Nach Hanoi-Gipfel USA und Südkorea geben gemeinsame Militärübungen auf

Nach dem Gipfeltreffen mit Nordkoreas Machthaber Kim setzt US-Präsident Trump weiter auf Deeskalation. Die USA und Südkorea haben nun das Ende ihrer gemeinsamen Großmanöver angekündigt.


Die USA und Südkorea haben beschlossen, von Nordkorea scharf kritisierte gemeinsame Militärübungen einzustellen. Das Feldmanöver "Foal Eagle" - die größte der jährlichen Militärübungen - werde ebenso beendet wie die Kommandoschulung "Key Resolve", teilte das US-Verteidigungsministerium mit.

Zuvor hatte Pentagon-Chef Patrick Shanahan mit dem südkoreanischen Verteidigungsminister Jeong Kyeong Doo telefoniert. Bei ihrem Gespräch ging es den Angaben zufolge um Schlüsse aus dem jüngsten Gipfeltreffen von US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un in Hanoi.

Die enge Kooperation der Streitkräfte beider Länder mit Blick auf Sicherheitsrisiken werde aber ebenso beibehalten wie die militärische Handlungsbereitschaft, hieß es weiter. So starte am Montag das neuntägige Manöver "Dong Maeng" (Allianz), teilte das gemeinsame Truppenkommando in Südkorea mit. Es handle sich um eine Kommandoübung. "Diese Übungen sind wichtig, um die Allianz aufrechtzuerhalten und zu stärken." Wie viele Soldaten auf beiden Seiten daran teilnehmen, war zunächst unklar. Die USA haben in Südkorea 28.500 Soldaten als Abschreckung gegen Bedrohungen durch Nordkorea stationiert.

Die Beendigung der größeren Frühlingsmanöver diene dazu, die diplomatischen Bemühungen zu einer vollständigen Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel voranzutreiben, erklärte das südkoreanische Verteidigungsministerium laut der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap. Die Frühjahrsmanöver lösten immer wieder heftige Proteste der kommunistischen Führung Nordkoreas aus, die den USA Angriffsvorbereitungen unterstellte. Die Regierungen in Washington und Seoul haben dies stets bestritten.

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Trump trifft Kim: Das Gipfel-Fiasko

Der mit Spannung erwartete Gipfel zwischen Trump und Kim endete am Donnerstag überraschend ohne Abschlusserklärung. Beide Seiten kamen sich in der zentralen Frage des Abbaus des nordkoreanischen Atomwaffenarsenals nicht näher und widersprachen sich später bei der Begründung.

Trump sagte, Nordkorea habe die Aufhebung aller Sanktionen verlangt und die geplanten Abrüstungsschritte seien nicht weit genug gegangen. Nordkoreas Außenminister Ri Yong Ho erwiderte, sein Land habe nur eine teilweise Aufhebung der Sanktionen gefordert.

Im Video: "Grund waren die Sanktionen"

Seit dem ersten Treffen mit Kim im Juni hatten die USA und Südkorea bereits mehrere gemeinsame Übungen in kleinerem Rahmen abgehalten oder abgesagt. Trump kritisierte regelmäßig die Kosten für die Militärmanöver, in Hanoi bezeichnete er sie jüngst als "sehr, sehr teuer".

Während einige Beobachter davor warnen, dass eine Aussetzung der Manöver Nordkorea einen strategischen Vorteil verschaffen könnte, halten die meisten Experten solche Befürchtungen für übertrieben. Auch wenn das Ende oder die Verkleinerung der Übungen die Einsatzbereitschaft der Verbündeten schwächen könnte, bedeute dies "keine ernste Bedrohung für Südkorea", sagte An Chan Il, Präsident des Weltinstituts für Nordkorea-Studien in Seoul.

mkl/dpa/AFP

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Actionscript 03.03.2019
1. Und der Gewinner ist...
...Kim Jong Un. Es geht Trump doch in erster Linie um die Kosten. Das Kim auch nur einen Finger rühren wird zur Denuklearisierung, davon kann man nur träumen. Kim ist paranoid, was sich daran zeigt, dass er seine eigenen Verwandten kaltblütig ermorden lässt. Trump setzt damit ein Zeichen, dass er sich um Menschenrechte und Mord nicht schert. Das hat er ja auch schon im Konflikt mit Saudi Arabien gezeigt. Es wird sich absolut nichts ändern im Verhältnis zu Nordkorea.
saaman 03.03.2019
2. Deeskalation ist immer klug und weise
Selbst wenn es zwischen Nord- und Südkorea und Kim und Trump nicht mehr geben sollte als Deeskalation, ist ein Fortschritt erreicht. Vieles braucht seine Zeit. Im vorliegenden Fall könnte irgendwann der Friedensvertrag unterschriftsreif sein.
roflxd 03.03.2019
3.
Endlich hat Trump verstanden, dass diese Militärübungen einfach nur großer Unsinn sind. Erstens kann man die Atommacht Nordkorea damit nicht abschrecken und zweitens ist eine konventionelle Kriegsführung in diesem Fall ohnehin zwecklos.
Watschn 03.03.2019
4. Völlig richtiger Beschluss...
Und logischerweise könnte u. sollte die USA Nordkorea auch die komplette Entnuklearisierung Südkoreas anbieten bzw. in die Verhandlungen einflechten, den schon jetzt sind keine Nuklearwaffen in Südkorea aufgestellt. Die USA könnten im Extremfall immer noch Millionen von Nordkoreanern umbringen - mit ihren atomgestützten U-Booten, Schiffen u. vermutl. installierten Trägersystemen auf ihrer Pazifikinsel Guam.
hausfeen 03.03.2019
5. Angesichts des geplatzten Gipfels eine überraschende ...
... Entscheidung. Was die Frage aufwirft, was da wirklich in Hanoi passiert ist. Ich jedenfalls vertraue weder dem einen noch dem anderen. Als Duo sind sie noch viel gruseliger.
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