Pentagon-Plan: Amerikaner streiten über Frauen an der Front

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Streit um Militärreform: Frauen unter Waffen Fotos
REUTERS

Sind Frauen zu schwach für die Special Forces? In den USA entbrennt ein Streit darüber, ob Soldatinnen auch an vorderster Front kämpfen sollen. Die Obama-Regierung ist dazu entschlossen, doch es regt sich wortreicher Widerstand.

Washington - Die Entscheidung, Frauen im US-Militär künftig auch in Kampfeinsätze zu entsenden, hat in den USA einen heftigen Streit entfacht. Ehemalige Soldaten, Kolumnisten und Politiker debattieren, ob Frauen im Krieg eine aktive Rolle an vorderster Front einnehmen sollen. Sind sie stark und mutig genug? Was macht das mit der Moral der Truppe? Und schwächt ihr Einsatz unter Umständen die Kampfkraft der Supermacht?

Ausgelöst hatte die Debatte der Chef des Pentagon, Leon Panetta. Der Verteidigungsminister sagte am Donnerstag, bis 2016 sollen "alle Geschlechterbarrieren im US-Militär fallen". Zunächst werde die Regel aufgehoben, die Frauen die Teilnahme an Kampfeinsätzen von Bodentruppen verbietet. Auch Elite-Kommando-Posten sollen Frauen dann offen stehen.

Die USA gelten bei der Gleichstellung als vorbildliches Land, das keine Diskriminierung und keine sexuellen Übergriffe durchgehen lässt. Doch wenn es um den Krieg geht, werden auch andere Stimmen laut: Als Reaktion auf das neue Gesetz berichtete im "Wall Street Journal" der Irak-Veteran und heutige Anwalt Ryan Smith davon, welch harte Prüfungen er und seine Kameraden im Irak-Krieg durchstehen mussten: 48 Stunden eingepfercht mit 24 Kameraden in einem Amphibienfahrzeug ohne Toilettenpause war er gezwungen, in Flaschen zu urinieren und in Tüten zu defäkieren. Zerschunden und nackt standen er und die Kameraden nach der Ankunft in Bagdad in einem Innenhof, in dem die ABC-Anzüge der Soldaten verbrannt wurden. Danach wurden die Männer mit dem Wasserschlauch abgebraust. Das sei die Realität, die Frauen im Kampfeinsatz erwarte, schreibt Smith.

"Im Krieg herrschen keine sterilen Bedingungen"

Seine Schlussfolgerung lautet: Für Männer sei es entwürdigend, sich direkt vor einer Frau erleichtern zu müssen. Und ebenso entwürdigend und schlecht für die Moral und den Zusammenhalt sei es, zerschunden, nackt und stinkend vor einer Frau zu stehen. Frauen hätten darum nichts im Krieg der Männer verloren, weil dort eben keine sterilen Bedingungen herrschten.

Für die Boulevardzeitung "New York Post" schrieb die rechte Kolumnistin Linda Chavez noch eine Reihe weiterer vermeintlicher Gründe auf, warum "Frauen im Kampfeinsatz ein Problem" darstellen: Sie würden zur Unzeit schwanger, würden statistisch gesehen öfter erschossen, und - schlecht für die Truppenmoral - sexuelle Anziehung zwischen Mann und Frau sorge für Rivalität und Unruhe in den Einheiten.

Für die Obama-Regierung hingegen ist die Integration von Frauen in die Kampfverbände ein Schritt zu mehr Gerechtigkeit im amerikanischen Militär. Im Juli 2011 hatte der Präsident bereits ein Gesetz aufgehoben, das Homosexuelle formell ganz aus den Streitkräften ausschloss. 14.000 Soldaten, die sich trotz des Banns bekannten oder geoutet wurden, waren zwischen 1995 und 2011 entlassen worden - das Ende des Schweigens feierten schwule Soldaten mit einer Party in Las Vegas.

