Protest gegen Israels Wissenschaftsminister Professorinnen boykottieren deutsch-israelisches Gremium

Israels Wissenschaftsminister hat eine Forscherin aus einer deutsch-israelischen Stiftung ausgeschlossen - wegen ihrer politischen Überzeugungen. Nun ziehen zwei deutsche Mitglieder Konsequenzen.

Ute Frevert
imago/ Hans Scherhaufer

Ute Frevert


Die Deutsch-Israelische Stiftung für Forschung und Entwicklung (GIF) ist ein Leuchtturmprojekt der bilateralen Zusammenarbeit zwischen Berlin und Jerusalem. Herausragende deutsche und israelische Wissenschaftler, die gemeinsam an zivilen Forschungs- und Entwicklungsprojekten arbeiten, werden von der Stiftung unterstützt. Wer die begehrten Gelder bekommt, darüber entscheidet ein paritätisch besetztes Kuratorium, in dem neben den jeweiligen Forschungsministerin beider Länder je drei herausragende Forscher sitzen. Nun ist um die Neubesetzung dieses Gremiums ein Streit eskaliert.

Zwei deutsche Professorinnen sind aus Protest gegen eine Entscheidung Israels aus der GIF ausgetreten. Der Grund: Israels Wissenschaftsminister Ofir Akunis von der konservativen Regierungspartei Likud hatte die zunächst angekündigte Ernennung der israelischen Neurologin Yael Amitai für die Stiftung gestoppt.

Amitai hatte vor einigen Jahren eine Petition unterschrieben, in der sie ihre Sympathie mit Akademikern bekundete, denen aufgrund ihrer Wehrdienstverweigerung in den von Israel besetzten palästinensischen Gebieten Konsequenzen drohten.

Streit über politische Instrumentalisierung der GIF

In ihrem Rücktrittsschreiben haben sich nun Ute Frevert von der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin und Brigitte Röder von der Universität Hamburg mit israelischen Wissenschaftlern solidarisiert, die wegen Amitais Ausschluss zum Boykott der Stiftung aufriefen. "Die Arbeit des GIF ist zu wichtig, um sie durch politische Scharmützel korrumpieren zu lassen", schrieben Frevert und Röder an das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Sie forderten klare Regeln für die Ernennung der Beiratsmitglieder.

Nach Angaben von Professor Nir Gov vom Weizmann-Institut in Rechovot haben mehr als 460 israelische Wissenschaftler eine entsprechende Petition unterzeichnet. "Wir werden die GIF boykottieren, bis Amitai eingesetzt wird und Akunis öffentlich erklärt, sich nicht mehr in akademische Vorgänge einzumischen", sagte Gov. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung äußerte sich zunächst nicht.

Die Deutsch-Israelische Stiftung für Forschung und Entwicklung wurde 1986 mit einem Stiftungskapital von 150 Millionen Mark ins Leben gerufen - mit Sitz in Jerusalem. Forschungsprojekte werden mit den Zinserträgen des Stiftungskapitals gefördert.

dop/dpa

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