Reaktionen aus USA und Israel: Scharfe Kritik an Erdogans Zionismus-Entgleisung

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Erdogan: Massive Kritik am türkischen Regierungschef

Israel und die USA sind empört über die Äußerungen, auch Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon stellt Türkeis Regierungschef an den Pranger: Ministerpräsident Erdogan bezeichnete den Zionismus als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit".

Istanbul/Washington - Die USA finden die Äußerungen "besonders beleidigend", Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon nennt sie "verletzend", und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu spricht von einer "falschen Aussage". Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan wird heftig wegen einen Kommentars über den Zionismus kritisiert.

Erdogan hatte die Bewegung als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" bezeichnet. Bei einer Uno-Konferenz am Mittwoch in Wien hatte der Regierungschef gesagt: "Genauso wie es bei Zionismus, Antisemitismus und Faschismus ist, wurde es nötig, auch Islamophobie als Verbrechen gegen die Menschlichkeit anzusehen."

Diese Aussage sei "verletzend und spaltend", sagte ein Sprecher von Ban Ki Moon am Freitag. Es sei zudem unglücklich, dass Erdogan dies auch noch bei einer Veranstaltung der Vereinten Nationen gesagt habe, bei der es um verantwortliche Führung ging. Wenn die Übersetzung der Rede korrekt gewesen sei, "war es nicht nur falsch, sondern widerspricht den Prinzipien der Allianz der Zivilisationen", sagte der Uno-Sprecher.

US-Außenminister Kerry trifft Erdogan

Der Zionismus war die Triebfeder, die schließlich zur Gründung des Staats Israel führte. Mit dem Kommentar Erdogans dürften sich die Beziehungen zwischen der Türkei und Israel weiter verschlechtern. Israels Regierungschef Netanjahu verurteilte die Äußerungen denn auch scharf: "Das ist eine dunkle und falsche Aussage, von denen wir eigentlich dachten, dass sie längst zur Vergangenheit gehören."

Seit 2010 ist die Stimmung zwischen der Türkei und Israel angespannt, nachdem bei der Stürmung eines türkischen Schiffes mit Kurs auf den Gaza-Streifen durch israelische Soldaten neun Türken getötet wurden. Zuletzt hatte es aber Zeitungsberichte gegeben, wonach beide Seiten Anstrengungen unternähmen, um die Beziehungen wieder zu verbessern.

Ein Sprecher der US-Regierung verurteilte Erdogans Kommentar als "besonders beleidigend". Die Aussagen des türkischen Ministerpräsidenten hätten eine "ätzende Wirkung" auf die Beziehungen. Der neue Außenminister John Kerry ist zurzeit auf dem Weg nach Ankara. Er sei sicher, dass Kerry deutlich machen werde, wie bestürzt die USA über die Aussagen seien, wurde der amerikanische Regierungsbeamte von der Nachrichtenagentur Reuters zitiert.

als/Reuters/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 101 Beiträge
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1. Tür zur EU vorerst zugeschlagen
wolf01 01.03.2013
Mit seinen Ausführungen hat Erdogan die Aussichten einer baldige Aufnahme der Türkei in die EU zunächst erheblich verschlechert. Viele Hardliner - vorranig innerhalb der CDU - werden sich in ihrer ablehnenden EU-Aufnahme dieses Staates gestätigt sehen.
2. Heucheln bis zum geht nicht mehr.
axt119 01.03.2013
Während der türkische Außenminister in Italien zu interreligiösem Dialog ruft und den Europäer Islamophobie unterstellt, versucht Erdogan in Wien die Muslime gegen die Juden aufzuhetzen. Im Heucheln hat die Türkei neue Dimensionen durchbrochen! Sorry, aber die Türkei und ihre Führung sind einfach nur noch peinlich!
3. bei vollem Bewußtsein?
black_gecko 01.03.2013
Zitat von sysopIsrael und die USA sind empört über die Äußerungen, auch Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon stellt Türkeis Regierungschef an den Pranger: Ministerpräsident Erdogan bezeichnete den Zionismus als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit". USA und Israel kritisieren Erdogan wegen Zionismus-Kommentar - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/usa-und-israel-kritisieren-erdogan-wegen-zionismus-kommentar-a-886324.html)
Angesichts des Umstandes, dass man bei Politikern eigentlich ein wenig diplomatisches Feingespür voraussetzen dürfte, fragt man sich hier: Wußte er eigentlich, was er sagte?
4. Merkwürdig...
juergw. 01.03.2013
Zitat von sysopIsrael und die USA sind empört über die Äußerungen, auch Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon stellt Türkeis Regierungschef an den Pranger: Ministerpräsident Erdogan bezeichnete den Zionismus als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit". USA und Israel kritisieren Erdogan wegen Zionismus-Kommentar - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/usa-und-israel-kritisieren-erdogan-wegen-zionismus-kommentar-a-886324.html)
die Aufregung.Man braucht doch nur die Reden Erdogans nachlesen,die er hier in Deutschland vor hunderttausend Landsleuten in den Stadien gehalten hat.Da gab es keine Kritik-wenn es natürlich gegen Israel geht...
5. Erdogan
celloswiss 01.03.2013
Die Türkische Republik ist ja nicht mit dem gegenwärtigen Ministerpräsidenten gleichzusetzen. Dieser höhlt die Errungenschaften von Kemal Atatürk konsequent aus. Die laizistische Republik war einmal ein Vorbild für die islamische Welt und Europa. Atatürk würde sich im Grabe drehen bekäme er mit, dass heute in Tücher gekleidete Politikergattinnen an Staatsanlässen teilnehmen. Oberpeinlich.
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