Und noch mal Varoufakis äußert sich zum Stinkefinger-Streit

Griechenlands Finanzminister Varoufakis ruft dazu auf, die Kontroverse um das Stinkefinger-Video zu beenden: Deutsche und Griechen sollten mit dem "giftigen Schwarzer-Peter-Spiel" Schluss machen.

Finanzminister Varoufakis: Auf den jeweils anderen mit dem Finger zu zeigen, "dient nur den Feinden Europas"
AFP

Finanzminister Varoufakis: Auf den jeweils anderen mit dem Finger zu zeigen, "dient nur den Feinden Europas"


Athen - Jetzt meldet er sich doch noch mal zu Wort: Der griechische Finanzminister Gianis Varoufakis hat zu einem Ende des Streits um das "Stinkefinger-Video" aufgerufen. Er schreibt in seinem Blog am Freitag:

"Jeder vernünftige Mensch kann sehen, wie ein bestimmtes Video Teil von etwas geworden ist, das über eine Geste hinausgeht."

Und weiter:

"Es hat einen Wirbel ausgelöst, der die Art und Weise widerspiegelt, wie die Bankenkrise des Jahres 2008 begann, die schlecht konzipierte europäische Währungsunion zu untergraben und stolze Nationen gegeneinander aufzubringen."

In Deutschland hatten Videobilder für Aufregung gesorgt, die Varoufakis im Mai 2013 in Zagreb zeigen. Damals hielt er als Wirtschaftsprofessor einen Vortrag - und zeigte darin auch den Stinkefinger.

In der Talkshow von Günther Jauch am Sonntag wirkte es in einem Film über Varoufakis so, als ob er damals Deutschland den Mittelfinger zeigte, allerdings war die Situation komplexer, seine Rede aus dem Kontext gerissen. (Lesen Sie hier den Kontext und den Wortlaut der Rede.)

Varoufakis spricht in seiner Rede über das Geschehen des Jahres 2010 in Griechenland - und bezieht sich zugleich auf die Lage des argentinischen Staatshaushalts im Jahr 2013. Zwar wurde in dem kurzen Einspielfilm, in dem auch die Stinkefinger-Sequenz vorkam, die Zeitangabe "Mai 2013" eingeblendet. Auch wiederholte Moderator Jauch das Datum der Aufnahme noch einmal.

Doch der Hinweis darauf, dass sich Varoufakis auf die Situation in Griechenland vor dem ersten Hilfspaket bezog, fehlte - auch der Hinweis, dass er Deutschland 2013 gerade nicht den Stinkefinger zeigen würde. Dies wird aus dem Kontext deutlich, er sagt nämlich, dass es für ihn zum Zeitpunkt seines Auftritts 2013 gerade keine Option war, Deutschland den Stinkefinger zu zeigen, so wie es Argentinien sinnbildlich gegenüber dem IWF tat.

Varoufakis hatte mehrmals noch in der Sendung behauptet, der vieldiskutierte Stinkefinger sei in den Film montiert worden. Eine Behauptung, die Jauch zurückwies, die aber für Aufregung sorgte, da Satiriker Jan Böhmermann sich dann am Mittwochabend als Fälscher des Stinkefinger-Videos ausgab und damit viele verwirrte. Seine Aktion war als Kritik an der Medienberichterstattung gedacht.

Varoufakis: Beendigung dieses giftigen "Schwarzer-Peter-Spiels"

Der griechische Minister appelliert nun in einem Artikel, in dem er sich Gedanken über die Finanzkrise und die gemeinsame Zukunft der Deutschen und der Griechen macht: "Wir müssen in erster Linie in die Richtung der Beendigung dieses giftigen "Schwarzer-Peter-Spiels" arbeiten." Auf den jeweils anderen mit dem Finger zu zeigen, "dient nur den Feinden Europas".

Am Montag reist Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras nach Berlin. "Das ist nicht der Platz, an dem irgendwelche Listen abgegeben werden von Reformvorschlägen, denn die müssen bei den Institutionen abgegeben werden und nicht bei Deutschland", sagte Angela Merkel am Freitag zum Abschluss des EU-Gipfels in Brüssel. Sie machte aber deutlich, dass die griechische Reformagenda dennoch zur Sprache kommen werde. Tsipras hatte in Brüssel zugesichert, in den kommenden Tagen eine vollständige Liste mit eigenen Reformvorschlägen vorzulegen. Dies ist Voraussetzung für die Geldgeber, noch verfügbare Milliardenhilfen aus dem verlängerten Hilfsprogramm freizugeben. Ansonsten droht Athen in Kürze der Staatsbankrott.

Der Schuldenstreit sorgt seit Wochen für Spannungen zwischen Deutschland und Griechenland. Eine Chronologie in Zitaten:

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