USA: Tierschützer wollen Mustang-Jagd per Helikopter stoppen

Die Zeiten von Lasso schwingenden Cowboys sind vorbei: In den USA werden Wildpferde per Helikopter eingefangen. Sie zerstören angeblich ihren eigenen Lebensraum. Tierschützer laufen Sturm - und drängen Präsident Obama, die Jagd zu beenden.

Hightech-Cowboys: Mustangjagd per Helikopter Fotos
REUTERS

Washington - Die Hubschrauber sind im Tiefflug unterwegs. Im Nordosten Kaliforniens und in Nevada hatten sie in den vergangenen Wochen viel zu tun: Im Hochland der beiden US-Bundesstaaten werden Wildpferde zusammengetrieben und gefangen. Früher saßen Cowboys im Sattel und ritten Lasso schwingend den Mustangs hinterher, um sie einzufangen - längst bedienen sie sich modernster Technik, um die Tiere in Gatter zu treiben.

Den Auftrag hat das US-Bureau of Land Management (BLM) erteilt, das für die Nutzung öffentlicher Ländereien zuständige Landesverwaltungsamt. Die Zahl der Wildpferde sei zu groß, die Tiere würden das Weideland zu sehr beanspruchen, so die Behörde. Ohne Regulierung würden die Mustangs ihren eigenen Lebensraum zerstören.

Mehr als 35.000 Wildpferde gibt es in den Vereinigten Staaten, sie leben verstreut über zehn Bundesstaaten, allein in Nevada wird ihr Bestand auf 17.000 geschätzt. 12.000 Mustangs will die Behörde einfangen.

Tierschützer sind alarmiert. Ginge es nach ihnen, dürften die Mustangs weiter frei im Hochland leben. Das Mustangprogramm sei nichts anderes als "Gaunerei", sagte Deniz Bolbol von der Gruppe "In Defense of Animals" der Zeitung. Die Pferde würden von dem staatlichen Weideland entfernt, damit Viehzüchter dort ihr Herden grasen lassen könnten, und dann müssten auch noch die Steuerzahler für die Haltung der Pferde auf Ranches im Mittleren Westen aufkommen.

Teuer, unnötig und grausam - so lautet das Urteil der Aktivisten über die Mustang-Jagd. Die Pferde würden teilweise stundenlang von den Cowboys getrieben, auch Fohlen müssten kilometerweit in hohem Tempo laufen. Die Mustangs würden "bis aufs Äußerste gestresst", sagte Tierschutz-Aktivistin Simone Netherlands.

Im vergangenen Winter starben dem Zeitungsbericht zufolge mehr als 100 Pferde bei der Jagd durch Hubschrauber. Damals wandten sich Dutzende Kongressabgeordnete an Innenminister Ken Salazar und sprachen sich für eine unabhängige Überprüfung des Mustangprogramms aus. Im vergangenen Monat wurde eine entsprechende Untersuchung eingeleitet.

Die Tierschützer geben sich damit offenbar nicht zufrieden. Madeleine Pickens, Frau des texanischen Ölmilliardärs T. Boone Pickens und Gründerin der Stiftung "Saving America's Mustangs", hat in den vergangenen Wochen Protestbriefe gesammelt. 20.000 Briefe will Pickens demnächst nach Washington bringen und damit US-Präsident Barack Obama, Innenminister Salazar sowie das BLM dazu drängen, die Jagd auf die Wildpferde und die teure Gefangenschaft einzustellen. Die Aktion von Pickens hat auch einen Namen: "Pony Express".

Das Prinzip der Mustang-Jagd per Helikopter ist einfach: Per Helikopter werden die Tiere aufgespürt, im Tiefflug nähern sie sich den Pferden an und treiben sie in die Richtung vorbereiteter Gatter. Die Cowboys müssen aufpassen, dass die Pferde bei der Hetzjagd nicht ausbrechen. Deshalb kommt irgendwann das sogenannte "Judas horse" ins Spiel. Das gezähmte Pferd hat die Aufgabe, an der Spitze der panisch galoppierenden Tiere zu laufen und sie in die Gatter zu führen - dorthin, wo die Freiheit der Tiere endgültig endet.

