Proteste gegen Maduro Drei Tote bei Demonstrationen in Venezuela

In ganz Venezuela haben Zehntausende gegen Präsident Nicolás Maduro protestiert. Ein 17-Jähriger wurde bei einer Demonstrationen in der Hauptstadt Caracas getötet. In der Anden-Provinz Tachira kam eine junge Frau ums Leben.

Ausschreitungen in Caracas
AFP

Ausschreitungen in Caracas


Bei einer Massendemonstration gegen eine drohende Diktatur in Venezuela ist es in der Hauptstadt Caracas zu schweren Ausschreitungen gekommen. Ein Demonstrant wurde am Mittwoch von einem Schuss in den Kopf getroffen und kam schwer verletzt in ein Krankenhaus, wie das Portal "El Nacional" berichtete. Laut Nachrichtenagenturen AP und Reuters ist der Mann an seinen Verletzungen gestorben.

Die Opposition machte Milizen der Sozialisten für den Tod verantwortlich. Die Polizei setzte Tränengas ein, um Demonstranten auseinanderzutreiben. Die Demonstranten, die unter anderem vorgezogene Neuwahlen fordern, zogen von 26 Punkten in der Hauptstadt zum Regierungssitz ins Zentrum. Einige der Demonstranten verbrannten eine Puppe, die den Präsidenten Nicolás Maduro darstellte.

In San Cristóbal, einer Stadt in der Anden-Provinz Tachira nahe der kolumbianischen Grenze, geriet eine Studentin bei Protesten ebenfalls in einen Schusswechsel, wurde am Kopf getroffen und erlag ihren Verletzungen. Seit Ausbruch der Proteste starben neun Menschen. Zudem kam es allein am Mittwoch zu über 400 Festnahmen.

Nach Angaben des Regierungslagers wurde auch ein Soldat getötet. "Sie haben gerade ein Mitglied der Nationalgarde in San Antonio de los Altos ermordet, 'die Friedlichen'", sagte der Vize-Chef der sozialistischen Regierungspartei PSUV, Diosdado Cabello, im venezolanischen Fernsehen. Cabello machte die Regierungskritiker für die Tat in einem Vorort der Hauptstadt Caracas verantwortlich. Zu den Umständen äußerte er sich nicht. Die Staatsanwaltschaft bestätigte der Nachrichtenagentur AFP den Todesfall.

Die Opposition fordert Neuwahlen und macht Maduro für die schwere politische und ökonomische Krise des Landes mit den größten Ölreserven verantwortlich. Viele Zufahrtsstraßen nach Caracas und Metrostationen waren geschlossen, um eine Anreise zu der Oppositions-Demonstration zu erschweren. Bei einer Gegendemonstration marschierten Zehntausende Anhänger der Sozialisten.

Bei dieser Gegendemonstration ergriff auch der Staatschef das Wort. Am Dienstagabend hatte Maduro mitgeteilt, er habe den "Plan Zamora" aktiviert, der militärische, politische und zivile Maßnahmen zur Stärkung der nationalen Sicherheit vorsieht. Der Präsident kündigte die Stationierung von Soldaten im ganzen Land sowie die Stärkung regierungstreuer Milizen an. Jedes der 500.000 Mitglieder der Milizen brauche "ein Gewehr", um gegen eine mögliche "ausländische Intervention" vorzugehen, sagte Maduro.

Maduro spricht von "Militärkomplott"

Der frühere Generalmajor Cliver Alcalá erklärte, die Aktivierung des "Plans Zamora" diene anscheinend dazu, die oppositionellen Demonstranten einzuschüchtern. US-Außenamtssprecher Mark Toner rief die venezolanische Regierung auf, friedliche Kundgebungen nicht zu unterbinden.

Maduro warf den Regierungsgegnern und den USA vor, einen Staatsstreich zu organisieren. Die US-Regierung habe grünes Licht gegeben für den Putsch, sagte der sozialistische Staatschef bei einem Treffen mit Regierungsvertretern und der Armeeführung.

Er verkündete die Festnahme eines "Anstifters" eines von der Opposition angezettelten "Militärkomplotts". Zudem sei eine "bewaffnete Oppositionsgruppe" festgenommen worden, die an der Demonstration habe teilnehmen wollen.

Die Regierungsgegner in dem ölreichen lateinamerikanischen Land machen Maduro für die seit langem andauernde Wirtschaftskrise verantwortlich. Sie kämpfen für eine Volksabstimmung zu dessen Amtsenthebung. Außerdem fordert die Opposition einen Termin für die verschobenen Regionalwahlen.

Maduro, Nachfolger des 2013 verstorbenen Hugo Chávez, war am Mittwoch exakt vier Jahre im Amt. Die Opposition nannte den Marsch am Mittwoch die "Mutter aller Demonstrationen". Wegen der Krise und der zunehmenden Gewalt hatten zuletzt tausende Menschen das Land verlassen und flüchteten vor allem in das Nachbarland Brasilien.

cte/dpa/Reuters/AP/AFP

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