Beziehungen zwischen USA und Iran Obama schreibt Brief an Ajatollah Khamenei

Irans Revolutionsführer Khamenei hat Post aus Washington erhalten. US-Präsident Obama hat in einem Brief offenbar für eine Zusammenarbeit beider Staaten im Kampf gegen die IS-Terroristen geworben.

Revolutionsführer Khamenei: Post von Barack Obama
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Revolutionsführer Khamenei: Post von Barack Obama


New York/Washington - Die USA lehnen eine Zusammenarbeit mit Iran im Kampf gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) ab. Zumindest behauptet das die Regierung in Washington immer wieder.

Hinter den Kulissen versucht Barack Obama aber offenbar doch, Teheran von einer Kooperation zu überzeugen. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, schrieb der US-Präsident Mitte Oktober einen Brief an den iranischen Revolutionsführer Ajatollah Ali Khamenei. Darin soll Obama auf die gemeinsamen Interessen beider Staaten im Kampf gegen die Dschihadisten hingewiesen haben. Das Weiße Haus wollte den Bericht weder bestätigen noch dementieren.

Irans Revolutionswächter, das Rückgrat des Sicherheitsapparats, haben in den vergangenen Monaten Militärausbilder in den Irak geschickt, die der irakischen Regierung im Kampf gegen den IS helfen sollen. Die USA bombardieren seit dem Spätsommer Ziele der Terrororganisation in Syrien und im Irak.

Khamenei hat bisher nie zurückgeschrieben

Das "Wall Street Journal" berichtet mit Verweis auf Regierungskreise in Washington, dass die USA dem iranischen Regime versichert hätten, dass sich der Einsatz nicht gegen Teherans Interessen richte. "Wir kämpfen gegen den IS. Wir nutzen das nicht als Vorwand, um den Irak erneut zu besetzen oder Iran zu schwächen", sagte ein ranghoher Beamter aus Washington.

Seit seiner Wahl zum US-Präsidenten 2008 hat Obama mindestens vier Briefe an Khamenei geschrieben. Darin forderte er eine Verbesserung des Verhältnisses zwischen den beiden Staaten. Nach der islamischen Revolution 1979 hatte Teheran die diplomatischen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten abgebrochen. Khamenei hat nie auf die Schreiben aus dem Weißen Haus geantwortet - nicht öffentlich und nach US-Angaben auch nicht privat.

Der Kampf gegen den IS ist nicht das einzige Thema, das beide Regierungen derzeit beschäftigt. Am 24. November läuft auch die Frist für eine dauerhafte Einigung im Streit um Irans Atomprogramm aus. In seinem Brief an Khamenei soll Obama darauf hingewiesen haben, dass jede Annäherung an Iran von der Bereitschaft zum Einlenken in der Nuklearfrage abhänge.

Obama und andere Regierungsvertreter bezifferten die Chancen auf eine Einigung zuletzt auf 50 Prozent. Die Republikaner, die seit der Kongresswahl am Dienstag beide Parlamentskammern beherrschen, sehen jede Annäherung an die Islamische Republik mit größtem Argwohn.

syd



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blaustift 06.11.2014
1. naja
Das kann man wohl begruessen. Es geht aber mehr um eine langfristige Perspektive als um die IS, finde ich zumindest. Sowas wie IS kommt und geht. Der Iran bleibt. Und ich sehe auch nicht, wie sich das Regime da ploetzlich aendern sollte. Da sind schon merkwuerdige Gesellen an der Macht, im Iran, aber zum Teil auch in den USA. Wenn sich diese beiden Laender etwas einigen koennten, dann koennte es auf der Welt besser aussehen. Das geht aber nur, wenn Iran in keinster Weise Israel bedroht. Auch da musss es endlich eine Einsicht geben.
freidimensional 06.11.2014
2. Ach wie schön.
The president goes smooth: Er schreibt einen Brief an den Exponenten der Achse des Bösen. Sincerely yours... Wie wär es mal mit ehrlicher Politik, um sich Freunde zu machen? Das finge damit an, dass man vor der Weltöffentlichkeit mal eine ordentliche Beichte ablegt und zugibt, was den US-Amerikaner politisch interessiert: Das Öl und sonstige Bodenschätze, die der liebe Gott leider unter nahöstlicher und eurasischer Erde vergraben hat, und möglichst zum Nulltarif. Wenn es nicht mehr ganz rund läuft, ist man auch schon froh, ein paar Freunde mehr um sich zu haben, um der selbst erschaffenen Problemzonen Herr zu werden. Damit die einem nicht im falschen Moment in den Rücken fallen. Good luck, Mr. Obama. Und nehmen Sie sich ein Beispiel an diesem Mann und seiner Offenheit: http://www.youtube.com/watch?v=uOTnwBR2ugY Und wenn Sie es tun, also bereuen und Besserung geloben, dann können Sie den Friedenspreis von mir aus behalten.
McMacaber 06.11.2014
3.
.. der Iran wäre gut beraten einzulenken - Demokraten ante portas, Zitat bezogen auf USA, "best Nation Since mankind". da wird es nicht mehr viel Spielraum für Verhandlungen geben, sollte diese Fraktion in 2Jahren den Präsidenten stellen.
Monsterwelle 06.11.2014
4. Politik, Prinzipen, Pragmatismus.
Dann sind die USA jetzt mit den Steinigungen und all den anderen Dingen, die den Islam auch im Iran auszeichnet neuerdings einverstanden? Politik, Prinzipen, Pragmatismus.
redbayer 06.11.2014
5. Welch eine Farce
warum sollte der oberste Führer eines Gottesstaates ausgerechnet mit dem "gottlosen Obama" reden/schreiben. Und dann auch noch darüber, wie man den Islam schwächen könnte (Kampf gegen ISIS und Verhinderung der islamischen Atombombe). Solange der Westen nicht von seinem Hirngespinst "Religion & Religionsfreiheit" abkommt, wird er den Islam nie verstehen, der letztlich eine Weltanschauung, ein umfassendes Wertesystem und Ideologie ist.
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