TV-Debatte der Republikaner Ohne Trump, mit Anspruch

Ohne mich! Kurz vor den ersten Vorwahlen in Iowa boykottiert Donald Trump die TV-Debatte. Kaum fehlt der Spitzenreiter, zeigt sich: Die Republikaner können auch seriös über Politik diskutieren.

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Von , Washington


Donald Trump, wie man ihn kennt. Großer Saal, großes Publikum, große Thesen. "U-S-A! U-S-A!", rufen seine Fans. Der Republikaner ist an die Drake Universität in Des Moines gekommen, und es wirkt wie ein normaler trumpscher Wahlkampftermin. Aber normal ist schon lange nichts mehr in diesem Wahlkampf, erst recht nicht dieser Auftritt.

Trumps Show im Sheslow Auditorium ist eine Veranstaltung, wie sie in der amerikanischen Politik selten vorkommt. Das Hauptprogramm an diesem Donnerstagabend ist eigentlich die TV-Debatte der Republikaner bei Fox News. Millionen sitzen vor den Fernsehern, vier Tage vor der ersten Vorwahl in Iowa. Ein Riesending.

Doch der Milliardär, Favorit für die Präsidentschaftskandidatur der Partei, boykottiert die Debatte. Er fühlt sich vom rechtskonservativen Sender unfair behandelt und hat deshalb seinen ganz persönlichen Konkurrenztermin angesetzt. Donald-Trump-TV statt Fox News gewissermaßen. Er will ein bisschen Geld sammeln für Veteranen, vor allem aber dem Sender die Quote versauen.

Es ist ein gewagtes Spiel. Ich bestimme die Regeln - das ist die Botschaft seines Boykotts. Doch die TV-Debatte, nur wenige Tage vor der ersten Vorwahl in Iowa, hätte auch für ihn eine gute Bühne sein können, sich noch einmal den Wählern zu präsentieren. Stattdessen können sich seine Rivalen mal ausleben - ohne den Störer. Vier Beobachtungen.

Trump mit YouTube-Stars Diamond & Silk in Des Moines: Sein eigenes Ding
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Trump mit YouTube-Stars Diamond & Silk in Des Moines: Sein eigenes Ding

Erstens: Trumps Abwesenheit tut den Republikanern bei der Debatte gut. Die Atmosphäre ist weniger pubertär, die sieben auf der Bühne vertretenen Kandidaten diskutieren sich ausnahmsweise mal etwas ernsthafter durch die Themen. Ohne Trump, der bisher fast jede Debatte mit seinen Thesen dominierte und für einen gewisse Vereinheitlichung der Positionen sorgte, weil niemand sich so recht traute, sich von ihm abzusetzen, wird endlich einmal ein Meinungsspektrum der Partei erkennbar.

Senator Rand Paul ist gegen die Überwachungsprogramme der NSA, seinem Kollegen Chris Christie aus New Jersey können sie gar nicht weit genug gehen. Jeb Bush, der Mann aus der Präsidentenfamilie, kann ungestört seine durchaus konkreten Pläne zum Syrienkonflikt präsentieren, sein Ziehsohn Marco Rubio konzentriert sich auf seinen eher schlichten Ansatz, Amerikas Feinde irgendwie zu vernichten. Ted Cruz muss sich für seine Liebe zu fossilen Energien rechtfertigen, Ex-Doktor Ben Carson darf darüber sprechen, wie er Wladimir Putin entgegentreten würde. Das Problem: Ohne Trump wird auch klar, warum bei den bisherigen TV-Debatten so viele Menschen eingeschaltet haben. Mit ihm ist es deutlich unterhaltsamer.

Zweitens: Fox News mag ein problematischer Sender sein. Doch die Fernsehdebatten meistert kein Sender so wie der Cable-TV-Riese. Schon bei der allerersten Republikanerdebatte im August fasste Fox die Kandidaten überraschend hart an. Für Donnerstag hatten sich die Moderatoren etwas besonders Unangenehmes einfallen lassen: In Videoeinspielern wurden Cruz und Rubio mit widersprüchlichen Aussagen zur Einwanderung gezeigt. Mal pro Amnestie für illegale Einwanderer, mal contra.