Und was geschieht dann mit den Pferden? Das Interesse an ihnen ist offenbar nicht sonderlich groß, zu teuer ist die Haltung der Tiere. Einem Bericht der "New York Times" zufolge landen viele von ihnen auf Ranches in Kansas und Oklahoma. Die Jagd und das spätere Gnadenbrot für die Pferde geht auf Kosten der Steuerzahler: Im vergangenen Jahr hat das Mustangprogramm der "New York Times" zufolge 40,6 Millionen Dollar verschlungen.

Weil die Kosten ständig stiegen, plante das BLM vor knapp zwei Jahren, 30.000 Mustangs einschläfern zu lassen. Das Vorhaben scheiterte am Aufstand der Bevölkerung. Der Mustang hat einen hohen Symbolwert in den USA. Er steht für Freiheit, Unabhängigkeit und Wildwest-Mythos. Auf dem Rücken der Pferde erschlossen einst Siedler den Westen.

Für manche geht die Bewahrung dieses Mythos zu weit: Die Mustangs seien zweifellos ein Symbol für den amerikanischen Westen, sagte der Tiermediziner von der Universität Missouri der "New York Times" und fügte hinzu: "Aber brauchen wir wirklich 35.000 Symbole?"

hen

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 5 Beiträge
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1. Kein Platz fuer Mustangs ?
flyhi152 09.09.2010
Zitat von sysopDie Zeiten von Lasso schwingenden Cowboys sind vorbei: In den USA werden Wildpferde per Helikopter eingefangen. Sie zerstören angeblich ihren eigenen Lebensraum. Tierschützer laufen Sturm - und drängen Präsident Obama, die Jagd zu beenden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,716393,00.html
Es ist ja so eng in North Dakota, Nebraska und Montana... man kann zwar stundenlang mit dem Auto fahren ohne einen einzigen Menschen (oder ein einziges Pferd) zu sehen aber es gibt keinen Platz fuer diese Tiere ??? So ein Schwachsinn !
2. Ts
suum.cuique 09.09.2010
Zitat von sysopDie Zeiten von Lasso schwingenden Cowboys sind vorbei: In den USA werden Wildpferde per Helikopter eingefangen. Sie zerstören angeblich ihren eigenen Lebensraum. Tierschützer laufen Sturm - und drängen Präsident Obama, die Jagd zu beenden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,716393,00.html
Probleme haben die Leute.....
3. Kultureller Auftrag
Hartmut Dresia 09.09.2010
Tierschutz ist ein kultureller Auftrag. Dass Amerikaner Wildpferde aus dem Hubschrauber heraus jagen, ist eine Schande. Dass die Tiere überhaupt gejagd werden müssen, bezweifele ich. Doch sollten wir nicht nur mit dem Finger über den Atlantik zeigen. Das EU-Parlament hat die Weichen für den zukünftigen Umgang mit Versuchstieren gestellt. Der Deutsche Tierschutzbund ist enttäuscht: "Die Bundesregierung ist in Brüssel als Tierschutzbremser aufgetreten." (Neue Tierversuchsrichtlinie - Deutscher Tierschutzbund sieht eine vertane Chance (http://www.breisen.de/))
4. Biofleisch
LEGEIPS 09.09.2010
Eigentlich könnte man mit dem guten Biopferdefleisch ein schönes Geschäft machen anstelle Millionen zu verbrennen. Die Pferde leben ja in der freien unberührten Natur und haben genügend Auslauf. Also ein paar Kilos würde ich den Amerikanern schon abnehmen.
5. Symbole
einuntoter 09.09.2010
"Aber brauchen wir wirklich 35.000 Symbole?" Ist nicht der Seeadler auch eines von Amerikas Symbolen? Soll man den dann nicht auch bis auf ein paar Exemplare ausrotten? Den braucht doch auch niemand.
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