Syrien: Chávez liefert Diesel an Assad-Regime
Hugo Chávez torpediert die internationalen Bemühungen, Syriens Despoten Assad zu schwächen. Einem Zeitungsbericht zufolge lässt Venezuelas Präsident weiter Diesel an das Regime liefern - der Treibstoff kommt in den Panzern zum Einsatz, die gegen die Aufständischen eingesetzt werden.
Caracas/Washington - Er fühlt sich wieder richtig gut: Venezuelas Präsident Hugo Chávez hat nach eigenen Angaben sein Krebsleiden besiegt. Rund drei Monate vor der Präsidentschaftswahl verkündete er am Montag erneut, von der Krankheit vollständig genesen zu sein. "Frei, frei, völlig frei", sagte er zu Journalisten am Montag.
Höchste Zeit also, wieder voller Elan Politik zu machen - und der 57 Jahre alte Sozialist hat zuletzt ausgesprochen fragwürdige Deals abgeschlossen: Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" mischt sich Chávez indirekt in den Krieg in Syrien ein. Demnach beliefert die staatliche Ölfirma PDVSA des südamerikanischen Landes das Regime von Syriens Machthaber Baschar al-Assad mit Diesel. Die Zeitung beruft sich in ihrem Bericht auf Dokumente der beiden Länder. Demnach wird derzeit die vierte große Diesellieferung für Syrien innerhalb der vergangenen acht Monate vorbereitet.
Der Treibstoff ist von zentraler Bedeutung für den Kampf des syrischen Militärs gegen die Aufständischen im eigenen Land: Die Panzer, die Assad gegen das eigene Volk einsetzt, werden mit Diesel betrieben. Auch bei etlichen anderen Militärfahrzeugen geht ohne den Treibstoff nichts.
Und für Syriens Militär ist es derzeit schwierig, an ausreichend Diesel zu kommen. Vor dem Ausbruch der Gewalt importierte Syrien den Großteil seines Diesels vor allem aus Europa. Aber ähnlich wie die USA hat die EU längst umfangreiche Sanktionen gegen Syrien verhängt. Erst vor wenigen Tagen verschärfte die EU ihre Strafmaßnahmen gegen Syrien zum 16. Mal.
Da kommt die Hilfe aus Caracas gelegen. "Wir sind bereit zu helfen", sagte Venezuelas Energieminister Rafael Ramírez dem Bericht zufolge bereits im Mai in Caracas. Man habe bereits drei Lieferungen geschickt. Im Mai seien mehr als 30.000 Tonnen Diesel geliefert worden, berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf die Dokumente der beiden Länder. Als Gegenleistung schickte Damaskus Rohbenzin nach Caracas.
Demnach transportierte das Frachtschiff "Negra Hipolitain" die Lieferung von Puerto La Cruz in Venezuela in den syrischen Hafenort Banias.
Dem Bericht zufolge wurde der Deal zwischen der staatlichen venezolanischen Ölfirma PDVSA und der staatlichen syrischen Ölfirma Syrtol abgeschlossen - Syrtol steht auf den Sanktionslisten der USA und der EU. Venezuela mache zudem Geschäfte mit der Commercial Bank of Syria - auch die Bank steht auf den schwarzen Listen in Washington und Brüssel.
Die USA übten scharfe Kritik am Vorgehen Venezuelas. Jegliche Unterstützung des syrischen Regimes sei "verabscheuungswürdig", sagte ein Regierungsvertreter dem Zeitungsbericht zufolge. Die USA und ihre internationalen Partner würden alles dafür tun, um den Druck auf Assad und seine Unterstützer zu maximieren. Dem Bericht zufolge hat Washington derzeit aber keine Möglichkeit, die venezolanischen Diesel-Lieferungen an Assad zu stoppen.
Chávez hat in der Vergangenheit seine Unterstützung für Syrien und Iran gerechtfertigt. Es gehe darum, eine "antiimperialistische" Koalition gegen die "Hegemonie der USA" zu bilden. Chávez, der seit 13 Jahren an der Spitze des ölreichen Landes steht, gilt als scharfer Kritiker der USA.
hen
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- Dienstag, 10.07.2012 – 12:33 Uhr
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