Vatikan Papst gibt Ahmadinedschad einen Korb

Absage an Ahmadinedschad: Der Vatikan unterhält zwar normale diplomatische Beziehungen zu Iran. Dennoch will Papst Benedikt XVI. Irans Präsidenten nicht während dessen Rom-Besuch empfangen.


Rom - Die angeblichen Achsen des Bösen und des Guten werden sich nicht kreuzen. Nicht nächste Woche jedenfalls, wenn anlässlich des FAO-Welternährungsgipfels der iranische Staatschef in Rom erwartet wird. Nach einer Krisensitzung im Staatssekretariat ist offenbar entschieden, dass Irans Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad die gewünschte Audienz beim Pontifex nicht bekommen wird.

Benedikt XVI.: Kein Händeschütteln mit einem Antisemiten
DPA

Benedikt XVI.: Kein Händeschütteln mit einem Antisemiten

Aus Kreisen des Vatikans heißt es, "auf keinen Fall" werde es ein Treffen des Papstes mit dem iranischen Staatspräsidenten geben. Die Begründung: Benedikt XVI. habe in der kommenden Woche leider keine Zeit für Einzelaudienzen. Das betreffe auch die ebenfalls in Rom erwarteten Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy und Husni Mubarak. Iranische Diplomaten hatten sich in den vergangenen Wochen intensiv um die Audienz bemüht.

Noch gestern hatte es in italienischen Medien geheißen, der Papst wolle zumindest einige der zum FAO-Gipfel angereisten Staatsoberhäupter en bloc treffen, zu einer Gruppenaudienz. Nun sei den Diplomaten mitgeteilt worden, angesichts des Ranges der Gäste entspreche eine Gruppenaudienz nicht dem Courtoisie-Protokoll des Vatikans.

In letzter Minute hat die Kurie damit die diplomatische Notbremse gezogen. Ein Foto des Papstes mit dem notorischen Antisemiten aus Teheran, beide womöglich lächelnd und Hände schüttelnd, wollte man dann doch nicht riskieren.

Das für den 13. Juni angesetzte Privattreffen des Papstes mit US-Präsident George W. Bush dagegen wird stattfinden. Es war schon seit längerem geplant und hat außerdem nichts mit dem FAO-Treffen zu tun. Bush wird auf Abschiedstournee durch Europa reisen.

Der Vatikan unterhält normale diplomatische Beziehungen zum Iran. Im Dezember hatte der Papst den iranischen Außenminister Manutschehr Mottaki empfangen. Vor wenigen Wochen hatte eine gemeinsame Erklärung des Vatikans mit schiitischen Geistlichen für Aufsehen gesorgt.



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