Vatikan Papst rehabilitiert Holocaustleugner

Bischof Richard Williamson stritt in einem TV-Interview den Massenmord an den Juden ab. Der Brite gehört zu einer ultrakonservativen Gruppe, die sich einst von der katholischen Kirche abspaltete. Nun hob Papst Benedikt die Exkommunizierung von Bischöfen wieder auf - trotz massiver Proteste.


Rom - Es war ein Schritt, der seit längerem erwartet wurde: Papst Benedikt XVI. hob am Samstag die Exkommunizierung von vier Bischöfen auf, die vor 20 Jahren ohne päpstliche Zustimmung vom ultrakonservativen französischen Erzbischof Marcel Lefebvre geweiht wurden.

Die Handlung des Papstes ist heikel und umstritten: Denn einer der Ultratraditionalisten, der Brite Richard Williamson, hat dieser Tage mit der Leugnung des Holocausts für Aufsehen gesorgt.

Papst Benedikt XIV und Rabbi Cohen: Proteste jüdischer Organisationen
DPA

Papst Benedikt XIV und Rabbi Cohen: Proteste jüdischer Organisationen

Williamson sagte im schwedischen Fernsehen, es gebe erdrückendes historisches Beweismaterial, das gegen die mutwillige Vergasung von sechs Millionen Juden während des Zweiten Weltkriegs spreche. Es seien vielleicht 200.000 bis 300.000 Juden in Konzentrationslagern umgekommen, aber kein einziger von ihnen sei vergast worden. Das Interview wurde bereits im November in Deutschland aufgezeichnet und am Mittwochabend ausgestrahlt. Die Staatsanwaltschaft Regensburg eröffnete inzwischen ein Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung.

Der Papst hatte seine Entscheidung am vergangenen Mittwoch unterschrieben, die Ermittlungen gegen den Briten wegen der Äußerungen zum Holocaust wurden am Freitag bekannt.

Jüdische Organisationen, darunter auch der oberste Rabbiner von Rom, protestierten vehement gegen die geplante Aufhebung der Exkommunizierung des britischen Geistlichen. Vatikansprecher Federico Lombardi erklärte am Samstag jedoch, es gehe hier ausschließlich darum, die Anhänger Lefebvres wieder in die Kirche zu integrieren. Die Entscheidung bedeute nicht, dass der Vatikan die Ansichten Williamsons teile. Dieser werde sich auf andere Weise verantworten müssen, sagte Lombardi laut der Nachrichtenagentur ANSA.

Katholische Theologen bestätigten, dass die Leugnung des Holocausts nach dem Kirchenrecht kein Grund für eine Exkommunizierung sei. Shimon Samuels vom Simon-Wiesenthal-Zentrum in Paris erklärte indessen, man verstehe zwar den Wunsch des Papstes nach Einheit der Kirche, doch die Wiederaufnahme Williamsons werde dem internationalen Ansehen des Vatikans zum Nachteil gereichen - umso mehr als der Papst ein Deutscher sei.

Der 1991 verstorbene Lefebvre hatte sich gegen Reformen des Vatikans aus den sechziger Jahren gewandt, darunter die Feier der Messe in der jeweiligen Landessprache anstatt in Latein. Er wurde in den siebziger Jahren zunächst vom Bischofsamt suspendiert und 1988 gemeinsam mit den vier von ihm geweihten Bischöfen von Papst Johannes Paul II. exkommuniziert.

Der Vatikan hatte der Priesterbruderschaft im vergangenen Jahr eine Reihe von Forderungen als Bedingung für eine auch vom Papst angestrebte Wiederannäherung gestellt. Die vier Bischöfe der ultratraditionalistischen Gemeinschaft hatten dem Papst Ende 2008 versichert, "alle unsere Kräfte in den Dienst der Kirche Unseres Herrn Jesus Christus zu stellen, die die katholische Kirche ist".

In dem jetzigen Dekret des Papstes heißt es, Benedikt habe beschlossen, die kirchenrechtliche Situation der Bischöfe zu überdenken, weil er ihrem "spirituellen Unbehagen" wegen der Strafe der Exkommunikation mit väterlicher Einfühlsamkeit begegne. Der Vatikan wolle die Beziehungen mit der Bruderschaft stabilisieren, die Einheit der Universalkirche fördern und damit den "Skandal der Spaltung" überwinden. Der Papst glaube an die schriftliche Zusage der Traditionalisten, mit dem Heiligen Stuhl ernsthaft über bestehende Differenzen reden zu wollen.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, erklärte, die nunmehr erfolgte Revision der damaligen Entscheidung beweise die Bereitschaft des Papstes, der schismatischen Bewegung Lefebvres einen weiteren Schritt entgegenzugehen, um die Einheit der Kirche zu fördern. Er hoffe, dass die Anhänger des verstorbenen Erzbischofs diese ausgestreckte Hand auch wirklich ergriffen. Benedikt hat den Traditionalisten von der Priesterbruderschaft Pius X. bereits im Juli 2007 Zugeständnisse gemacht, indem er die alte Liturgie als "außerordentliche Form" wieder zuließ. Auf Wunsch der Gläubigen kann der Gottesdienst seither wieder nach der alten, tridentinischen Messform gefeiert werden.

sev/AP/dpa



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