Ex-Präsidentschaftskandidat Paul Dr. Seltsam nervt die Republikaner

Ron Paul ist raus: Der skurrile Radikal-Liberale, der Weisungen allein von Gott entgegen nimmt, ist aus dem Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Republikaner ausgestiegen. Trotzdem ist Mitt Romney seinen Widersacher nicht los - denn der will ihn nun aus dem Hintergrund unter Druck setzen.

Polit-Opa Ron Paul: Keine einzige Vorwahl gewonnen
AFP

Polit-Opa Ron Paul: Keine einzige Vorwahl gewonnen

Von , Washington


So, das war's. Ron Paul ist raus. Er werde in keinem weiteren Staat mehr aktiven Wahlkampf betreiben, ließ der radikal-liberale Republikaner am Montag (Ortszeit) wissen. Denn das würde Millionen von Dollar kosten, die er einfach nicht habe. Punkt. Somit ist nun auch der letzte Konkurrent von Mitt Romney aus dem Kampf der Republikaner um die Präsidentschaftskandidatur ausgestiegen.

Könnte man meinen. Aber richtig aufhören will Polit-Opa Paul dann doch nicht. Denn der 76-Jährige hat klargemacht, dass er weiterhin Delegierte für den Republikaner-Parteitag im Spätsommer sammeln will, auf dem der Präsidentschaftskandidat gekürt werden soll. "Wir werden Delegierte gewinnen und dem Parteitag die starke Botschaft übermitteln, dass Freiheit der Weg der Zukunft ist."

Erfolg durch die Hintertür

Aber wie will der Mann das anstellen? Über die Landesversammlungen der Partei. Das geht so: Bei den Vorwahlen in den einzelnen Staaten ist zwar entschieden worden, wie viele Delegierte Romney und Co. jeweils zustehen; konkret ausgewählt aber werden diese Abgesandten teilweise auf späteren Regional- und Landesversammlungen. Diese sind zuletzt von Pauls Leuten beackert und geflutet worden. Mit dieser Stimmen-Macht sollen den Romney-Anhängern Plätze genommen und eigene Gefolgsleute zum Krönungsparteitag der Republikaner nach Tampa entsandt werden.

Hört sich kompliziert an, funktioniert aber. Beispiel Nevada. Dort holte Romney beim Caucus Anfang Februar 50 Prozent der Stimmen, Paul landete mit gut 19 Prozent abgeschlagen auf dem dritten Platz im Wüstenstaat, den er eigentlich gewinnen wollte. Nun aber haben Pauls Leute auf Nevadas Parteiversammlungen erneut gekämpft - und stellen plötzlich 22 der 25 Delegierten. Darunter sind allerdings auch 14 Delegierte, die im ersten Wahlgang an das Votum der Wähler gebunden sind - also in Tampa für Romney stimmen müssen, egal ob sie Ron-Paul-Fans sind oder nicht.

In Massachusetts konnte Paul im Nachhinein laut "Boston Globe" 18 der insgesamt 27 Delegierten einsacken. Pikant, denn der Ostküstenstaat ist Romneys Heimat, bei der Vorwahl am Super Tuesday gewann der Ex-Gouverneur hier 72 Prozent der Stimmen. In Maine, das Romney im Februar nur knapp gegen Paul für sich entscheiden konnte, schnappte ihm der Alte 21 der insgesamt 24 Delegierten im Nachhinein weg.

Und so wächst die Machtbasis des gelernten Gynäkologen Doktor Paul. Dass er keine einzige Vorwahl gewinnen konnte, spielt dabei keine Rolle. "Die anderen haben das Spielfeld nach der ersten Halbzeit verlassen. Wir sind auf dem Platz geblieben", zitierte die "Washington Post" Carl Bunce, Pauls Wahlkampfchef in Nevada. Das war noch vor dem Ausscheiden Pauls am Montag.

