Kampf gegen Dschihadisten US-Militär hält Lage im Irak für zu chaotisch für Luftschläge

Der US-Generalstab hält die Lage im Irak momentan für zu unübersichtlich, um Luftschläge durchzuführen. Auch eine Zusammenarbeit mit Iran scheint vorerst unwahrscheinlich.

Schiitische Freiwillige im Irak: Um Luftschläge der USA gebeten
REUTERS

Schiitische Freiwillige im Irak: Um Luftschläge der USA gebeten


Washington - Die Lage im Land sei zu chaotisch: Für einen möglichen Luftangriff der USA im Irak ist es nach Ansicht von US-Generalstabschef Martin Dempsey noch zu früh. Vor solch einem Schritt müssten erst die nötigen Geheimdienstinformationen vorliegen, sagte Dempsey in einer Anhörung im Kongress. Die militärischen Optionen würden derzeit weiterentwickelt und verfeinert - erst dann könne Präsident Barack Obama eine Entscheidung treffen.

Grundsätzlich sicherte die US-Regierung dem Irak jedoch zu, die Unterstützung im Kampf gegen die Kämpfer der Miliz "Radikalislamischer Staat im Irak und in Syrien", kurs Isis, zu verstärken. Das sagte US-Vizepräsident Joe Biden in einem Telefonat mit dem irakischen Regierungschef Nuri al-Maliki. Biden stellte nach einer Mitteilung des Weißen Hauses aber auch klar, dass Al-Maliki die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen im Land einbeziehen müsse.

Die irakische Regierung hatte die USA zuvor offiziell gebeten, sie im Kampf gegen die Islamistenmiliz Isis mit Luftschlägen zu unterstützen.

Bodentruppen schließt die US-Regierung indes weiter aus, das stellte Barack Obama bei einem Gespräch mit führenden Politikern von Senat und Abgeordnetenhaus klar.

Die gleiche militärische Maßgabe verfolgt offenbar Iran. Wie die USA werde sein Land keine Truppen gegen die sunnitische Terrormiliz Isis schicken, sagte Generalstabschef Hassan Firusabadi nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars. Dazu bestehe kein Anlass.

Seit Tagen wird zudem über eine mögliche Zusammenarbeit Irans mit den USA diskutiert. Doch auch hier schränkte der General ein: Zum jetzigen Zeitpunkt könne er sich das nicht vorstellen. Die Isis-Miliz rechnete Firusabadi gar dem US-Bündnis zu. Seiner Meinung nach stehe die Terrorgruppe im Einklang mit der US-Politik in Syrien, die dort den Wahlsieg von Präsident Baschar al-Assad untergrabe. "Daher wäre eine Zusammenarbeit absurd", so Firusabadi.

Anders als der General hatte Irans Präsident Hassan Rohani eine Zusammenarbeit mit den USA nicht ausschließen wollen. Den Einsatz von Bodentruppen wie der Eliteeinheit al-Kuds dementierte aber auch Rohani.