Eine einfache, aber äußerst effektive Idee, die beide erkennbar verunsicherte. Statt ihr Hin und Her zu erklären, attackierten sich Rubio und Cruz gegenseitig. "Du sagst alles, solange es dir Stimmen bringt", schimpfte Rubio in Richtung Cruz. "Ich mag Marco. Er ist ziemlich soft", konterte dieser und versuchte sich an einer Präsentation seines aktuell gültigen Einwanderungskonzepts. Da ging plötzlich Chris Christie dazwischen. Bei so einer Diskussion könne doch niemand mehr folgen. "Für euch braucht man einen Washington-Englisch-Übersetzer", fauchte er. Schade nur: Man hätte sehr gerne gesehen, wie der Sender auch Donald Trump mit seiner inhaltlichen Flexibilität konfrontiert hätte. Ging aber nicht.

Innerparteiliche Rivalen Cruz und Rubio:  Mal pro, mal contra
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Innerparteiliche Rivalen Cruz und Rubio: Mal pro, mal contra

Drittens: Ted Cruz, der sich mit Trump ein Kopf-an-Kopf-Rennen in Iowa liefert, tat sich schwer damit, in die Rolle des Anführers zu schlüpfen, die ihm Trump mit seiner Abstinenz eigentlich überlassen hatte. Der Senator hatte einen starken Beginn, präsentierte sich als Versöhner der Partei, als Enkel von Ronald Reagan. Anschließend tauchte er unter, beschwerte sich über Fragen der Moderatoren und wurde dafür vom Publikum ausgebuht. Bei den Wählern in Iowa konnte sich eher Rubio empfehlen. Ihm kam entgegen, dass gleich anfangs über die Außenpolitik gestritten wurde. Rubios Tenor: "Ich werde das Land - anders als Barack Obama - sicher halten." Die Außenpolitik ist eine Debatte, bei der Rubio auch mit roter Clownsnase auftreten könnte, er würde sie gewinnen. Seine einfachen Freund-Feind-Botschaften sind exakt das, was das Publikum hören will.

Viertens: Jeb Bush, der immer noch um sein Comeback kämpft, verkündete tatsächlich etwas in Richtung Donald Trump. "Ich vermisse ihn ein bisschen", sagte er: "Er war wie ein Teddybär für mich." Da gab es ein paar Lacher, auch wenn nicht wirklich klar wurde, was genau er eigentlich damit meinte.

US-Vorwahlen

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insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
Herr Schäuble 29.01.2016
1.
Seriös mit Leuten wie Carson, die glauben, dass die Welt nur 6000 Jahre alt ist? In der Amerikanischen Politik gibt es keine Seriösität.
haresu 29.01.2016
2. Entlarvt
Trumps Strategie ist voll aufgegangen. Ohne das Feigenblatt seiner Dominanz zeigt sich bei den Restkandidaten vor allem der Mangel an Mut und Charakter. Irgendeine Entfaltung ihrer Persönlichkeit und ihrer Positionen fand nicht statt. Da ist einfach nichts das sich entfalten könnte. Und sie stecken sich auch noch gegenseitig an mit ihrer Schwäche und stehen gemeinsam erschrocken im plötzlichen Licht. Der Wahnsinnige wird das Rennen machen.
NeueTugend 29.01.2016
3. Intelligenz nicht unterschätzen
Für mich hat er sich clever davon gestohlen, und er weiß, dass er den Auftritt nicht brauch. Er hat auch so Schlagzeilen gemacht, die ihn eher populärer machen, als das sie ihn schwächen. Er wird nächster President.
mielforte 29.01.2016
4. Wer hat dieses Foto freigegeben?
Denn ich sehe auf diesem Bild neben einigen Statisten nur Herrn Bush in herausragender Pose. Das sagt alles und wird meine Wette gewinnen lassen.
jojack 29.01.2016
5. Selbst verschuldet
Das aktuelle Horrorszenario für das GOP-Establishment ist teilweise selbst verschuldet. Die schiere Anzahl von Kandidaten mit austauschbarer Agenda macht es einem polternden Lautsprecher wie Trump auch einfach aufzufallen. Wenn FOX News wenige Tage vor der ersten Vorwahl immer noch zwei Termine braucht, um auch wirklich alle Kandidaten in zwei Debatten unterzubringen, dann überschätzen sich einige der Kombattanten ganz gewaltig. Bis auf Trump, Cruz, Rubio und Bush sollten die übrigen Kandidaten das Rennen verlassen und so aufhören, Trump unnötig zu stärken.
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