Mit der Gleichstellung der Frauen fällt jetzt eine weitere Barriere - und zumindest in einem Punkt sind sich die Kommentatoren, egal ob für oder gegen Frauen an der Front, einig: Der Krieg ist heute kein klassischer Kampf an einer Front, mit Gefechten an einem Ort und sicherem Hinterland anderswo. Seit 1994 sind Frauen zwar offiziell vom Dienst in der Infanterie, Artillerie oder Spezialeinheiten ausgeschlossen, aber in Kampfhandlungen wurden sie im Irak und in Afghanistan doch immer wieder verwickelt.

152 tote Soldatinnen in zehn Jahren

In beiden Kriegen kämpften in den vergangenen zehn Jahren bereits gut 280.000 Soldatinnen, 152 sind gefallen. Kampfverbände für Frauen zu öffnen, ist somit auch eine Anpassung der Einsatzregeln an die neue Realität des Krieges. Die erste Frau stellte das US-Militär bereits vor 65 Jahren in Dienst, derzeit sind 200.000 Frauen als Marinesoldatinnen, Ärztinnen und Kampfpilotinnen bei den US-Streitkräften, 37.000 davon als Offiziere.

Die Gegner der neuen Regelung sagen dazu, es sei ein Unterschied, ob Frauen ab und zu in Kampfhandlungen verstrickt werden oder ob sie tagtäglich in Kampfeinsätze ziehen. Der republikanische Abgeordnete Duncan Hunter sagte der "New York Times", zufällige Kampfhandlungen seien etwas anderes als "der direkte Kampfeinsatz unserer fortschrittlichsten und elitärsten Bodeneinheiten". Es sei fraglich, ob Frauen im Kampf "unser Militär besser machen".

Unterschwellig taucht so in vielen Kommentaren der Vorwurf auf, die Kampfkraft könnte durch schwächere Frauen leiden. Die Befürchtung halten die Strategen im Pentgon allerdings für unbegründet. Zwar gelten beim zweimal jährlich erhobenen Fitnesstest unterschiedliche Werte für Männer und Frauen. Laut "New York Times" dürfen Soldatinnen beim 2-Meilen-Dauerlauf (3,2 Kilometer) langsamer sein als ihre männlichen Kollegen.

Frauen müssen rennen, springen, klettern wie Männer

Doch für besondere Aufgaben und bei der Verwendung für bestimmte Einsatzarten sind die Regeln "geschlechterneutral" - sie gelten also für Frauen und Männer gleichermaßen, betont Verteidigungsminister Panetta. Dazu machten sowohl er als auch Martin E. Dempsey, Stabschef des US-Militärs oberster Soldat der USA, noch einmal klar: "Wir werden diese Anforderungen nicht absenken." Eine Frau in einer Spezialeinheit wird also genauso viel schleppen, genauso weit springen und genauso schnell klettern können wie männliche Bewerber. Wer die Prüfungen bestehe, wird künftig aber auch kämpfen dürfen, unabhängig von Geschlecht, Glaube und sonstiger Orientierung, so Panetta.

Ein Hintertürchen lassen sich die Verantwortlichen im Pentagon aber trotz allem offen: Sollte eine Einheit für eine bestimmte Einsatzart keine Frauen haben wollen, dürfte sie das bis Mitte Mai gegenüber dem Generalstab begründen. Der Verteidigungsminister kann dann Ausnahmen einzeln absegnen.