Einflussgebiet von Isis im Irak und Syrien
SPIEGEL ONLINE

Einflussgebiet von Isis im Irak und Syrien

Religiöse Gruppen und ethnische Minderheiten im Irak
Sunniten
Mit über 85 Prozent der Muslime weltweit bilden die Sunniten die größte Gruppe im Islam. Der Name der Glaubensrichtung leitet sich vom arabischen Wort "Sunna" ab, das im religiösen Zusammenhang die "Handlungsweisen des Propheten Mohammed" bedeutet. Zusätzlich zum Koran orientieren sich Sunniten anders als die Schiiten an der Sunna als einer zweiten Quelle des islamischen Rechts. Die Rebellen im Irak gehören der Glaubensrichtung der Sunniten an.
Schiiten
In den Augen der Schiiten haben nur Ali, der Vetter und Schwiegersohn des Propheten Mohammed, und dessen Nachkommen ein Anrecht auf die politische Führung aller Muslime. Zwar unterscheiden sich die Schiiten in der religiösen Praxis kaum von den Sunniten. Doch durch die historische Entwicklung beider Glaubensrichtungen trennen heute tiefe politische Gräben das sunnitische und das schiitische Lager. Im Irak sowie in Iran und dem Libanon stellen die Schiiten die größte Konfessionsgruppe. Auch der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki ist Schiit.
Alawiten
Alawiten sehen ihre Glaubensgemeinschaft als Abspaltung des schiitischen Islam. Auch sie verehren Ali, den Vetter des Propheten, und seine Nachfolger. Im Unterschied zu den Schiiten hat Ali bei Alawiten aber sogar einen gottähnlichen Status. Anhänger der alawitischen Glaubensrichtung leben vor allem in Syrien. Der syrische Diktator Assad ist Alawit. Es gibt auch Alawiten im Südosten der Türkei und im Libanon.
Kurden
Die Volksgruppe der Kurden stammt aus einem Siedlungsgebiet in Vorderasien, das sich auf die Gebiete der Türkei, des Irak, Irans und Syriens verteilt. Jahrhundertelang war die Region Teil des Osmanischen Reiches. Nicht alle Kurden gehören derselben Glaubensrichtung an. Viele sind Sunniten. Manche sind Aleviten, deren islamische Glaubensrichtung derjenigen der Alawiten ähnelt. Eine kurdische Einheitssprache gibt es nicht, dagegen viele unterschiedliche Dialekte. Im Nordirak hat sich seit dem letzten Golfkrieg ein Kurdenstaat gebildet, der seine Unabhängigkeit fordert.
Jesiden
Die Jesiden leben vor allem in der Gegend um die nordirakische Stadt Mossul. Schätzungsweise gibt es zwischen 300.000 und 1,2 Millionen Anhänger, von denen viele wegen Verfolgung und Diskriminierung ins Ausland geflohen sind. Ihre monotheistische Religion enthält Elemente des Christentums, des Islam und des Zoroastrismus. Neben Gott verehren sie sieben Engel. Der wichtigste heißt Malak Taus, der "Pfauenengel". Die Jesiden verneinen die Existenz des Teufels. Ihnen ist es verboten, außerhalb der Gemeinschaft zu heiraten oder einen anderen Glauben anzunehmen. Ihre wichtigste Pilgerstätte liegt in Lalisch, einem abgelegenen Tal im Norden des Irak. Dort befindet sich das Grab von Scheich Adi, der im 12. Jahrhundert starb und den die Jesiden als Heiligen verehren.

kes/dpa



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micromiller 19.06.2014
1. obamas aussenpolitik doppelt gescheitert
aus freund wird feind und aus feind soll freund werden, wo doch feind EIns noch gegen feind in syrien unterstuetzt wurde und feind 2 von israel angegriffen wrden soll oder nicht sollte, einfach schwer fuer unseren mit dem friedensnobelpreis dekorierten spontan freiheits fuehrer. die aussenpolitik der US Administation war noch nie so schlecht wie unter der leitung obamas.
prof_kai 19.06.2014
2. Irans Einfluss
Der Iranische General hat gar nicht mal so unrecht. In Syrien wird isis unterstützt, aber in Irak bekämpft? Vielleicht möchte die USA, dass das Land weiter ins Chaos gerät, damit Irans Einfluss abnimmt?! Just a Vermutung.
reinerhohn 19.06.2014
3. Wenn man liest...
....das ganze Armeen alles stehen und liegen lassen, und vor 800 Isis Kaempfern davonlaufen, dann soll es wohl so sein. Warum sollten die USA, der Iran, oder sonst ein Land den Iraker helfen, wenn ihre Soehne und Maenner, bestens bewaffnet zahlenmaessig weit ueberlegen,, nichts tun? Das sieht nach Absicht aus.
gianfranco 19.06.2014
4. Grundsätzlich sicherte die US-Regierung ...
„Washington - Die Lage im Land sei zu chaotisch: Für einen möglichen Luftangriff der USA im Irak ist es nach Ansicht von US-Generalstabschef Martin Dempsey noch zu früh. Vor solch einem Schritt müssten erst die nötigen Geheimdienstinformationen vorliegen, sagte Dempsey in einer Anhörung im Kongress.“ So so, demnach liegen die nötigen Geheimdienstinformationen noch nicht vor. Ja wie auch, schließlich tauchte die Isis- Miliz erst vorgestern, wie aus dem Nichts, auf. Ein weiteres Licht fällt auf die finsteren Machenschaften des Nobelpreisträgers.
FKassekert 19.06.2014
5. Regionalmacht usa
Mr. Obama hatte in einem seiner vielen Statements wohl nur die Laender verwechselt ueber die er so heftig seinerzeit sprach? Passierte den Bush's sen. und jun. auch laufend vor laufenden Cameras!
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