Die Hintertür-Strategie passt zu dem Wahlkampf, den Ron Paul und seine Anhänger in den vergangenen Monaten geführt haben. Dabei entwickelte sich der Kongressabgeordnete, der schon zum dritten Mal als Präsidentschaftsbewerber angetreten ist, mehr und mehr zum Dr. Seltsam der US-Politik: Er will Kapitalismus pur, zurück zum Goldstandard, die Steuern massiv senken, etliche Ministerien abschaffen (Inneres, Energie, Bildung, Wirtschaft, Städtebau), Weisungen will er allein von Gott entgegen nehmen und mit der Freigabe von Heroin hat er offenbar auch kein Problem. Und so weiter.

"Bis wir schließlich siegen werden"

Seine Anhänger sind tendenziell jung, männlich, haben technische Intelligenz, kurzum: Es sind Nerds. Sie leben ein Leben im virtuellen Raum, neigen zu Verschwörungstheorien, glauben die Wahrheit fest an ihrer Seite, träumen von der "Ron-Paul-Revolution". Eigene Unzulänglichkeiten werden umgedeutet in Angriffe aus der Welt des vermeintlichen politischen Establishments und sogenannter Mainstream-Medien.

Fest steht: Es ist ausgeschlossen, dass Paul mit seiner Guerilla-Taktik die Nominierung Romneys zum Präsidentschaftskandidaten noch verhindern kann. Warum aber macht er dann noch immer weiter? Erstens: Weil er seinen doch sehr überzeugten Anhängern nicht einfach sagen kann, dass es nun vorbei sei, man im Endeffekt eben doch nach den althergebrachten Regeln zu spielen habe. Und zweitens, das sagt er selbst, gehe es ihm um mehr als die 2012er Wahl, er kämpfe seit 40 Jahren für die Freiheit, seine Anhängerschaft werde weiter wachsen - "bis wir schließlich siegen werden". Seine Bewerbung nennt er "historisch".

Das hört sich ein bisschen schmalzig an. Doch jenseits des Paul-Pathos könnte es auch um die ganz profane Angelegenheit der Erbfolge gehen: Sohn Rand Paul, der für Kentucky im US-Senat sitzt, soll wohl künftig den Radikal-Liberalen geben. Die Spaltung der Partei will sein Vater also auch deshalb nicht riskieren. Möglicherweise wird sich beim nächsten Mal wieder ein Paul um die Kandidatur der Republikaner bewerben. Dann eben der Sohn.

Für Ron Paul selbst läuft es beim kommenden Parteitag in Tampa möglicherweise auf einen größeren Redeauftritt hinaus. Seine Hoffnung: Mit der gewachsenen Delegierten-Macht im Rücken wird ihn die Romney-Regie kaum übergehen können. Das wäre dann in gewissem Sinne historisch.

