Warnung der USA China will U-Boote mit Atomraketen bestücken

Die Vereinigten Staaten schlagen Alarm: Binnen zwei Jahren könnte China seine U-Boote mit nuklearen Raketen ausgestattet haben, so ein Kommissionsbericht. Die Waffen haben offenbar eine enorme Reichweite.

AP

Washington/Peking - Mit Unbehagen blicken die USA auf das ständig wachsende Waffenarsenal der chinesischen Streitkräfte. Nun könnte eine weitere Sorge hinzukommen. Laut einem Bericht des US-Kongresses steht das Land kurz vor einer nuklearen Bewaffnung seiner Atom-U-Boote.

Peking befinde sich auf dem Weg zu "einer dreifachen nuklearen Bewaffnung", so das Papier der Kommission, die im Auftrag des Kongresses die wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Entwicklungen in China beobachtet. Aus dem Bericht zitiert die Nachrichtenagentur Reuters.

Binnen zwei Jahren könnte das Land demnach in der Lage sein, Atomraketen vom Boden und eben von U-Booten abzufeuern - oder atomare Bomben von Flugzeugen abzuwerfen. Der Bericht soll am kommenden Mittwoch an den Kongress übergeben werden.

Besondere Sorge bereiten den Beobachtern dabei die Unterseeboote der Jin-Klasse. Diese sind laut dem Bericht der Kommission in der Lage, ballistische JL-2-Raketen mit einer Reichweite von mehreren tausend Kilometern abzufeuern. Genaue Informationen über die Anzahl der chinesischen U-Boote sind spärlich. Nach derzeitigem Stand sind jedoch mindestens zwei Boote der Jin-Klasse einsatzbereit, drei weitere sollen folgen. Auch das US-Verteidigungsministerium spricht in einem Bericht vom Mai 2012 in Zusammenhang mit den Jin-Booten und den JL-2-Raketen von Chinas erster "ernsthafter seebasiert-nuklearer Schlagkraft".

Der scheidende Staats- und Parteichef Hu Jintao hatte die Modernisierung der Seestreitkräfte zuletzt zur Priorität erklärt und enorme Summen zur Verfügung gestellt. Die Volksrepublik steigerte ihren Militärhaushalt in diesem Jahr mit 11,2 Prozent wieder deutlich auf rund 80 Milliarden Euro.

Damit liegt das Land jedoch noch weit hinter den USA. Dem Pentagon stehen, trotz jüngster Kürzungen, noch immer mehr als 600 Milliarden US-Dollar zur Verfügung.

China verfügt zwar über eine enorme Truppenstärke - bei der technischen Ausrüstung hinkte es aber lange hinterher. Hier sollen die Investitionen offenbar Abhilfe schaffen. So stellte die Marine im September 2012 ihren ersten Flugzeugträger in Dienst. Peking hatte das Schiff bereits 1998 von der Ukraine erworben und danach aufwendig modernisiert und modifiziert.

Mit der Ausweitung seines nuklearen Arsenals würde China das Wettrüsten im Pazifikraum weiter antreiben. Schon lange gibt es zwischen China und den Nachbarstaaten - aber auch den USA - Spannungen wegen der militärischen und wirtschaftlichen Vorherrschaft in der Boomregion.

Die USA sowie mehrere Staaten in der Region sind insbesondere über den Ausbau der chinesischen Marine beunruhigt. Sie fürchten, dass Peking sie zur Festigung der regionalen Vormachtstellung nutzen könnte. China beansprucht den Großteil des Südchinesischen Meeres für sich, wobei es in Konflikt mit Vietnam, Taiwan, Brunei, Malaysia und den Philippinen gerät.

Sorge wegen andauerndem Inselstreit

Wegen dieser Territorialstreitigkeiten und der Bedrohung der demokratischen Inselrepublik Taiwan verfolgen die USA sowie Japan und andere asiatische Nachbarn den Aufstieg Chinas zur regionalen Militärmacht mit wachsendem Argwohn. US-Präsident Barack Obama hatte Anfang Januar bereits die Militärstrategie der USA stärker auf den Pazifik und damit auf die von China ausgehenden Gefahren ausgerichtet.

Der Bericht der US-Kommission kommt zu einem politisch sensiblen Zeitpunkt. Die Führung in Peking befindet sich im Umbruch, Hu Jintao und Premier Wen Jiabao scheiden aus der Spitze der Kommunistischen Partei aus. Nachfolger von Hu und Wen werden vermutlich die Karrierefunktionäre Xi Jinping und Li Keqiang, die am Montag offiziell gekürt werden sollen.

jok/Reuters

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franko_potente 08.11.2012
1.
Zitat von sysopREUTERS / China NewsphotoDie Vereinigten Staaten schlagen Alarm: Binnen zwei Jahren könnte China seine U-Boote mit nuklearen Raketen ausgestattet haben, so ein Kommissionsbericht. Die Waffen haben offenbar eine enorme Reichweite. http://www.spiegel.de/politik/ausland/usa-warnen-vor-atomraketen-auf-chinas-u-booten-a-866035.html
oh Gott, IRAN könnte demnach binnen wenier Wochen Atom... China KÖNNTE binnen zwwi JAhren... meingott was soll da scon wieder vorberetet werden. Ihr habt dich selber X Atomraketne auf allen möglichen Trägersystemen. Was soll denn dieses Denken? Obama hin und her, seine Siegesrede vom größtenLand der Welt und der besten NAtion auf Erden zeigt ein weiteres Mal, in welcher unglaublchen Hybris sich die USA noch immer befinden. Der kalte Krieg ist vorbei,kommt endlich zum miteinander.
markeg 08.11.2012
2. warum sollten Sie?
Wenn China wirklich etwas gegen die USA unternehmen wollte, würden Sie nur ihre Dollarreserven und Schuldscheine abverkaufen. Das wäre wesentlich billiger, und Sie könnten sich fortan zurücklehnen und die Implosion betrachten...Eine Atomwaffe wirkt da gegen eher unkultiviert- vielleicht projiziert die US Kommission eher von sich auf andere...
deus-Lo-vult 08.11.2012
3. ...
Zitat von sysopREUTERS / China NewsphotoDie Vereinigten Staaten schlagen Alarm: Binnen zwei Jahren könnte China seine U-Boote mit nuklearen Raketen ausgestattet haben, so ein Kommissionsbericht. Die Waffen haben offenbar eine enorme Reichweite. http://www.spiegel.de/politik/ausland/usa-warnen-vor-atomraketen-auf-chinas-u-booten-a-866035.html
Na und? Wäre mir neu, dass die USA die einzigen sind, die das dürfen.
darthkai 08.11.2012
4. optional
Könnte der Autor die reißerische Überschrift der Realität anpassen? Evtl. in "Washington behauptet Peking könnte in 2 Jahren das Gleiche tun, wie sie selbst sit Jahrzehnten" ;)
Doctor Feelgood 08.11.2012
5. Also wirklich!
So geht das aber nicht: wo kämen wir denn da hin, wenn die bösen Chinesen ihr Waffenarsenal ebenso aufbauen würden wie die guten Amerikaner? Nicht auszudenken! Bei genauerem Hinsehen habe ich jedoch vor den Amis mehr Angst als vor den Chinesen, denn Letzere führen NICHT einen Krieg nach dem anderen!
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