Donald Trump Der Nebel des Grauens

In acht Tagen tritt Donald Trump seine Präsidentschaft an. Groß sind seine Ziele und zahlreich seine Versprechungen. Wie er sie jedoch in die Tat umsetzen will, bleibt schleierhaft.

Weißes Haus in Washington
REUTERS

Weißes Haus in Washington

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Es ist eine blendende Geschichte, alles dran, alles drin, was die Aufmerksamkeit der Leserinnen und vor allem der Leser erregt: Der (bald) mächtigste Mann der Welt. Klandestine Beziehungen zum russischen Geheimdienst. Ungewöhnliche sexuelle Vorlieben. Erpressung, Bestechung, Intimitäten, wie erfunden für die Boulevardpresse. Und möglicherweise tatsächlich erfunden.

Jedenfalls eine Geschichte, die alle Vorurteile bestätigt: Die der Gegner Donald Trumps, denn wer von ihnen würde ihm nicht die seltsamsten Praktiken und die ehrlosesten Händel zutrauen? Und auch die seiner Anhänger: So tief ist die Mainstream-Presse also gesunken, dass sie in ihrer Verzweiflung und ihrem Hass nicht einmal vor der anrüchigsten Lügengeschichte zurückschreckt, um den Wahlsieger zu diffamieren.

Bitter hat sich Trump über diese Skandal-Berichterstattung beklagt - und doch ist davon auszugehen, dass sie ihm ganz so ungelegen nicht kommt, wie es zunächst den Anschein haben mag. Denn sie mag wahr sein oder falsch, vor allem ist sie eben blendend - sie macht all jene, die sich nur noch mit ihr beschäftigen, blind für alle anderen Fragen, die noch offen sind vor Trumps Amtsantritt. Sie überstrahlt das Bild dieses Mannes auf dem Weg zur Macht so stark, dass die Lücken seiner Konzeption unsichtbar werden.

Nur Tweets, Show und Phrasen

Wie wird die Position der US-Regierung zu Russland sein? Eher skeptisch-distanziert, wie die jüngsten Äußerungen des designierten Außenministers Tillerson erwarten lassen? Eher freundlich, wie Trump selbst immer wieder verlautbart hat? Oder je nachdem, wie der Präsident mit seinem russischen Kollegen Putin auf persönlicher Ebene auskommen wird, wie Trump am Mittwoch der Presse sagte? Nichts Genaues weiß man nicht.

Haben nun die Russen die demokratische Partei gehackt, um Hillary Clinton zu schaden? Oder doch irgendjemand sonst? Auch dazu hat Trump keine feste Position bezogen, letzte Woche sagte er so, am Mittwoch anders, was wird er in einer Woche sagen? Kann man nicht wissen.

Will Trump nun die von Obama eingeführte allgemeine Krankenversicherung abschaffen? Oder doch in Teilen beibehalten? Für beide Varianten gibt es Aussagen aus seinem Mund. Auf welche kann man sich verlassen? Werden die USA auch künftig ihren Nato-Partnern beistehen? Oder müssen die bald selber sehen, wie sie sich schützen? Und wer bezahlt jetzt eigentlich für die Anti-Immigranten-Mauer, die Trump an der Grenze zu Mexiko errichten will? Irgendwie unklar.

Donald Trump hat seine Präsidentschaft noch nicht angetreten, da versinkt sie bereits im Nebel. Alles wird great, fantastic, beautiful und tremendous - aber wie genau soll es das werden? Konkrete Antworten auf die Frage, wie er seine Absichten in die Tat umsetzen will, gibt es nicht. Von ihm kommen nur Tweets, Show und Phrasen - und dem Rest der Welt bleibt nur die verzweifelte Hoffnung auf einigermaßen kompetentes Personal in der US-Regierung, das seine schlimmsten Ausfälle einhegt und echte Katastrophen verhindert. Politik jedoch ist von diesem Präsidenten nicht zu erwarten.

