Von Hasnain Kazim, Islamabad
Die Zeiten, in denen Hafiz Mohammad Saeed sich frei bewegen konnte, dürften vorbei sein. Die USA haben ein zehn Millionen Dollar hohes Kopfgeld auf den 61-Jährigen ausgesetzt. Saeed gilt als Kopf hinter den Terroranschlägen auf die indische Metropole Mumbai im November 2008, bei denen 166 Menschen getötet wurden.
Zudem ist er der Gründer von Lashkar-i-Toiba, einer Organisation, die seit den neunziger Jahren mit angeblich pakistanischer Unterstützung im indischen Teil Kaschmirs gegen indische Soldaten kämpfte. Die USA erklärten Lashkar-i-Toiba im Dezember 2001 zur Terrororganisation. Die Region Kaschmir wird von Indien und Pakistan beansprucht, die beiden Länder haben mehrere Kriege um die Provinz geführt.
Wendy Sherman, Staatssekretärin im US-Außenministerium, teilte bei ihrem Besuch in Indien mit, es existiere außerdem ein Kopfgeld über bis zu zwei Millionen Dollar auf Saeeds Schwager Abdul Rehman Makki, dem heutigen Chef von Lashkar-i-Toiba.
Offiziell wurden die Belohnungen für Hinweise, die zur Festnahme der Männer führen, am späten Montagabend auf einer Website des US-Außenministeriums veröffentlicht.
Das Kopfgeld auf Saeed ist eines der höchsten, das die USA derzeit auf einen Terroristen ausgesetzt haben. Ebenfalls bis zu zehn Millionen Dollar sind auf Taliban-Chef Mullah Omar sowie auf zwei Qaida-Führer vorgesehen. Lediglich auf Qaida-Chef Aiman al-Sawahiri sind mehr ausgesetzt, nämlich 25 Millionen Dollar und damit genauso viel wie auf seinen im vergangenen Mai getöteten Vorgänger Osama Bin Laden.
Lob aus Indien für den Vorstoß der USA
Das Vorgehen der USA stieß in Indien auf Zustimmung. Das US-Kopfgeld spiegele das "Bekenntnis Indiens und der USA wider, die Täter hinter den Terrorangriffen auf Mumbai vor Gericht zu bringen und Terrorismus zu bekämpfen", erklärte Syed Akbaruddin, Sprecher des indischen Außenministeriums in Neu-Delhi, am Dienstag. Es sei ein "starkes Signal an Lashkar-i-Toiba", dass die internationale Gemeinschaft vereint sei im Kampf gegen Terrorismus.
Saeed soll hinter mehreren Anschlägen stecken. Ajmal Kasab, der einzige von zehn Angreifern, die den Terroranschlag auf Mumbai überlebten und der von einem indischen Gericht zum Tode verurteilt wurde, beschuldigt Saeed, die Anschläge auf die Stadt geplant zu haben.
In Pakistan ist Lashkar-i-Toiba seit 2002 auf Druck aus Washington verboten. Tatsächlich operieren deren Mitglieder jedoch unbehelligt weiter, oft unter dem Deckmantel der Hilfsorganisation Jamaat-ud-Dawa. Saeed beispielsweise tritt regelmäßig in pakistanischen Talkshows auf. Er steckt auch hinter einem neu gegründeten Bündnis extremistischer Parteien in Pakistan, das sich "Defence Council of Pakistan" nennt. Bei dessen Veranstaltungen tritt er in aller Öffentlichkeit auf. Die US-Regierung protestiert regelmäßig gegen seine Auftritte - ohne Wirkung. In Pakistan sehen ihn viele Menschen wegen seiner Verbalattacken auf Indien und USA eher als Helden denn als Bösewicht.
Spannungen zwischen USA und Pakistan wachsen
Dem arabischen Sender al-Dschasira sagte Saeed, Washington habe nur deshalb ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt, weil er in Pakistan Massenveranstaltungen organisiere, auf denen er sich gegen die Öffnung der Transportwege für die Nato-Truppen in Afghanistan ausspreche.
Pakistan hatte die Wege von der südpakistanischen Hafenmetropole Karatschi ins benachbarte Afghanistan blockiert, nachdem am 26. November 2011 Nato-Hubschrauber einen pakistanischen Grenzposten beschossen und dabei 26 Soldaten getötet hatten. Nach US-Darstellung handelte es sich bei dem Angriff um ein Versehen, Pakistan verlangt nun eine offizielle Entschuldigung von Washington und plant, für künftige Nato-Transporte durch Pakistan Gebühren zu verlangen.
Das Kopfgeld dürfte das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen den USA und Pakistan weiter verschärfen. Der Druck auf Pakistan wächst, gegen Saeed und andere Mitglieder von Lashkar-i-Toiba beziehungsweise Jamaat-ud-Dawa vorzugehen. Mit der ausgeschriebenen Belohnung signalisiert Washington, dass es die Hoffnung aufgegeben hat, dass Pakistan von sich aus gegen die Terroristen vorgehen wird.
Saeed war nach den Anschlägen in Mumbai in Pakistan verhaftet, auf Anordnung eines pakistanischen Gerichts aber im Juni 2009 wieder freigelassen worden, weil angeblich keine Beweise gegen ihn vorlägen. Nach Ansicht der pakistanischen Regierung gebe es keine rechtlichen Gründe, gegen Saeed vorzugehen.
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