Venezuela Chávez droht USA mit Öl-Stopp

Hugo Chávez poltert gegen Washington: Der venezolanische Präsident will die Erdöllieferungen an die USA stoppen, sollte sich die Bush-Regierung in das Verfassungsreferendum des sozialistischen Landes einmischen.


Caracas - 100.000 Anhänger jubelten ihm zu, und Hugo Chávez gab den starken Staatschef: Der venezolanische Präsident hat den USA mit einem Ende der Erdöllieferungen gedroht, sollte sich die US-Regierung in das morgige Verfassungsreferendum seines Landes einmischen. "Wenn am Sonntag das Ja (zur Reform) gewinnt und sie (die Amerikaner) hierher kommen wollen, um uns das Erdöl wegzunehmen, dann wird es 100 Jahre Krieg in Venezuela geben", warnte der Linksnationalist in Caracas.

Venezolanischer Präsident Chávez: "100 Jahre Krieg"
AFP

Venezolanischer Präsident Chávez: "100 Jahre Krieg"

US-Präsident George W. Bush mache gemeinsame Sache mit seinen innenpolitischen Gegnern, sagte Chávez. Er warf seinen Gegnern vor, nach einem verlorenen Referendum gewaltsame Proteste und einen Putsch zu planen.

Chávez sagte außerdem, er habe anlässlich des Urnengangs am Sonntag eine Truppenmobilisierung zum Schutz der Erdölfelder und der Raffinerien angeordnet. Die zumeist in Rot gekleideten Regierungsanhänger bejubelten den Präsidenten, sangen sozialistische Lieder und skandierten immer wieder den Chávez-Slogan "Vaterland, Sozialismus oder Tod".

Erst am Vortag waren rund 250.000 Regierungsgegner auf die Straßen gegangen, um gegen die Verfassungsreform zu protestieren. "Wir sagen Nein zur Repression, zum Machtmissbrauch und zum Totalitarismus", meinte Studentenführer Freddy Guevara.

Die Verfassungsreform soll unter anderem die mehrfache Wiederwahl von Chávez ermöglichen. Wenn Gott ihn schütze, werde er "noch bis 2050 an der Spitze der Regierung stehen", sagte Chávez - er wäre dann 95 Jahre alt.

Nach jüngsten Umfragen wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen erwartet. In Venezuela kann ein Präsident bisher nur ein Mal wiedergewählt werden. Danach geht die Amtszeit von Chávez, der für seine angestrebte sozialistische Demokratie inzwischen unter anderem die Ölindustrie verstaatlicht hat, im Jahr 2012 zu Ende.

Zu den geplanten Änderungen der Verfassung gehören auch eine Verlängerung der Amtszeit des Präsidenten von sechs auf sieben Jahre, die Abschaffung der Autonomie der Notenbank sowie die Einführung kooperativer Eigentumsformen. Laut Chávez soll die Reform den "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" in Venezuela verankern und zur wirksameren Bekämpfung der Korruption beitragen.

Venezuela ist der viertgrößte Erdöllieferant der USA. Chávez hat in der Vergangenheit wiederholt damit gedroht, den USA den Ölhahn zuzudrehen.

hen/dpa/Reuters



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