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Knackeule 12.01.2017
1. Einfach abwarten
"Groß sind seine Ziele und zahlreich seine Versprechungen. Wie er sie jedoch in die Tat umsetzen will, bleibt schleierhaft" schreibt der SPON-Kommentator. Darum empfehle ich, einfach mal abzuwarten, was "The Donald" so macht, wenn er Präsident ist. Tatsächlich wirkt er bis jetzt in seinen Auftritten als der größte Flegel vor dem Herrn. Aber seine Tiraden gegen Arbeitsplatz-Aufbau in Mexiko und anderswo scheinen auch zu wirken: immer mehr US-Fimen erklären, geplante Auslands-Investitionen zugunsten von US-Inlands-Investitionen aufzugeben. Daran könnten sich auch deutsche Politiker durchaus ein Beispiel nehmen. Trump verkörpert einigermaßen glaubwürdig sein Mantra "America first". Ich warte immer noch auf eine(n) deutsche(n) Regierungschef(in), der/die glaubwürdig "Deutschland zuerst" verkündet. Bisher ist es uns bei ja so, dass EU, Banken und Flüchtlinge Priorität genießen. Die Interessen der deutschen Bürger/Steuerzahler/Sparer pfeifen hingegen unserer Polit-Elite am Hintern vorbei. Vielleicht führt das dazu, dass bei den nächsten Wahlen in D auch solche Überraschungen warten wie der Trump-Sieg in den USA.
Ossifriese 12.01.2017
2. Wenn dann
Und wenn er es dann ist, der Trump, nämlich Präsident der USA und damit der wohl mächtigsten Nation der Welt - wie werden sich dann die Medien, allen voran die deutschen, verhalten? Darf ich es tatsächlich noch erleben, das ein US-amerikanischer Präsident vom Beginn seiner Amtszeit an ständiger Kontrolle, Kritik und genauester Verfolgung jeder Art von Verfehlung durch die Journalisten und Redaktionen unterliegt? Dass es dann keine stillschweigende Allianz auch des SPON mit dem obersten Anführer der "Westmächte" mehr geben wird, sondern klare Kante bei allen Entscheidungen des Herrn Trump? Nimmt man die bisherigen Berichte und Stellungnahmen zum kommenden US-Präsidenten als Maßstab, müsste es eigentlich so sein. Nur - glauben kann ich daran nicht. Sie werden alle wieder zu Kreuze kriechen, wenn Trump seine Macht erst ausübt. Wenigstens werde ich dann herzhaft lachen dürfen.
Alias_aka_InCognito 12.01.2017
3. Einfache Lösung
Trump sollte einfach Putin konsultieren, wie er ohne sichtbare Erfolge, die genuin von der obersten Staatsführung herrührten, durchregieren kann. Dazu braucht er nur eine willige, gleichgeschaltete Presse, die seine ideologisierten Anhänger füttern und aufstacheln. Ich erinnere mich gerade an ein Russia-Today-Kunstwerk mit dem Titel "Der Präsident". Das war ein Spitzen-High-End-Produkt eines Präsidentenportraits und der Dokumentation seiner 15-jährigen Herrschaft. Er allein soll in stoischer Aufopferung Russland vor dem totalen Zusammenbruch und den harten Attacken des Westens gerettet haben und ein Garant für die Zukunft sein. Putin als Übermensch. Genau so eine PR bräuchte auch Trump. Das es nicht funktioniert, liegt daran, dass die USA nicht Russland sind, obwohl Trump mit Putinschen Medien-Methoden gerne arbeiten würde und Putin glaubt, mit den USA auf Augenhöhe zu sein und einen geopolitischen Wettkampf sich leisten zu können. Beide werden noch in der harten Realität ihren Meister finden, denn Sein und Schein funktionieren nicht überall gleich gut.
mistergarak 12.01.2017
4. Möglicherweise erfunden?
Sollten sie nicht besser schreiben zu 99% erfunden? Denn Belege für seine Behauptungen gibt der Ex-Agent in seinem Bericht ja nur ala anonyme Quellen an. Ein Beweis sieht anders aus. Und sie schreiben "möglicherweise erfunden". Das ist so als würden sie schreiben die Behauptung Angela Merkel hat für die Stasi gearbeitet ist möglicherweise erfunden. Sie sehen doch hoffentlich ein das diese Art des "Journalismus besser in der Boulevardpresse aufgehoben ist als beim Spiegel. Ansonsten muss man den Spiegel bald in einer Reihe mit dem Goldenes Blatt nennen. Denn die schreiben auch am liebsten in vagen Andeutungen, Konjunktivsätzen und Vermutungen.
jens20505 12.01.2017
5. Es wird ...
.... nicht mal 6 Monate dauern, dann wird ein neuer President kommissarisch im Weißen Hause sitzen. Auf Youtube wird man inzwischen Donald Trump beim Sex mit Russischen Prostituierten rauf und runter gucken können (würg!) und das FBI sucht ihn wg. Steuerbetrug, illegaler Geschäftspraktiken und Verstoß gegen das Russland Embargo. Das wird ein lustiges Jahr!
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