Nordkorea-Krise Trump prahlt mit US-Atomwaffen

"Kühlen Kopf bewahren": Politiker aus Europa und China mahnen die USA und Nordkorea zur Mäßigung. Präsident Trump scheint davon nichts zu halten.

Amerikanische Interkontinentalrakete
AP

Amerikanische Interkontinentalrakete


Donald Trump droht Nordkorea mit "Feuer, Wut und Macht, wie die Welt es so noch nicht gesehen hat". Der Grund: Pjöngjang ist der Entwicklung einer Atomrakete offenbar näher als bislang angenommen.

Die nordkoreanische Führung kontert diesen Angriff und droht ihrerseits mit einem Präventivschlag sowie einem Raketenangriff auf die US-Pazifikinsel Guam.

Darauf wiederum hat nun aktuell Trump reagiert - mit einem neuen, deutlichen Tweet. Darin erklärte er am Mittwochmorgen (Ortszeit), seine erste Amtshandlung als Präsident sei es gewesen, das Nukleararsenal des Landes modernisieren zu lassen. Es sei nun stärker als je zuvor.

Die internationale Gemeinschaft reagiert besorgt auf den neuerlich eskalierten Streit. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) forderte die Konfliktparteien auf, die Drohungen mit einer militärischen Eskalation zu unterlassen. "Die Lage ist wirklich ernst. Ein weiteres Säbelrasseln wird uns hier sicher nicht weiterhelfen", sagte sein Sprecher. "Wir rufen alle Seiten zur Mäßigung auf." Ein militärischer Weg könne keine Lösung sein.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sieht beim Nordkorea-Konflikt China in der Pflicht. "Es ist ganz entscheidend, dass hier vor allen Dingen auch China eine Rolle spielt", sagte sie.

China nennt Lage "kompliziert und heikel"

Tatsächlich rief China die beiden Konfliktparteien zur Zurückhaltung auf. Ein Sprecher des Außenministeriums sagte, die gegenwärtige Lage auf der koreanischen Halbinsel sei "sehr kompliziert und heikel".

Indirekt übte der Sprecher sowohl an Nordkorea als auch an den Äußerungen des US-Präsidenten Kritik. "Wir hoffen, dass sich alle Parteien vorsichtig äußern und umsichtig vorgehen." Auch sollten sie aufhören, sich gegenseitig anzuheizen.

Für einen "kühlen Kopf" plädierte auch SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. Die Vereinigten Staaten und die gesamte Weltgemeinschaft sollten sich nicht von Nordkoreas Drohungen provozieren lassen, sagte er. Die französische Regierung mahnte ebenfalls, beide Seiten sollten verantwortlich und deeskalierend agieren.

Nordkoreanische Interkontinentalrakete
KCNA/EPA/REX/Shutterstock

Nordkoreanische Interkontinentalrakete

US-Außenminister Tillerson gibt sich moderat

Rex Tillerson bewegt sich offenbar bereits in diese Richtung: Der US-Außenminister schlug moderatere Töne an. Er glaube nicht, dass von Nordkorea eine unmittelbare Bedrohung ausgehe, sagte er vor seiner Ankunft auf der US-Pazifikinsel Guam.

Tillerson sagte, Trump habe dem koreanischen Machthaber Kim Jong Un eine Botschaft gesendet, die dieser verstehe. Damit solle verhindert werden, dass sich Nordkorea falsche Vorstellungen mache.

Auch das Regime von Pjöngjang scheint in der angespannten Atmosphäre ein wenig deeskalieren zu wollen. Das Land hat einen kanadischen Pfarrer freigelassen, der zu mehrjähriger Haft in einem Arbeitslager verurteilt worden war.

Die offizielle nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA meldete, der 61-jährige Hyeon Soo Lim sei aus gesundheitlichen Gründen aus der Haft entlassen worden. Zuvor war eine kanadische Regierungsdelegation in Pjöngjang eingetroffen, um den Fall zu besprechen.

Im Video: Die Spirale der Drohungen

Getty Images/ The Washington Post

dop/dpa/Reuters/AFP



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