Venezuela Arzt von Chávez' Familie flieht ins Ausland

Todkrank oder geheilt? Ein ehemaliger Arzt von Hugo Chávez vermutet, dass der venezolanische Präsident innerhalb von zwei Jahren sterben wird - und hat das laut gesagt. Weil daraufhin die Polizei seine Praxis durchsucht hat, fürchtet der Mediziner jetzt um sein Leben und ist außer Landes geflohen.

Chávez kehrt aus Kuba zurück: Frei von Krebszellen oder unheilbar krank?
AFP

Chávez kehrt aus Kuba zurück: Frei von Krebszellen oder unheilbar krank?


Hamburg - Hugo Chávez werde innerhalb der kommenden zwei Jahre an Krebs sterben, sagt Salvador Navarrete. Der ehemalige Arzt von Venezuelas Präsident hat sich mit dieser Aussage weit vorgewagt. Zu weit vielleicht - denn Chávez selbst hatte erst vor zwei Tagen verkündet, er sei frei von Krebszellen. Navarrete ist mittlerweile aus Venezuela geflohen: Er fürchte um sein Leben, schreibt er in einem offenen Brief, den lokale Medien veröffentlicht haben.

Er habe eine öffentliche Diskussion über Chávez' Gesundheit anstoßen wollen, schreibt Navarrete, der Chávez vor zehn Jahren behandelte, noch immer in Kontakt mit seinem jetzigen medizinischen Team steht und auch Familienmitglieder des venezolanischen Staatschefs behandelt. Er sagt, Chávez leide an einem sogenannten Sarkom, einem bösartigen Tumor, der von Knochen, Muskeln oder Bindegewebe ausgeht. Bei dem Staatspräsidenten handele es sich um einen Knochentumor im Becken, der sehr aggressiv und nur schwer zu behandeln sei.

Die Debatte geht auf ein Interview zurück, das Navarrete dem mexikanischen Milenio-Magazin am vergangenen Montag gegeben hatte: "Ich bin darüber beunruhigt, dass der Präsident und seine Umgebung nicht genau wissen, wie schwer seine Krankheit ist", hatte Navarrete dem Reporter gesagt. "Die Konsequenzen eines tödlichen Ausgangs und die Notwendigkeit, sowohl seine Unterstützer als auch seine Gegner darüber zu informieren, waren die Gründe, die mich dazu führten, dieses delikate Thema anzusprechen."

Die Schlacht seines Lebens

Ein folgenschwerer Schritt, denn der Arzt fühlt sich nun im eigenen Land nicht mehr sicher: "Die Umstände haben mich gezwungen, das Land schnell zu verlassen", so Navarrete in dem offenen Brief, "etwas, das ich weder wollte noch geplant hatte." Der Grund: Kollegen hatten dem Arzt gesteckt, dass die Polizei seine Praxis durchsucht und Computer und Dokumente überprüft hatte.

Chávez' Gesundheit gibt immer wieder Anlass für Spekulationen. Im Juni 2011 hatte der 57-Jährige mitgeteilt, dass er an Krebs leide. In Kuba hatte er sich einer Operation und einer Tumorbehandlung unterzogen und gesagt, er schlage nun "die Schlacht seines Lebens". Seither waren nur wenige Informationen herausgegeben worden, was zu Vermutungen führte, die Krankheit sei schlimmer als zunächst zugegeben. Auch sein verändertes Aussehen führte zu Spekulationen über seinen Zustand. Dem Staatsfernsehen hatte Chávez daher berichtet, er habe seinen Friseur um einen "Militärschnitt" gebeten, als ihm die Haare als Folge der Chemotherapie ausfielen.

Am Donnerstag war Chávez aus Kuba zurückgekehrt, wo er sich erneut von seinen Ärzten hatte untersuchen lassen. Er sei frei von Tumorzellen und daher fit und bereit für die nächste Präsidentschaftskandidatur. 2012 wird in Venezuela gewählt - der Präsident bleibt sechs Jahre im Amt.

Chávez regiert Venezuela seit 1999. Er hat bereits mehrfach erklärt, dass er zur Präsidentschaftswahl kommendes Jahr wieder antreten will. "Ich werde bei den Wahlen 2012 Kandidat sein, und ich werde sie gewinnen."

hei/Reuters

insgesamt 34 Beiträge
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Haio Forler 22.10.2011
1. .
Mal sehen wie lange es dauert, bis hier die berühmten 3 Buchataben eines ausländischen Geheimdienstes fallen.
sukowsky, 22.10.2011
2. Sebst Schuld
Zitat von sysopTodkrank oder geheilt? Ein ehemaliger Arzt von Hugo Chávez vermutet, dass*der venezolanische Präsident innerhalb von zwei Jahren sterben wird - und hat das laut gesagt. Weil daraufhin die Polizei seine Praxis durchsucht hat, fürchtet der Mediziner jetzt um sein Leben und ist außer Landes geflohen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,793333,00.html
Zunächst mal gilt die ärztliche Schweigepflicht. Warum das Herumposaunen von Wichtigtuerei. Der Arzt weis doch selbst, dass in Venezuela die Demokratie nicht auf festen Boden steht.
tommiboy72, 22.10.2011
3. geschmacklos !
Selbst wenn es so wäre, dass Hugo Chavez nur noch zwei Jahre zu leben hätte, ist es einfach geschmacklos so etwas hinauszuposaunen, v.a. weil so eine Nachricht fast immer zu politischen Unruhen führt. Der venezolanische Präsident wird selbst am besten wissen, wann die Zeit reif ist, das Volk über seinen Gesundheitsstand zu informieren und abzudanken.
kein Ideologe 22.10.2011
4.
nun hat der große Posterboy die Wahlregeln so geändert, daß er auf Lebenszeit Präsident bleiben kann, und nun das. Irgendwie verstehe ich, daß er sauer wird.
Parisien, 22.10.2011
5. Meinungsfreiheit
Mir ist - trotz seiner Erklärung - auch nicht klar, warum sich der Arzt über das Gebot der Schweigepflicht , auf das auch ein Staatsmann Anspruch hat, hinwegsetzte. Ihn dafür zu belangen , ist aber eine Sache. Ihn auf eine Art zu verfolgen , die es ihm und seiner Familie ratsam erscheinen lässt , das Land zu verlassen , ist eine andere. Das Klima für jedwede Opposition in Venezuela ist - wie auch in Cuba - aber so, dass man es vorzieht, zu flüchten. Eigentlich müsste man dazu nicht viel mehr sagen. Wäre da nicht Wagenknecht, die mehrfach in Venezuela war und Chavez ( wie auch Castro )und sein System , das seine Methoden einschließt , bewundert.
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