USA Verdächtiger in Briefbombenserie in fünf Punkten angeklagt

Nach der Festnahme im Fall der verschickten Paketbomben an prominente Trump-Kritiker ist der Hauptverdächtige angeklagt worden. Er soll 13 Briefe mit Sprengstoff versandt haben. Offenbar haben ihn Fingerabdrücke und DNA überführt.

AFP/ WPLG

Nach der Festnahme im Fall der Briefbombenserie in den USA ist der Verdächtige angeklagt worden. Das sagte US-Justizminister Jeff Sessions am Freitag bei einer Pressekonferenz. Der Verdächtige muss sich demnach unter anderem wegen des illegalen Versands von Sprengstoff sowie Drohungen gegen frühere Präsidenten verantworten. Insgesamt gab es fünf Anklagepunkte. Sollte er für schuldig befunden werden, drohen ihm den Angaben zufolge 58 Jahre im Gefängnis.

FBI-Chef Christopher Wray bestätigte bei der Pressekonferenz, dass es sich bei dem Festgenommenen um den 56-jährigen Cesar S. handelt. Die Sicherheitsbehörden hatten ihn am Freitag in Florida festgenommen.

Cesar S.
REUTERS/Broward County Sheriffs Office

Cesar S.

Der Mann wurde auf dem Parkplatz eines Geschäfts für Autoersatzteile in der Stadt Plantation im Bundesstaat Florida festgenommen. Fingerabdrücke und DNA stimmten mit Proben der Ermittlungsbehörden überein.

Dem Anschein nach handelt es sich bei dem Hauptverdächtigen um einen Trump-Anhänger. TV-Bilder im Zusammenhang mit der Festnahme zeigen einen weißen Kleinbus mit Trump-Bildern und dem Präsidentensiegel.

13 Briefe mit Sprengsätzen, keine bloßen Attrapen

Wray sagte auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit Sessions, dass mindestens 13 Briefe mit Sprengsätzen verschickt worden seien. Auch wenn die Untersuchungen dieser Apparate noch nicht abgeschlossen seien, lasse sich bereits sagen, dass es sich nicht um bloße Attrappen handle. Sie hätten Materialien enthalten, die potenziell hätten explodieren können. Der Direktor der Bundespolizei warnte, dass noch weitere der Briefbomben unterwegs sein könnten.

Zu den möglichen Motiven des Mannes wollten Sessions und Wray noch keine Aussagen machen. Dafür sei es noch "zu früh", sagte der FBI-Chef.

Seit Montag waren insgesamt zwölf der potenziell gefährlichen Sendungen an Kritiker von Präsident Donald Trump aufgetaucht. Die verdächtigen Päckchen waren an prominente demokratische Politiker wie Ex-Präsident Barack Obama, dessen frühere Außenministerin Hillary Clintonund Ex-CIA-Direktor John Brennan adressiert, wurden aber rechtzeitig abgefangen. Es wurde niemand verletzt.

US-Präsident Donald Trump wurde nach eigenen Angaben von Vertretern des Justizministeriums über die Festnahme des Verdächtigen unterrichtet. Diese "terrorisierenden Akte" hätten "keinen Platz in unserem Land", sagte Trump. Man dürfe nicht zulassen, dass sich politische Gewalt in den USA etabliere.

Trump hatte zuvor beklagt, der Bombenalarm treffe seine Republikanische Partei in der Schlussphase des Wahlkampfes für die Kongresswahlen. "Dieses Bombenzeugs" habe zur Folge, dass sich die Dynamik zugunsten seiner Partei "stark verlangsamt" habe, weil es in den Nachrichten nicht mehr um "Politik" gehe, schrieb er kurz vor der Bekanntgabe der ersten Festnahme im Kurzbotschaftendienst Twitter. Dies sei "sehr bedauerlich".

Nach den Funden der mutmaßlichen Bomben hatte Trump zu mehr Anstand in der politischen Debatte aufgerufen. Gleichzeitig gab er aber auch den Medien eine Mitschuld. "Die Medien stehen auch in der Verantwortung, einen zivilisierten Ton zu setzen und die endlosen Anfeindungen sowie die ständigen negativen und oft falschen Angriffe und Geschichten zu stoppen", sagte er auf einer Wahlkampfveranstaltung.

Die gepolsterten Umschläge waren jeweils mit sechs Briefmarken frankiert und trugen laut der Bundespolizei in mindestens fünf Fällen als Absender den Namen der Abgeordneten Debbie Wasserman Schultz, die von 2011 bis 2016 Parteichefin der Demokratischen Partei war. Die Adressen waren gedruckt und nicht von Hand geschrieben.

Zumindest in einigen der zwölf Pakete befanden sich Plastikrohre mit Schwarzpulver und Zünder. Das FBI ging zunächst davon aus, dass sie hätten explodieren können.

jat/mst/dpa/reuters/AP



© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.