Ex-US-Außenminister: Republikaner Powell beklagt Rassismus in eigener Partei

Colin Powell übt heftige Kritik an seiner eigenen Partei: Die Republikaner hätten ein Identitätsproblem, sagte er in einem Interview und monierte rassistische Ausfälle, auch gegen Präsident Obama. Die US-Konservativen müssten sich dringend ändern - sonst bekämen sie "große Schwierigkeiten".

Colin Powell im Juli 2011: "Dunkler Trend der Intoleranz" Zur Großansicht
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Colin Powell im Juli 2011: "Dunkler Trend der Intoleranz"

Washington - "Ich bin gemäßigt, aber ich bin immer noch ein Republikaner", sagt der ehemalige US-Außenminister Colin Powell und holt zum Rundumschlag gegen seine Partei aus. Die Republikaner seien zum Teil rassistisch und würden unter einem Identitätsproblem leiden, wetterte Powell laut dem Online-Magazin "Politico" in der am Sonntag ausgestrahlten NBC-Sendung "Meet the Press."

In einigen Teilen der Partei gebe es einen "dunklen Trend der Intoleranz", sagte Powell. Manche Mitglieder würden immer noch auf Minderheiten herabblicken. Auch gegenüber US-Präsident Barack Obama seien Republikaner immer wieder rassistisch gewesen. So habe zum Beispiel Sarah Palin, Tea-Party-Anhängerin und ehemalige Gouverneurin von Alaska, Obamas Verhalten mit Ausdrücken beschrieben, die aus der Zeit der Sklaverei kämen, zitiert "Politico" den ehemaligen US-Außenminister.

Die Republikaner haben aus Sicht Powells zudem ein Identitätsproblem. In den vergangenen Jahren habe es bei den Republikanern "einen erheblichen Rechtsruck" gegeben, sagte Powell. Diese Entwicklung habe dazu geführt, dass zwei Präsidentschaftsrennen verloren gegangen seien. Powell hatte sich bei beiden vergangenen Präsidentschaftswahlen für den Demokraten Barack Obama ausgesprochen.

Als Gegenrezept verordnete Powell seiner Partei "einen schonungslosen Blick" in den Spiegel. Die Republikaner seien nicht mehr nur die Partei der niedrigen Steuern, sondern auch die Partei der Reichen geworden. Vor der nächsten Präsidentschaftswahl sollten sie dringend die Themen Bildung, Immigration und Klimawandel aufgreifen. Sie müssten verstehen, dass sich das Land demografisch verändert habe. Wenn sich die Republikaner nicht veränderten, "werden sie in große Schwierigkeiten" geraten, prophezeite Powell.

Powell unterstützt Obamas Kabinetts-Entscheidung

Gegenüber der Kritik aus den eigenen Reihen nimmt Powell auch Chuck Hagel in Schutz. Die Entscheidung Obamas, den Vietnam-Veteranen zum neuen Verteidigungsminister zu machen, sei richtig, so Powell gegenüber NBC. Hagel stellt sich selbst gern ab und zu gegen seine Partei und wurde deshalb von der "New York Times" als "Außenseiter-Republikaner" bezeichnet.

Die Nominierung Hagels trifft nun daher bei republikanischen Parteifreunden auf Ablehnung. Sie nehmen Hagel übel, dass er einst den Irak-Einsatz kritisiert hat. Außerdem hat er in der Vergangenheit gegen unilaterale Iran-Sanktionen gestimmt und eine Lösung des Atomstreits am Verhandlungstisch eingefordert.

Eine Sache lässt allerdings auch Powell nicht durchgehen: Hagel hatte einmal den Einfluss einer "jüdischen Lobby" in Amerika beklagt. "Chuck hätte 'Israel-Lobby' sagen sollen, nicht 'jüdische Lobby'", korrigierte ihn Powell jetzt, "vielleicht sollte er hundertmal an eine Tafel 'Israel-Lobby' schreiben".

lgr/AP/dapd

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insgesamt 18 Beiträge
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1. Der gute alte Paul
grass 14.01.2013
Ein General mit Gewissen... Leider hat ihm niemand gesagt, dass es gefälschte Beweise sind. Nicht mal nach dem er nachgefragt hat. Naja es gibt halt doch noch gute Republikaner
2. Mein Lieblingsrepublikaner
taglöhner 14.01.2013
Ich habe Colin Powell immer gemocht, selbst in der unseligen Irakkriegs-Ära, als er sich von gefälschten Geheimdienstberichten hinters Licht führen ließ, was er später zugegeben hat. Schon damals hielt ich ihn für den potentiell ersten schwarzen Präsidenten der USA, aber er wollte nicht. Vielleicht wird er ja der nächste. Ein sehr aufrichtiger Mann.
3. Der libertäre Flügel der Reb. wird an Gewicht gewinnen
bollwerk_bernd 14.01.2013
Es gibt jetzt schon einen Trend innerhalb der Rep. Partei der stark zum libertären Flügel tendiert. Man darf nicht vergessen, dass in den Medien totgeschwiegen einzig verbliebene Gegenkanditat Ron Paul war, der besonders viele Wählerstimmen von Schwarzen,Minderheiten aber besonders von unter 29 Jährigen bekommen hat
4. optional
bildspiegel 14.01.2013
Die Reps zerlegen sich selbst. Wie geil ist das denn? Die GOP wird bald nur noch in Geschichtsbüchern existieren!
5. rechtsruck
krawatz 14.01.2013
Gerade jetzt mit der Debatte um ein neues Waffenrecht verschaerft sich der Ton gerade erheblich, so mein Eindruck. Vor ungefaehr einer Woche war ein Interview auf CNN zwischen Alex Jones on Piers Morgan. Einfach mal googlen. In dem Interview droht Alex einfach mal mit Buergerkrieg wenn jemand auf die Idee kommt den Leuten ihre Waffen wegzunehmen. Im weiteren Verlauf aefft er den britischen Dialekt des britischen Moderators Piers nach und sagt ihm dass es zurueck nach GB gehen soll wenn ihm hier etwas nicht passt. Ausserdem hat er eine Petition gestartet um Piers auszuweisen, weil er angeblich verfassungsfeindlich agiert. Die Zustimmung die dieser Mann auf seinen Webseiten hat ist riesig, die Kommentare auf den einzelnen Seiten mit Reaktionen zu diesem Thema sind erschreckend radikal. Es werden Drohungen ausgesprochen wie man die Gegner "abschlachten werde", es werden Listen von den "Gegnern" gefordert. Wer nicht fuer uns ist ist gegen uns, aber mit toetlicher Konsequenz. Die Waffenverkaeufe im Dezember sind auf einem Rekordhoch, weil die Leute Angst vor einem Waffenbann haben und sich jetzt nochmal eindecken. Was da gerade stattfindet ist absolute Paranoia und Hetzpropaganda. Alles was unamerikanisch ist soll sich vom Acker machen. Die Zeiten fuer Gespraeche sind vorbei. Ich hoffe und ich weiss dass das nur fuer einen kleinen Teil der Amerikaner gilt, aber andererseits ist das erschreckend wie radikal national die Menschen mittlerweile denken. Ein Grossteil dieser Leute ist wohl weisse Unter bis Mittelschicht und eher suedlich anzutreffen und sie finden immer mehr Zuspruch. Und wen die Jungs waehlen liegt wohl auf der Hand. Da koennen die Republikaner garnicht rassistisch genug sein.
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