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US-Berichte: Russland schickt angeblich Schiffe, Flugzeuge und Truppen nach Syrien

Russische Antonow-124: Zwei solche Maschinen sollen in Syrien gelandet sein Zur Großansicht
REUTERS/ Host Photo Agency/ RIA Novosti

Russische Antonow-124: Zwei solche Maschinen sollen in Syrien gelandet sein

Die USA haben offenbar weitere Hinweise darauf, dass Moskau direkt in den syrischen Bürgerkrieg eingreift - mit Flugzeugen und Schiffen. Außenminister Steinmeier warnt vor einer Eskalation.

Offiziell gibt es noch keine Aussagen der US-Regierung. Doch hinter den Kulissen reden einige Vertreter über angebliche Hinweise auf ein direktes militärisches Eingreifen Russlands in den syrischen Bürgerkrieg.

In den vergangenen Tagen seien mindestens drei russische Militärflugzeuge in Syrien gelandet, sagten US-Offizielle laut der Nachrichtenagentur Reuters. Zwei Maschinen vom Typ Antonow-124 sowie eine Passagiermaschine seien auf einem Flughafen in der Region Latakia gelandet. In einem weiteren Bericht ist außerdem von zwei Panzerlandeschiffen die Rede.

Die Russen errichteten an dem Flughafen im Nordwesten des Landes demnach Fertigbau-Unterkünfte, die "Hunderten" Menschen Platz böten. Außerdem hätten sie tragbare Ausrüstung für die Luftraumkontrolle mitgebracht. "All dies legt nahe, dass Russland plant, von diesem Flugfeld aus eine Art Flugeinsatzzentrale zu betreiben", sagte einer der US-Regierungsvertreter der Agentur AFP.

Mehrere Insider im Nachbarland Libanon berichteten, russische Truppen hätten an Kampfhandlungen in Syrien teilgenommen.

Auch in Syrien selbst heißt es, Russland habe die Präsenz seiner Militärberater dort ausgeweitet. "Russische Experten sind immer vor Ort, aber im vergangenen Jahr waren sie stärker präsent", verlautete aus syrischen Militärkreisen. Alle Aspekte der Beziehungen zwischen Syrien und Russland würden derzeit weiterentwickelt, auch die militärischen. Russland argumentiert, seine Militärexperten seien nur vor Ort, um der syrischen Armee bei der Übernahme russischer Waffenlieferungen zu helfen.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg zeigte sich alarmiert. "Ich bin besorgt über Berichte über eine verstärkte russische Militärpräsenz in Syrien", sagte er am Mittwoch in Prag. "Das wird keinen Beitrag zur Lösung der Krise bringen", fügte er hinzu. Auch der französische Außenminister Laurent Fabius sagte, die russische Militärpräsenz in Syrien erschwere die Suche nach einer politischen Lösung.

US-Außenminister John Kerry telefonierte am Mittwoch mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow und drückte erneut seine Beunruhigung über ein mögliches verstärktes militärisches Engagement im Syrien-Konflikt aus. Solche Aktivitäten könnten zu noch größerer Gewalt in Syrien führen. Russland gehört zu den letzten Unterstützern von Syriens Staatschef Baschar al-Assad.

Steinmeier lehnt britisches Engagement ab

Neben Russland könnten demnächst auch Großbritannien und Frankreich in Syrien militärisch eingreifen. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier warnte daher am Mittwoch vor einer zusätzlichen Eskalation in dem Land.

"Ich sehe mit Bestürzung die Nachrichten, dass Großbritannien sich stärker militärisch engagieren will", sagte Steinmeier im Bundestag. Stattdessen sollten Chancen für eine Konfliktlösung genutzt werden, die sich auch aus der Verständigung im Atomkonflikt mit Iran ergeben würden. Daher könne es nicht sein, "dass jetzt wichtige Partner auf die militärische Karte setzen".

Die britische Luftwaffe hatte am 21. August erstmals die Dschihadisten-Miliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien angegriffen. Die britische Regierung schließt weitere solcher Angriffe nicht aus. Auch Frankreich bereitet Luftangriffe gegen den IS in Syrien vor.

Bulgarien bot Moskau unterdessen an, unter Auflagen russischen Maschinen wieder den Überflug zu erlauben. Russische Flugzeuge mit Ziel Syrien könnten den bulgarischen Luftraum nutzen, "wenn unsere russischen Kollegen zustimmen, dass ihre Maschinen auf einem bulgarischen Airport inspiziert werden", sagte Bulgariens Außenminister Daniel Mitow.

Bulgarien habe den Überflug russischer Maschinen nach Syrien zuvor verweigert, weil es Zweifel an der deklarierten Fracht der Maschinen "und der tatsächlichen Lieferung" gegeben habe, betonte Mitow. Russland hatte sich über die Verweigerung der Überflugrechte verärgert gezeigt.

Griechenland öffnete nach russischen Angaben seinen Luftraum für Hilfsflüge. Die Genehmigung sei am 31. August erteilt worden, zitierte am Mittwoch die Agentur Tass einen russischen Botschaftsmitarbeiter in Athen. Sie gelte bis zum 24. September. Auch Iran habe allen Bitten um Überflüge stattgegeben, berichtete zudem die Agentur Interfax unter Berufung auf die russische Botschaft in Teheran.

Eine Koalition von Dschihadisten unter Beteiligung der Nusra-Front eroberte inzwischen am Mittwoch nach Informationen der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte den Militärflughafen Abu al-Duhur in der nordwestlichen syrischen Provinz Idlib. Das staatliche syrische Fernsehen bestätigte die Eroberung und gab bekannt, die syrischen Regierungstruppen hätten sich von dem Stützpunkt zurückgezogen. Dieser war seit zwei Jahren belagert worden.

ler/AFP/Reuters

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