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Seite 1
frubi 15.05.2012
1. .
Zitat von sysopAFPRon Paul ist raus: Der skurrile Radikal-Liberale, der Weisungen allein von Gott entgegen nimmt, ist aus dem Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Republikaner ausgestiegen. Trotzdem ist Mitt Romney seinen Widersacher nicht los - denn der will ihn nun aus dem Hintergrund unter Druck setzen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,833181,00.html
Wieso wird zwanghaft versucht, Ron Paul in Deutschland derart lächerlich zu machen? Das mit den Weisungen von Gott ist wirklich absoluter Blödsinn. Seine Reformen beruhen auf vernünftigen Ansichten und nicht auf Weisungen von einem bärtigen Mann. Santorum war der hardcore Christ mit den kruden Ansichten. Der wurde in den deutschen Medien kein einziges mal derart harsch attackiert.
gibbonnobbig 15.05.2012
2.
Zitat von frubiWieso wird zwanghaft versucht, Ron Paul in Deutschland derart lächerlich zu machen? Das mit den Weisungen von Gott ist wirklich absoluter Blödsinn. Seine Reformen beruhen auf vernünftigen Ansichten und nicht auf Weisungen von einem bärtigen Mann. Santorum war der hardcore Christ mit den kruden Ansichten. Der wurde in den deutschen Medien kein einziges mal derart harsch attackiert.
Richtig. Das was Ron Paul sagt hat Hand und Fuß, erst recht wenn man bedenkt, dass er Republikaner ist.
FreieWelt 15.05.2012
3. Bei der Wahrheit bleiben.
Zitat von sysopAFPRon Paul ist raus: Der skurrile Radikal-Liberale, der Weisungen allein von Gott entgegen nimmt, ist aus dem Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Republikaner ausgestiegen. Trotzdem ist Mitt Romney seinen Widersacher nicht los - denn der will ihn nun aus dem Hintergrund unter Druck setzen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,833181,00.html
Selten habe ich einen so mit Voruteilen und Lügen durchtränkten Artikel gelesen. Ron Paul nimmt seine Weisungen nicht von Gott entgegen, diese Fundipropaganda ist einfach erstunken und erlogen. Darüber hinaus ist er vom Goldstandard angetan (mal sehen, wie sich dann Blasen und Krisen überhaupt entwickeln sollen, wenn man Geld nicht unbegegrenzt drucken kann, die Idee hat was!) aber favorisiert eine Marktlösung, bei der sich das stabilste Geld von alleine durchsetzt. Seine Anhänger als Nerds zu bezeichnen, spiegelt den geistigen Horizont des Autors wieder, nicht aber die Realität. Paul hat unglaublich viele Anhänger im Militär weil er im Gegensatz zu Obama etc. die Truppen weltweit wirklich abziehen will. Die Verlogenheit in diesem Land inkl. Medien ist kaum mehr zu ertragen!
Whitejack 15.05.2012
4.
Zitat von frubiWieso wird zwanghaft versucht, Ron Paul in Deutschland derart lächerlich zu machen? Das mit den Weisungen von Gott ist wirklich absoluter Blödsinn. Seine Reformen beruhen auf vernünftigen Ansichten und nicht auf Weisungen von einem bärtigen Mann. Santorum war der hardcore Christ mit den kruden Ansichten. Der wurde in den deutschen Medien kein einziges mal derart harsch attackiert.
Wie kann man Ron Paul hochleben lassen und die FDP so heftig attackieren? (Gilt jetzt nicht für Sie speziell, sondern für das generelle Foren-Verhalten.) Die FDP steht Ron Paul von allen deutschen Parteien mit Abstand am nächsten. Oder ist es so, dass man im fernen Amerika durchaus so jemanden befürworten kann, aber bitte nicht im eigenen Land?
tenrevo 15.05.2012
5. Unglaublich aber wahr,
dass sich nicht einmal Deutsche Journalisten trauen, ein etwas objektiveres Bild des Amerikanischen Wahlkampfs abzubilden. Vor allem die Art und Weise, wie Dr. Paul in die "Schräger, seltsamer Typ"-Schublade gepresst wird, schockiert mich. Da gibt es einen Politiker, der seit 30 Jahren "im Geschäft" ist und in dieser (für Politiker schon regelrecht ewigen) Zeit immer wieder mit Sachverstand und Ehrlichkeit herausstach und was machen Sie???? Verleihen ihm den Titel "Dr. Seltsam", eine Schande ist das! Zum Glück gibt es noch unabhängige Quellen, die es zugegebenermaßen noch nicht in die breite Masse aller Haushalte geschafft haben, um sich wirklich informieren zu können. Dem Verfasser möchte ich nahelegen sich die Aussagen von dem Radikal-Liberalen zum Thema "Immobilien-Blase" von 2002!!! anzusehen. Damals wie heute versuchten Ihre Kollegen ihn als Spinner zu deklarieren, bis, tja bis 2008 genau das eintraf, was er sechs Jahre zuvor prognostizierte.
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