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1. Das ist toll
nichtwichtig1975 26.01.2013
Wenn eine Frau Soldatin werden wird, soll sie auch den Gefahren ausgesetzt werden. Wie brutal Frauen sind, zeigt sich ja, wie sie mit Gefangenen umgehen. Mal sehen wie sie reagieren, wenn der Gegner sich noch wehren kann. Mann kann ja auch zwei Schlachtfelder errichten. Einer für Männer und einer für Frauen.
2. Nur zu!
jizzyb 26.01.2013
Zitat von sysopSind Frauen zu schwach für die Special Forces? In den USA entbrennt ein Streit darüber, ob Soldatinnen auch an vorderster Front kämpfen sollen. Die Obama-Regierung ist dazu entschlossen, doch es regt sich Widerstand - mit teils abstrusen Argumenten. USA: Streit über Frauen in Kampfeinsätzen des US-Militär - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/usa-streit-ueber-frauen-in-kampfeinsaetzen-des-us-militaer-a-879803.html)
Lasst auch Frauen kämpfen und sterben! Kämpfen können sie durchaus - mein verstorbener Vater hat in Russland geggen Frauen kämpfen müssen und diesen Kampf in keiner guten Erinnerung gehabt. Aber wenn schon, dann muss Gerechtigkeit herrschen. Bei der BW ist es so, Frauen KÖNNEN an die Front, Männer MÜSSEN an die Front. Wer die sogenannten Gleichstellungsgesetze der Bundeswehr kennt (die in Wahreit Frauenbevorzugungen sind) kennt auch deren Extrawürste. Wer sich darüber informieren will, sollte nicht Wikipedia aufrufen, sondern diesen Link: Frauen in der Bundeswehr (http://wikimannia.org/Frauen_in_der_Bundeswehr)
3.
squizzelchen 26.01.2013
"Die USA gelten als Vorbild für Gleichstellung" Soll das ein Scherz sein? Homosexuellen-Ehe, Benachteilung der Schwarzen. Zum Thema: Die Frage ist einfach zu beantworten. Sind Frauen psychologisch und physiologisch in der Lage, einen Mann in der Position zu ersetzen. Neben der Antwort darauf gibt es keine weiteren Aussagen, die irgendeine moralische Relevanz haben
4. Das Verlangen von Frauen nach Gleichberechtigung ist uneingeschränkt zu erfüllen!
Privatier 26.01.2013
Zitat von sysopSind Frauen zu schwach für die Special Forces? In den USA entbrennt ein Streit darüber, ob Soldatinnen auch an vorderster Front kämpfen sollen. Die Obama-Regierung ist dazu entschlossen, doch es regt sich Widerstand - mit teils abstrusen Argumenten. USA: Streit über Frauen in Kampfeinsätzen des US-Militär - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/usa-streit-ueber-frauen-in-kampfeinsaetzen-des-us-militaer-a-879803.html)
Ganz gleich ob an der frischen Luft der Front, oder auch tief unter Tage in den Stollen von Bergwerken. Höchst erfreulich wäre es, wenn die Gleichberechtigungs- und Gleichstellungsforderungen von Frauen bereits dieses vollständige, in keiner Weise eingeschränkte Berusfsspektrum zum Ziel hätten. Ansonsten wird es zweifelsfrei notwendig sein, durch besondere Werbung für bestimmte Berufe dem Ziel näherzukommen, sämtliche Korrelationen zwischen Geschlecht und Beruf zu minimieren. MfG
5. Gleiche Leistungsanforderungen!
weltoffener_realist 26.01.2013
Zitat von sysopSind Frauen zu schwach für die Special Forces? In den USA entbrennt ein Streit darüber, ob Soldatinnen auch an vorderster Front kämpfen sollen. Die Obama-Regierung ist dazu entschlossen, doch es regt sich Widerstand - mit teils abstrusen Argumenten. USA: Streit über Frauen in Kampfeinsätzen des US-Militär - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/usa-streit-ueber-frauen-in-kampfeinsaetzen-des-us-militaer-a-879803.html)
Das entscheidende Kriterium muss sein, dass Männlein und Weiblein exakt die gleichen Leistungsanforderungen erfüllen müssen. Von mir aus könnten wir das auch im Sport einführen und der Gleichberechtigung so zum Durchbruch verhelfen.
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