am Abgrund (01.01.2013)
für die Inhalte externer Internetseiten.
MEHR AUS DEM RESSORT POLITIK
-
Abgeordnete
Bundestagsradar: Alle Fakten, alle Abstimmungen, alles Wissenswerte -
Regierung
Schwarz-gelbe Koalition: Das ist Merkels Kabinett -
Umfragen
"Sonntagsfrage": Der aktuelle Trend anhand von Umfragen -
Nachgefragt
Abgeordnetenwatch auf SPIEGEL ONLINE: Ihr direkter Draht in die Politik -
Rundgang
Kanzleramt, Bundestag, Ministerien: Das ist das politische Berlin

Möchten Sie ein anderes Land erkunden?