Hackerangriff Trump erwägt, Russland-Sanktionen zurückzunehmen

Als Revanche für den mutmaßlichen russischen Hackerangriff im US-Wahlkampf hatte US-Präsident Obama Sanktionen gegen Russland verhängt. Die will Donald Trump vielleicht kassieren - unter einer Bedingung.

Donald Trump: "Wenn man miteinander auskommt und wenn Russland uns wirklich hilft, warum sollte irgendwer Sanktionen haben?"
AP

Donald Trump: "Wenn man miteinander auskommt und wenn Russland uns wirklich hilft, warum sollte irgendwer Sanktionen haben?"


Der künftige US-Präsident Donald Trump will die kürzlich verhängten US-Sanktionen gegen Russland auf den Prüfstand stellen. Zudem wurde bekannt, dass Trumps künftiger Sicherheitsberater, anders als zunächst behauptet, kurz nach der Verhängung der Strafmaßnahmen in Kontakt mit einem Vertreter Moskaus stand.

Zu den Russlandsanktionen sagte Trump nun, zwar wolle er die Strafmaßnahmen "zumindest für eine gewisse Zeit" aufrechterhalten. Er deutete aber im Gespräch mit dem "Wall Street Journal" an, die Sanktionen fallen zu lassen, falls Moskau strategische Ziele der USA wie den Anti-Terror-Kampf unterstützt. In dem Interview erklärte Trump zudem seine Bereitschaft, nach seiner Amtseinführung am 20. Januar Russlands Staatschef Wladimir Putin zu treffen.

"Wenn man miteinander auskommt und wenn Russland uns wirklich hilft, warum sollte irgendwer Sanktionen erdulden, wenn jemand einige wirklich tolle Sachen macht?", fragte Trump laut "Wall Street Journal".

Der scheidende US-Präsident Barack Obama hatte als Reaktion auf die Hackerangriffe während des US-Präsidentschaftswahlkampfs am 29. Dezember eine Reihe von Sanktionen gegen Russland erlassen. Die US-Geheimdienste werfen Moskau eine Cyber-Kampagne zugunsten von Trump vor. Der Republikaner, der engere Beziehungen zum Kreml anstrebt, hatte die Erkenntnisse zunächst infrage gestellt. Am Mittwoch erklärte er vor Journalisten in New York, auch er vermute Russland hinter den Hackerangriffen. Eine Beeinflussung der Wahl schließt Trump aber aus.

In den Stunden nach der Verhängung von Sanktionen telefonierte Trumps designierter Nationaler Sicherheitsberater Michael Flynn offenbar mehrfach mit dem russischen Botschafter in Washington. Trumps Team hatte das zunächst bestritten. Am späten Freitagabend räumte das Trump-Übergangsteam ein, es habe ein Telefonat Flynns und des Abgesandten Moskaus gegeben.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte auf die Ausweisung von 35 russischen Diplomaten aus den USA zunächst mit Gegenmaßnahmen gedroht, dann aber davon Abstand genommen. Trump lobte die Entscheidung des russischen Präsidenten. Er habe immer gewusst, dass Putin "smart" sei.

Trump will über "Ein-China-Politik" diskutieren

Außerdem äußerte der künftige US-Präsident im Gespräch mit dem "Wall Street Journal" Zweifel an der jahrzehntealten "Ein-China-Politik", nach der Washington Taiwan nicht als eigenständigen Staat anerkennt. "Alles ist Gegenstand von Verhandlungen, auch die Ein-China-Politik", sagte Trump dem "Wall Street Journal". Die USA hatten im Zuge ihrer Annäherung an die Volksrepublik China 1979 ihre diplomatischen Beziehungen zu Taiwan abgebrochen und die Führung in Peking als alleinige Regierung Chinas anerkannt.

Trump nahm Anfang Dezember einen Anruf von Taiwans Präsidentin Tsai Ing Wen entgegen, in dem sie ihm zu seinem Wahlsieg gratulierte. Peking kritisierte ihn dafür scharf, woraufhin Trump die chinesische Regierung wegen ihrer Währungs- und Außenpolitik verbal attackierte.

Der künftige US-Präsident zeigte angesichts der US-Rüstungsexporte nach Taiwan kein Verständnis für die diplomatische Zurückhaltung. "Wir können ihnen die neueste und beste militärische Ausrüstung im Wert von zwei Milliarden Dollar verkaufen, aber wir dürfen keinen Anruf annehmen", sagte er dem "Wall Street Journal". Er hätte es als "sehr unhöflich" erachtet, Tsai das Gespräch zu verweigern.

Trump-PK: Wir haben da noch ein paar Fragen!

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cht/AFP/Reuters/AP

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insgesamt 108 Beiträge
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franz.v.trotta 14.01.2017
1. Berechtigte Hoffnungen
Gemeinsam könnten Russland und die USA den IS-Terror bekämpfen und möglicherweise beenden. Jedenfalls gibt es berechtigte Hoffnungen. Das gilt auch für die Lage in Syrien.
five-oceans-buccaneer 14.01.2017
2. Ob das nicht alles
Wischiwaschi ist wird sich erst noch zeigen... Zuerst soll einmal Trump seinen Posten offiziell antreten und dann sehen wir weiter... Es dürfte auf alle Fälle von spannend bis lachhaft werden bei dem Niveau, bei dem wir weltweit in der Politik angelangt sind...
ackergold 14.01.2017
3.
Trump glaubt ernsthaft, dass Russland den USA bei irgendetwas hilft? Meine Güte, das ist ja an Naivität kaum noch zu toppen. Putin ist der klare Sieger der US-Präsidentenwahl. Damit muss man sich abfinden.
syracusa 14.01.2017
4.
Zitat von franz.v.trottaGemeinsam könnten Russland und die USA den IS-Terror bekämpfen und möglicherweise beenden. Jedenfalls gibt es berechtigte Hoffnungen. Das gilt auch für die Lage in Syrien.
Gemeinsam könnten Russland und die USA auch die Ukraine besetzen, zerschlagen und unter sich aufteilen. Am besten schließen Trump und Putin dafür einen Nichtangriffspakt, und unterschreiben daran geknüpfte geheime Zusatzvereinbarungen über die Aufteilung Polens, des Baltikums und Finnlands. Mit solch einem Vertrag ist Russland doch schon mal sehr gut gefahren.
scottbreed 14.01.2017
5. find ich gut
dein die ständige angifterei bringt niemanden auf Dauer was... Ich würde alles versuchen um ne friedliche Lösung zu finden... Denn letztendlich will keiner Stress und Ärger.. Jeder will in Prinzip in ruhe Leben, handeln und Geld verdienen und sich weiter entwickeln.. Und darin liegt die Lösung..
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