Wirtschaftskrise Mehr als zwei Millionen Menschen aus Venezuela geflohen

Unterernährung und Engpässe bei Medikamenten: Millionen Menschen fliehen vor der wirtschaftlichen und humanitären Krise in Venezuela. 4000 von ihnen kommen täglich in Ecuador an.

Flüchtlingsunterkünfte in Brasilien
JOEDSON ALVES/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Flüchtlingsunterkünfte in Brasilien


Weil Venezuela vor dem Staatsbankrott steht, geht es den Menschen in dem südamerikanischen Land schlecht, viele machen sich auf die Flucht. Nach Angaben der Uno haben bis Juni ungefähr 2,3 Millionen Menschen den Staat verlassen. Sie gehen vornehmlich nach Kolumbien, Ecuador, Peru, Brasilien oder in die USA.

Stephane Dujarric, Sprecher der Vereinten Nationen, sagte, dass die Migranten vor allem Mangel an Nahrung als Grund für ihre Flucht angeben. Humanitäre Beamte der Uno hätten nach Angaben des Sprechers berichtet, dass 1,3 Millionen der abgewanderten Menschen an Unterernährung gelitten hätten.

Dujarric sagte, ernsthafte Engpässe grundlegender Medikamente habe außerdem "zu einer heftigen Verschlechterung der Qualität von Krankenhäusern" geführt. Laut Uno-Angaben sind mehr als 100.000 HIV-Patienten in Gefahr, weil ihnen der Zugang zu wichtigen Medikamenten fehlt, sagte der Sprecher. Zudem seien zuvor ausgerottete Krankheiten wie Masern, Malaria, Tuberkulose und Diphtherie wieder "präsent und auf dem Vormarsch".

Inflation steuert auf eine Million Prozent zu

Das ölreichste Land der Welt steckt seit Jahren in einer schweren Wirtschaftskrise. Wegen Korruption und Misswirtschaft verfügt Venezuela kaum noch über Devisen, um Lebensmittel, Medikamente oder Dinge des täglichen Bedarfs zu importieren. Zum Ende diesen Jahres steuert Venezuela auf eine Inflation in Höhe von einer Million Prozent zu - und strich deshalb zuletzt fünf Nullen aus seiner Landeswährung.

In Folge der umstrittenen Wiederwahl von Staatschef Nicolás Maduro reagierten sowohl die USA als auch die EU mit Strafmaßnahmen: Washington wies venezolanische Diplomaten aus und verhängte neue Sanktionen, auch Brüssel setzte elf Personen auf eine neue Sanktionsliste.

Maduro macht die USA und Europa für die schlechte wirtschaftliche Lage in seinem sozialistischen Land verantwortlich. Er spricht von einem Wirtschaftskrieg. Seine Wiederwahl zu einer zweiten sechsjährigen Amtszeit erkannten Oppositionelle und viele andere Nationen nicht an.

Schon im vergangenen Jahr hatte die Auswanderung aus Venezuela stark zugenommen. 2017 lebten ungefähr 1,6 Millionen Venezolaner im Ausland, 2015 waren es noch 700.000. Nun hat der Flüchtlingsstrom noch größere Ausmaße angenommen. Ecuador hat vergangene Woche in drei seiner Provinzen den Ausnahmezustand ausgerufen, um mit der Masse an Einwanderung klarzukommen. Das dortige Außenministerium erklärte, bis zu 4000 Venezolaner suchten jeden Tag Zuflucht in Ecuador.

Video: Aufstand in Venezuela - Mein Leben unter Maduro

dbate.de

aev/AP



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