Leichnam von Hugo Chávez: Venezuela beklagt schwierige Einbalsamierung

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Bild von Hugo Chávez: "Unser verstorbener Kommandant ist in den Himmel aufgestiegen"

Der Kult um Venezuelas verstorbenen Präsidenten Hugo Chávez hat gerade erst begonnen. Sein Leichnam sollte für die Ewigkeit einbalsamiert und in einem gläsernen Sarg ausgestellt werden - doch jetzt gibt es Probleme. Übergangspräsident Maduro spricht von "Schwierigkeiten" beim Verfahren.

Caracas - Zur Trauerfeier für den verstorbenen venezolanischen Staatschef Hugo Chávez strömten vergangene Woche Staats- und Regierungschefs aus aller Welt - sie trauerten vor seinem Sarg mit einem gläsernen Deckel. Bei Gesprächen mit den Politikern sei die Idee entstanden, den Leichnam des Comandante für die Nachwelt zu konservieren, erklärte Venezuelas Interimspräsident Nicolás Maduro später.

Doch das bereitet jetzt Probleme. Es sei zwar nicht völlig ausgeschlossen, aber nach Rücksprache mit renommierten Wissenschaftlern aus Russland und Deutschland werde die Einbalsamierung schwierig werden. "Wir haben ranghohe Wissenschaftler empfangen, die besten der Welt, aus Russland und Deutschland, und die ersten wissenschaftlichen Nachrichten und Meinungen sagen, dass es ziemlich schwierig wird", sagte Maduro bei einer vom Fernsehen übertragenen Veranstaltung.

Die Einbalsamierung erinnert an die Praxis in kommunistischen Staaten. So wurden auch die Leichen von Lenin, Stalin und Mao präpariert und anschließend öffentlich aufgebahrt.

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Von Lenin bis Kim Il Sung: Leichname für die Ewigkeit
Der Leichnam des am 5. März verstorbenen Chávez' ist derzeit in der Militärakademie in Caracas ausgestellt, wo ihm noch immer Anhänger die letzte Ehre erweisen. Am Freitag sollen die sterblichen Überreste in einer feierlichen Prozession in ein Museum in einer ehemaligen Kaserne verlegt werden. Chávez war in der vergangenen Woche im Alter von 58 Jahren an Krebs gestorben. Er hatte das ölreiche Land über 14 Jahre lang mit einer Politik der Umverteilung und Verstaatlichung regiert.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon würdigte ihn am Mittwoch als Anwalt der Schwachen. Die Vollversammlung der Vereinten Nationen gedachte Chávez zuvor mit einer Schweigeminute. Venezuelas Außenminister Elias Jaua Milano las Auszüge aus einer legendären Rede Chávez' aus dem Jahr 2006 vor, in der dieser den damaligen US-Präsidenten George W. Bush mit dem Teufel verglichen hatte. "Eine geistreiche Art, den kriegerischen Imperialismus zu verurteilen", so das Fazit des Ministers. Chávez hatte damals heftige Empörung in Washington ausgelöst.

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Nach Meinung von Venezuelas Interimspräsident Maduro hat Chávez noch etwas Wichtigeres ausgelöst: Er ist sich sicher, dass der Verstorbene bei der Wahl des neuen Papstes seine Finger im Spiel hatte. "Etwas hat die Wahl eines lateinamerikanischen Papstes beeinflusst", so Maduro. "Wir wissen, dass unser verstorbener Kommandant in den Himmel aufgestiegen ist und jetzt Jesus gegenübersteht."

kgp/Reuters/dpa

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insgesamt 19 Beiträge
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1. Von Hagens kapituliert?
taglöhner 14.03.2013
Zitat von sysopAPDer Kult um Venezuelas verstorbenen Präsidenten Hugo Chávez hat gerade erst begonnen. Sein Leichnam sollte für die Ewigkeit einbalsamiert und in einem gläsernen Sarg ausgestellt werden - doch jetzt gibt es Probleme. Übergangspräsident Maduro spricht von "Schwierigkeiten" beim Verfahren. http://www.spiegel.de/politik/ausland/venezuela-beklagt-schwierige-einbalsamierung-von-hugo-chavez-a-888768.html
Oder ist sein Entwurf etwas zu expressionistisch geraten? Dass die Russen skeptisch sind ist verständlich. Den Schlamassel, den sie sich mit diesem Schwachsinn eingehandelt haben möchten sie ungern verdoppeln. Mein Vorschlag: Einscannen und einen schön kolorierten 3D-Plot ausstellen. Den könnte man sogar einmal im Jahr durch die Straßen tragen.
2. Die Wahl scheint gelaufen
robert.haube 14.03.2013
Ganz schön clever, wie Maduro den naiven Volksglauben ausnutzt. Mit himmlischer Unterstützung (Chavez) kann er die Wahl nur gewinnen.
3. Chavez
haemoride 14.03.2013
Warum nicht plastifizieren - sind die so doof in Venezuela dass sie nie davon gehört haben ?
4. Ho Chi Minh
b.schumann 14.03.2013
Nur ein kleiner Hinweis zu Ihrem Fotostream des Einbalsamierten: ein Ho Chi Minh Mausoleum gibt es entgegen Ihrer Beschreibung sehr wohl. Es steht als monumentaler Granitklotz seit fast 40 Jahren in Hanoi.
5.
meiopinion 14.03.2013
Zitat von robert.haubeGanz schön clever, wie Maduro den naiven Volksglauben ausnutzt. Mit himmlischer Unterstützung (Chavez) kann er die Wahl nur gewinnen.
darauf bezogen ist selbst die Papstwahl sowieso ein Jammer und das Ergebnis erst recht. Wie lange wird es nur noch dauern, bis man überall auf der Welt erkennt, nach welchen Natur- und politischen Gesetzen sich die Erde dreht und die Gesellschaft entwickelt. Es wird doch nun wirklich Zeit, dass die Menschheit in Gänze Ihre Zukunft in die eigenen Hände nimmt, nicht zuletzt bringt uns alle dieser aberwitzige Aberglaube an Bestimmung von höherer Stelle doch nur die Fortführung des derzeitigen Abstieges...
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