Territorialstreit um Spratly-Inseln USA schicken Kriegsschiff ins Südchinesische Meer

Peking baut seine Präsenz im Südchinesischen Meer aus - nun haben die USA mit einer ungewöhnlichen Mission reagiert: Ihr Zerstörer "USS Lassen" kreuzte nah vor den Spratly-Inseln. Chinas Botschafter in Washington kritisierte die "Muskelspielchen".


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Die USA haben eins ihrer Kriegsschiffe ins Südchinesische Meer entsendet. Der Zerstörer "USS Lassen" kreuzte am Dienstagmorgen in rund zwölf Seemeilen Entfernung zu den künstlichen Inseln, die China derzeit in dem Meer aufschüttet. Das berichtete ein US-Militärvertreter.

Es handele sich um einen "Routineeinsatz in Übereinstimmung mit internationalem Recht", sagte der US-Beamte. Mehrere Stunden lang sollte das Schiff in der Gegend bleiben, in den kommenden Wochen sollen weitere Patrouillenfahrten folgen. Wie der Sender CNN berichtet, hat US-Präsident Barack Obama den Einsatz genehmigt - für China ein Affront.

In der chinesischen Botschaft in Washington ist von "Muskelspielchen" die Rede. Sprecher Zhu Haiquan forderte die USA auf, "es zu unterlassen, etwas Provokatives zu sagen oder zu tun". Die Amerikaner sollten vielmehr verantwortungsbewusst handeln, um den Frieden und die Stabilität in der Region zu bewahren.

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Territorialstreit zwischen USA und China: "USS Lassen" im Südchinesischen Meer
Die Freiheit der Schifffahrt dürfe nicht als Vorwand dafür benutzt werden, die Muskeln spielen zu lassen "und die Souveränität und Sicherheit anderer Länder zu untergraben".

Das chinesische Außenministerium veröffentlichte kurz nach dem Vorfall eine Mitteilung. Darin heißt es, man habe die "USS Lassen" beobachtet, verfolgt und gewarnt, als diese "illegal" in die Hoheitsgewässer eingedrungen sei. China appelliere an die USA, seinen Fehler sofort zu korrigieren und auf "provokative Taten" zu verzichten.

Das Selbstbewusstsein Chinas

China hatte Ende vergangenen Jahres damit begonnen, fünf Inseln der Spratlys im Südchinesischen Meer durch künstliche Landgewinnung um insgesamt etwa 200 Hektar zu vergrößern. Bei der Inselgruppe handelt es sich um insgesamt rund 150 Felsen, Atolle und Riffe, von denen gerade einmal fünf Quadratkilometer aus dem Wasser ragen. Neben China erheben allerdings auch Vietnam, Taiwan, Malaysia, Brunei und die Philippinen Anspruch auf sie.

Die Regierung in Peking beruft sich auf "historische Rechte" und vertritt die Ansicht, China habe Hoheitsrechte über nahezu das gesamte Südchinesische Meer, einschließlich der Küstengewässer anderer Staaten. Das Meer ist ein strategisch wichtiger Seeweg, über den rund ein Drittel des weltweit gehandelten Rohöls befördert wird.

China setzt seine Territorialansprüche zunehmend aggressiv durch. Auf einer der Inseln treibt die Regierung offenbar sogar den Bau einer dritten Landebahn voran. Im vergangenen Monat sprach China davon, man werde es "einem anderen Land niemals erlauben", die chinesischen Hoheitsgewässer und den Luftraum über den Spratly-Inseln zu verletzen.

Die Sorgen der Amerikaner

Die USA hatten China bereits im Mai mit Blick auf die Aufschüttungen eindringlich zur Zurückhaltung gemahnt. Sie sind zunehmend besorgt darüber, wie China seine territorialen Ansprüche durchsetzt.

US-Verteidigungsminister Ashton Carter sagte vor zwei Wochen: "Machen Sie keinen Fehler: Die Vereinigten Staaten werden fliegen, segeln und im Einsatz sein, wo immer es das internationale Gesetz erlaubt." So würden es die USA weltweit handhaben - und das Südchinesische Meer sei da keine Ausnahme.

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Zusammengefasst: Die USA haben das Kriegsschiff "USS Lassen" ins Südchinesische Meer geschickt, es kreuzte nah vor den Spratly-Inseln. Für die Regierung in Peking ist es ein deutliches Zeichen, dass ihr reklamiertes Hoheitsgebiet nicht anerkannt wird. China beansprucht aufgrund "historischer Rechte" einen Großteil des Gebietes für sich, und setzt seine Ansprüche zunehmend aggressiv um. Die Inseln wurden beispielsweise durch künstliche Landgewinnung vergrößert - obwohl auch andere Länder Anspruch darauf erheben.

aar/Reuters/AP/AFP

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