Prism-Informant Weißes Haus verlangt Snowdens Auslieferung

Washington lässt nicht locker: Die US-Regierung hat Russland aufgefordert, den Geheimdienst-Informanten Edward Snowden auszuliefern. Laut Medienberichten in Moskau will der 30-Jährige noch heute Richtung Lateinamerika weiterfliegen.


Washington/Hamburg - Die US-Regierung will Edward Snowden nicht davonkommen lassen. Das Weiße Haus hat den Kreml am Montag aufgefordert, den Informanten auszuliefern, der die Schnüffelaktionen von NSA und britischem Geheimdienst GCHQ enthüllt hat.

"Wir erwarten von der russischen Regierung alle Möglichkeiten zu prüfen, um Snowden an die USA zu überstellen, damit er sich dort vor der Justiz für die Verbrechen, derer er beschuldigt wird, verantwortet", sagte Caitlin Hayden, Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats, in Washington.

Angesichts der guten Zusammenarbeit mit den russischen Behörden bei der Aufklärung des Anschlags auf den Boston-Marathon im April erwarte man auch im Falle Snowden Hilfe aus Moskau. Ein Verweigerungshaltung könne die Beziehungen zwischen beiden Ländern belasten.

Snowden war am Sonntag mit einer Maschine der russischen Fluglinie Aeroflot von Hongkong nach Moskau geflogen. Derzeit soll sich der 30-Jährige noch auf dem Flughafen Scheremetjewo aufhalten. Von dort aus soll er noch am Montag in Richtung Südamerika aufbrechen, vermutlich zunächst nach Kuba. Die Regierung in Ecuador hat inzwischen bestätigt, dass Snowden in ihrem Land Asyl beantragt habe. "Dieses Ansinnen werden wir sehr verantwortungsvoll prüfen", sagte Außenminister Ricardo Patiño. Wie lange diese Prüfung dauern werde, ließ der der Politiker offen.

Ecuador gewährt auch WikiLeaks-Gründer Julian Assange politisches Asyl, der diplomatische Geheimdokumente etwa über die Rolle der USA in den Kriegen im Irak und in Afghanistan veröffentlicht hatte. Assange sitzt seit über einem Jahr in der ecuadorianischen Botschaft in London fest. Auch er fürchtet die Auslieferung in die USA.

Scharfe Kritik an Hongkong und Peking

Für Washington zeigt die Auswahl der Unterstützerstaaten, dass es Snowden in Wahrheit gar nicht um den Schutz von Demokratie und Bürgerrechten gehe. "Die Tatsache, dass er die Regimes in China, Russland, Kuba, Venezuela und Ecuador nicht kritisiert, zeigt, dass es sein wahres Motiv war, die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten zu verletzen", sagte ein ranghoher US-Beamter.

Sicherheitsrats-Sprecherin Hayden teilte mit, dass Washington über diplomatische Kanäle die Behörden in Hongkong und Peking scharf kritisiert habe. "Dieses Verhalten schadet den bilateralen Beziehungen zu Hongkong und China", sagte sie.

Der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Snowden hatte sich Anfang Juni aus den USA abgesetzt und war nach Hongkong geflogen. Von dort aus hatte er bislang ungeahnte Spähprogramme der amerikanischen und britischen Geheimdienste enthüllt.

Die US-Regierung hatte gegen Snowden Anklage wegen Geheimnisverrats erhoben und seine Festnahme beantragt. Die Behörden in Hongkong schickten den Antrag aber als unvollständig mit der Bitte um zusätzliche Angaben wieder zurück.

Anwalt: Snowden wurde in Hongkong zur Ausreise gedrängt

Nach Angaben seines Anwalts wurde Snowden daraufhin aber zur Ausreise aufgefordert. Ein Mann habe sich bei seinem Mandanten gemeldet und angegeben, die Regierung der chinesischen Sonderverwaltungszone zu vertreten, sagte Albert Ho am Montag vor Journalisten. Dieser habe gesagt, Snowden könne Hongkong verlassen und sollte dies auch tun. "Das ist ein sehr ungewöhnlicher Vorgang", sagte Ho.

Dann ließen ihn die Behörden nach Moskau weiterfliegen - obwohl Snowdens Reisepass nach CNN-Informationen inzwischen für ungültig erklärt worden sein soll.

syd/Reuters/dpa/AP



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insgesamt 253 Beiträge
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Seite 1
eduzi 24.06.2013
1.
korrekturgelesen wird hier auch nicht mehr? der letzte absatz ist doppelt ;)
Fidelius 24.06.2013
2. Wie bitte?
Wie kann das Aufdecken einer Wahrheit ein Verbrechen sein? Sind jetzt alle Journalisten Verbrecher?
schinkenpizza 24.06.2013
3. Wo sind jetzt eigentlich?
Die ganzen Leute dich Anfangs dachten Obama sei der große Heilsbringer? Davon ist nichts mehr übrig. Da hätte auch Bush bleiben können
Meckerliese 24.06.2013
4. Klaro
So einen Geheimnisausplauderer muss man doch fertig machen nach allen Regeln der Kunst. Totale Überwachung der Welt ist angesagt.
spon-facebook-10000030825 24.06.2013
5. Dumm gelaufen,
ihr Amis. Und verdammt gut so - wir brauchen mehr Leute wie Snowden. Diese verdammten patriotisch-christlichen Amerikaner haben definitiv den Bezug zur Realität verloren, einfach peinlich. Und dass die Merkel dazu nix Sinnvolles zu sagen hat, wundert mich eigentlich auch nicht weiter. Lausiges Pack, alle miteinander.
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