Bagram: USA übergeben Skandalgefängnis an Afghanen

Immer wieder gibt es Foltervorwürfe, das Gefängnis wird auch "afghanisches Guantanamo" genannt. Nun haben die Amerikaner die Haftanstalt Bagram an afghanische Behörden übergeben. Doch um die Kontrolle über Hunderte Gefangene streiten Washington und Kabul weiter.

Gefängnis Bagram (Aufnahme aus dem Jahr 2010): Übergabe an Afghanistan Zur Großansicht
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Gefängnis Bagram (Aufnahme aus dem Jahr 2010): Übergabe an Afghanistan

Kabul - Die USA haben das umstrittene Gefängnis auf ihrem Stützpunkt Bagram bei Kabul offiziell an die afghanischen Behörden übergeben. Mehr als 3100 Gefangene seien während einer Zeremonie am Montag der afghanischen Militärpolizei übergeben worden, teilte deren Chef Safiullah Safi mit.

Die meisten der überwiegend afghanischen Gefangenen - darunter Taliban-Kämpfer und Terrorverdächtige - befanden sich bereits unter afghanischer Kontrolle. Allerdings gibt es weiter Unstimmigkeiten zwischen Kabul und Washington: Strittig ist das Schicksal von etwa 50 ausländischen, zum größten Teil pakistanischen Gefangenen sowie von rund 600 Afghanen, die nach dem 9. März inhaftiert wurden. Die USA wollen diese zunächst in ihrem Gewahrsam behalten.

Am 9. März hatten beide Länder eine Vereinbarung unterzeichnet, derzufolge der Gefängniskomplex sechs Monate später der Verfügungsgewalt Afghanistans unterstellt werden sollte. Washington argumentiert, dass die ausländischen Gefangenen nicht unter die Vereinbarung fallen und die USA weiterhin das Recht hätten, Verdächtige festzunehmen und zu inhaftieren. Afghanistan bestreitet dieses Recht.

Bagram, das rund 40 Kilometer nördlich von Kabul liegt, stand im Zentrum von Foltervorwürfen. Es wurde auch "Afghanistans Guantanamo" genannt. Insassen blieben offenbar über Jahre in Gefangenschaft, ohne dass je Anklage gegen sie erhoben wurde.

Bagram ist eine der größten Militärbasen der Nato-Truppen in Afghanistan. Der Stützpunkt ist mit weiteren Skandalen verknüpft. Dort verbrannten Anfang des Jahres Soldaten bis zu hundert Koran-Ausgaben und religiöse Schriften verbrannt. Daraufhin gab es in Afghanistan tagelang gewalttätige Proteste. Dafür wurden neun Soldaten vom US-Militär bestraft.

fab/AP/AFP

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1. ...
ein anderer 10.09.2012
Zitat von sysopImmer wieder gibt es Foltervorwürfe, das Gefängnis wird auch "Afghanisches Guantanamo" genannt. Nun haben die Amerikaner die Haftanstalt Bagram an afghanische Behörden übergeben. Doch um die Kontrolle über Hunderte Gefangene streiten Washington und Kabul weiter. USA übergeben Gefängnis Bagram an Afghanistan - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,854855,00.html)
In Bagram wurde sogar ein Insasse in seiner Zelle von einem Lastwagen überfahren. So zumindest hat eine amerikanische Ärztin die Verletzungen interpretiert an denen ein Gefangener gestorben ist. Die US-Militärverwaltung wollte den Fall vertuschen aber dank einem investigativen Journalisten kam es dennoch zur Untersuchung. Die Doku "Taxi in die Hölle" befasst sich mit diesem unfassbaren Fall.
2.
southern star 10.09.2012
[QUOTE]Washington argumentiert, dass die ausländischen Gefangenen nicht unter die Vereinbarung fallen und die USA weiterhin das Recht hätten, Verdächtige festzunehmen und zu inhaftieren. Afghanistan bestreitet dieses Recht.[/QUOTE Wie kommen die Afghanen nur darauf, dass sie das sagen in Afghanistan hätten. Dabei ist es das us-amerikanische Prinzip doch ganz einfach zu verstehen. Wo wir sind, gilt was wir sagen. Wir haben das Recht in Afghanistan Leute zu inhaftieren und wir haben das Recht unsere Leute vor Verhaftung und Bestrafung zu schützen, egal was sie angestellt haben. ---Zitat--- Bagram, das rund 40 Kilometer nördlich von Kabul liegt, stand im Zentrum von Foltervorwürfen. Es wurde auch "Afghanistans Guantanamo" genannt. Insassen blieben offenbar über Jahre in Gefangenschaft, ohne dass je Anklage gegen sie erhoben wurde. ---Zitatende--- Das ist doch mal ein gelungenes Bespiel für den Unterschied der Verhältnisse in einem Land mit freiheitlich, demokratisch gewählter Regierung und einem mit einem grausamen Despoten-Regime. Aber Syrien hat ja noch ein paar Jahre Zeit um diesen Standard zu erreichen
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Fläche: 652.225 km²

Bevölkerung: 31,412 Mio.

Hauptstadt: Kabul

Staats- und Regierungschef: Hamid Karzai

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