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Superspender der US-Republikaner: Die Milliardenwette

Von , Washington

Wahlkampf: Die mächtigsten Geldgeber in den USA Fotos
AFP

In den USA wollen die Megaspender um Casinomagnat Sheldon Adelson endlich wieder einen Republikaner ins Weiße Haus bringen. Nur wen? Die meisten Kandidaten enttäuschen, bei den Schwerreichen macht sich Frust breit.

Das Venetian ist eine der beliebtesten Adressen in Las Vegas. Die Macher des Hotels im Zentrum der Zockermetropole haben ihren Palast der italienischen Lagunenstadt Venedig nachempfunden. Draußen schippern die Gondeln, drinnen schimmern Gewölbe im Michelangelo-Stil. Am Rande des hauseigenen Casinos versteckt sich hinter einer Glastür ein unscheinbarer Aufzug, den Zugang bewacht ein Sicherheitsmann. Hinter ihm liegt das Reich des Sheldon Adelson.

Die Büroflure von Adelson haben einen fast schon mystischen Ruf. Hier bastelt der 82-Jährige, der mit rund 28 Milliarden Dollar Vermögen zu den zwanzig reichsten Menschen der Welt gehört, an seinem Casinoimperium, hier fädelt er seine Deals ein. Vor allem aber: Hier empfängt er alle vier Jahre jene Republikaner, die für ihren Präsidentschaftswahlkampf gerne sein Geld haben würden. "Wir nennen es die 'Adelson Primary'", sagt einer, der schon mal dabei war.

Es ist jetzt wieder so weit. Die Partei wartet darauf, welchem Kandidaten Adelson und andere konservative Megaspender ihr Geld versprechen, um 2016 das Weiße Haus zu erobern. Adelson selbst will 100 Millionen Dollar investieren. Die Industriellen Charles und David Koch planen, über ihr politisches Netzwerk gar 900 Millionen Dollar zu sammeln. Die Milliardenwette beruht auf einer nicht unproblematischen Kalkulation: Eine Hand wäscht die andere. Deregulierung, Steuersenkungen, Treue zu Israel - das ist die Agenda, die sich die Großspender von ihrem Kandidaten im Falle eines Wahlsiegs erhoffen.

Doch die Operation stockt. Es läuft nicht, wie Adelson und die Kochs sich das vorstellen: Das Feld der Republikaner ist unübersichtlich. Es gibt noch immer mehr als ein Dutzend Kandidaten, und ausgerechnet jener, der in den Umfragen seit Monaten vorne liegt, braucht kein Geld. Er hat selbst genug davon.

Trump: "Ich bin nicht käuflich"

Donald Trump hat sich als echte Gefahr für ihren Einfluss herausgestellt, was eine der wenigen sympathischen Folgen seiner Bewerbung ist. Würde er Kandidat, hätten die Spender schlicht keinen Zugang. Trump führt Krieg gegen sie. Seine Rivalen erklärt er zu Marionetten ihrer Unterstützer, den Geldgebern wirft er vor, die Politik zu manipulieren. "Ich bin nicht käuflich", lautet seine Botschaft. Dass Trump vorhat, sich die Kandidatur mit seinen eigenen Milliarden zu sichern, ist nicht unbedingt sauberer, aber sein Mantra ist für Adelson und Co. unangenehm.

Es lenkt den Blick auf die dunkle Seite des Wahlkampfs, die Verstrickung des großen Geldes mit der Politik. Seit 2010 der Supreme Court das sogenannte "Citizens United"-Urteil fällte, gibt es kaum noch Grenzen für schwerreiche Amerikaner bei ihren Finanzspritzen für Republikaner oder Demokraten. Es drohen gefährliche Abhängigkeiten. "Die großen Geldgeber haben eine klare Agenda, und meistens dient sie nur ihren eigenen Interessen", kritisiert Daniel Weeks, Direktor der Anti-Lobbyismus-Organisation: "Sie untergraben unsere Demokratie."

Die Wähler scheinen für das Problem sensibler zu werden. 84 Prozent der Amerikaner halten den Einfluss von Geldgebern inzwischen für zu groß. Auch der Präsident beklagt die Lage. Doch noch muss das die Spender nicht kümmern, denn neue Regeln sind nicht in Sicht.

