Venezuela Chávez schafft sich neue Zeitzone

Wer hat an der Uhr gedreht? In Venezuela war es der Präsident selbst. Der ließ kurzerhand im gesamten Land die Uhren um eine halbe Stunde zurückstellen - sein Staat befindet sich ab sofort in einer anderen Zeitzone als die USA.


Caracas - In Venezuela sind in der Nacht zum Sonntag auf Anweisung von Präsident Hugo Chávez die Uhren um eine halbe Stunde zurückgestellt worden. Venezuela befindet sich ab sofort viereinhalb Stunden hinter der Greenwich Mean Time. Der Zeitunterschied zu Deutschland beträgt jetzt fünfeinhalb Stunden.

Präsident Chávez: "Ist mir egal, wenn sie mich verrückt nennen"
AP

Präsident Chávez: "Ist mir egal, wenn sie mich verrückt nennen"

Die Maßnahme solle den Stoffwechsel und Schlafrhythmus der Venezolaner mit dem natürlichen Tagesverlauf in Einklang bringen, teilte das Ministerium für Wissenschaft und Technik mit. Wissenschaftsminister Hector Navarro meinte, es sei wissenschaftlich erwiesen, dass die "schlechte Koordination zwischen Sonnenzeit und Arbeitstag" die Menschen negativ beeinflusse. Die Maßnahme werde die Venezolaner also glücklicher und bei der Arbeit und in der Schule leistungsfähiger machen.

Nach Medienberichten sorgte der Wechsel zunächst aber vor allem für große Verwirrung in Caracas und anderen Städten. "Werde ich nun eine halbe Stunde länger schlafen können? Oder ist das umgekehrt? Ich verstehe das nicht", sagte etwa eine Rentnerin in Caracas vor TV-Kameras.

Kritische Zeitungen äußerten zudem die Einschätzung, der Staatschef wolle aus reiner Eitelkeit eine eigene Zeitzone für sein Land schaffen - sein Land solle sich nicht länger in derselben Zeit befinden wie die USA.

Chávez hatte die Maßnahme bereits im September angekündigt. "Ist mir egal, wenn sie mich verrückt nennen, die neue Uhrzeit kommt", sagte der Präsident damals. "Sollen sie doch sagen, was sie wollen."

Die Einführung der neuen Uhrzeit war zuvor drei Mal verschoben worden. Am vergangenen Sonntag hatte Chávez eine Volksabstimmung für eine Verfassungsänderung verloren, die ihm weitere Amtszeiten und mehr Befugnisse zugestehen sollte.

ssu/AFP/dpa



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