Erster Frust kommt trotzdem auf. "Ich habe keine Pläne, irgendjemand in den Vorwahlen zu unterstützen", ließ Charles Koch in dieser Woche trotzig wissen. Das ist bemerkenswert, weil es als offenes Geheimnis gilt, dass die Koch-Brüder, die über ihr Firmenkonglomerat Koch Industries angeblich 120 Milliarden Dollar angehäuft haben, ursprünglich Scott Walker favorisierten, den Gewerkschaftsschreck aus Wisconsin. Doch Walker hat aufgegeben. Jeb Bush, der politisch passen würde, ist in einer schweren Krise. Und Marco Rubio, der zuletzt gute Auftritte hinlegte, könnte aufgrund seiner Unerfahrenheit ein Risiko sein. Jetzt gibt es eben so lange kein Geld, bis Trumps Aussichten schwinden.

Tendiert Adelson zu Rubio?

Nicht alle tun sich so schwer. Paul Singer, Hedgefondsmanager aus New York, hat kürzlich Rubio seinen Segen gegeben. Aber die Koch-Brüder und Adelson gelten als die mächtigsten Strippenzieher. Und wie die Kochs zögert auch Adelson noch.

Vor der Wahl 2012 unterstützte er früh den Ex-Abgeordneten Newt Gingrich mit 20 Millionen Dollar. Fast im Alleingang hielt der Casinomagnat den Republikaner während der Vorwahlen finanziell über Wasser. Es half nichts. Gingrich verlor gegen Mitt Romney, und Adelson musste neue Schecks schreiben für jemanden, den er eigentlich verhindern wollte.

Diesen Fehler will er nicht noch einmal machen, sondern erst dann seine Chips setzen, wenn die Lage übersichtlicher ist. Kürzlich hieß es, Adelson habe Rubio zur Audienz in seinen Zimmern über dem Casino im Venetian empfangen. Seitdem gilt der Senator aus Florida als heimlicher Favorit des Milliardärs.

Doch bei den Republikanern bremsen sie. "Es ist nichts entschieden, bis alles entschieden ist", sagt ein erfahrener Wahlkämpfer der Partei.

Zum Autor
Veit Medick ist seit Februar 2009 Politikredakteur im Berliner Büro von SPIEGEL ONLINE und seit August 2015 Korrespondent in Washington.

E-Mail: Veit_Medick@spiegel.de

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1. Die USA
spmc-129372683232763 16.11.2015
sind eine "Lupenreine Demokratie"! Was zu beweisen war!
2.
muellerthomas 16.11.2015
Zu warten, bis ein Kadidat feststeht, dürfte allerdings die "Rendite" der Investition senken. Steht der republikanische Bewerber fest, konzentrieren sich zum einen ohnehin alle konservativen Spenden auf ihn (oder sie), zum anderen benötigt der Kandidat dann auch "nur" noch Geld für den eigentlichen Wahlkampf. Wer hingegen jetzt etwa Rubio oder Cruz unterstützt, also Kandidaten, die vermutlich über weniger eigenes Geld verfügen als Trump oder der Bush-Clan, wird sich im Falle eines Sieges über viel Dankbarkeit freuen können.
3. ..Wahlrecht..
bm2312 16.11.2015
ganz einfach, - alle die unter 100tausend Dollar verdienen- das Wahlrecht aberkennen.. dann klappt es mit einen Rep. Kanditaten.. Bei denn Schwarzen und Roten Mitbürgern hat man ja das Wahlrecht eingeschrenkt... Vorbestafte dürfen nicht Wählen...
4. Nichts zu befürchten
Art. 5 16.11.2015
Von Clinton haben die Schwerreichen auch nichts zu befürchten. Sie hatte in der Debatte der Demokraten vorgestern hartnäckig ihre Spenden von der Wall-Street verteidigt. Der einzige von ihnen zu fürchtende Kandidat Sanders hat wegen des Systems kaum eine Chance.
5. So werden Wahlen gemacht!
berlin-steffen 16.11.2015
So werden wahlen in der noch mächtigsten "Demokratie" gemacht. Schimpft nur weiter auf Honecker und seine 98% Wahlzustimmung mit seinen Kandidaten der Nationalen Front. Amerika war und ist uns immer mindestens einen Schritt voraus und trendy. So geht die marktkonforme Demokratie, die sich auch Angela auf ihre Agenda geschrieben hat. Bravo!
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