Live im Fernsehen Venezuela meldet Drohnenattacke auf Präsident Maduro

Auf den Autokraten Nicolás Maduro ist nach Angaben seiner Regierung ein Attentat mit Bomben beladenen Drohnen verübt worden. Der Präsident blieb unversehrt, Soldaten wurden verletzt. Das Staats-TV unterbrach eine Livesendung.

Nicolás Maduro (zweiter von links) kurz vor dem Anschlag
Miguel Gutiérrez/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Nicolás Maduro (zweiter von links) kurz vor dem Anschlag


Der mutmaßliche Anschlagsversuch ereignete sich um 17.41 Uhr Ortszeit bei einer Ehrung der Nationalgarde GNB. Nach Angaben der venezolanischen Regierung steuerten mehrere Drohnen mit Sprengsätzen auf Präsident Nicolás Maduro zu.

Das Staatsfernsehen war bei dem Ereignis zunächst live dabei, unterbrach dann aber die Sendung. Die letzten Bilder, die die Zuschauer sahen, zeigten Maduro bei einer kurzen Ansprache, dann blickten er und Umstehende erschrocken auf. Zu sehen waren außerdem noch Soldaten, die panisch umherliefen. Danach rissen Bild und Ton ab.

Auf der Bühne standen unter anderem Maduro, seine Frau Cilia Flores sowie mehrere Generäle.

Nicolás Maduro und seine Frau Cilia Flores im Moment der Attacke
REUTERS

Nicolás Maduro und seine Frau Cilia Flores im Moment der Attacke

Maduro wandte sich dreieinhalb Stunden später an die Nation und erklärte, dass er unversehrt sei. "An alle unsere Freunde auf der Welt: Mir geht es gut, ich lebe", sagte er, flankiert von Ministern und Militärs. Er machte rechtsgerichtete Kräfte in Venezuela und Kolumbien verantwortlich: "Alle Ermittlungen weisen nach Bogotá." Auch sprach er von US-amerikanischer Verwicklung, ohne Details zu nennen.

Nach Regierungsangaben setzten Attentäter mehrere "Drohnen mit Sprengstoff ein, der explodierte". Sieben Soldaten der Nationalgarde seien verletzt worden.

Ein von mutmaßlichen Rebellen verantworteter Twitter-Account bekannte sich zu dem Anschlag. Dort wurde behauptet, dass zwei Drohnen mit C4-Sprengstoff in der Nähe des Präsidenten explodiert seien, bevor sie von Scharfschützen abgeschossen worden seien. Die Rebellengruppe mit dem Namen "Soldados de franela" (in etwa: Stoff-Soldaten) war bisher nicht bekannt. Sie räumte indirekt ihr Scheitern ein: "Wir haben gezeigt, dass sie verwundbar sind. Heute haben wir es nicht geschafft. Aber es ist nur eine Frage der Zeit."

Sicherheitskräfte kurz nach dem Attentatsversuch
AFP

Sicherheitskräfte kurz nach dem Attentatsversuch

An der von Regierungsseite verbreiteten Version der Ereignisse gibt es allerdings auch Zweifel. So meldet die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf drei anonyme Feuerwehrleute, dass es sich mitnichten um einen Anschlagsversuch gehandelt habe. Vielmehr sei ein Gastank in einer nahe gelegenen Wohnung explodiert. Aus dem Gebäude steige Rauch auf. Die Angaben lassen sich von unabhängiger Seite derzeit nicht verifizieren.

David Smilde, ein Venezuela-Experte vom Washington Office on Latin America, sagte, dass Maduro das mutmaßliche Attentat wahrscheinlich nutzen werde, um die Regierung und das Militär von Kritikern zu säubern, die Bürgerrechte weiter einzuschränken und seine Macht zu konzentrieren. Smilde bezweifelte jedoch, dass die amateurhafte Attacke, die Maduro verwundbar gezeigt habe, von der Regierung selbst inszeniert worden sei.

Venezuela leidet seit Langem unter einer schweren politischen und humanitären Krise. Das Land mit den größten Ölreserven der Welt leidet unter Hyperinflation, Hunderttausende Venezolaner sind in den vergangenen Monaten vor Elend und Unterdrückung in die Nachbarstaaten geflohen.

Maduro wird das Errichten einer Diktatur vorgeworfen. Der Sozialist ließ sich im Mai für eine weitere fünfjährige Amtszeit im Amt bestätigen. Die Wahlen wurden von der Europäischen Union und anderen Staaten nicht anerkannt.

wal

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insgesamt 88 Beiträge
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Orthoklas 05.08.2018
1.
Wer sein eigenes Volk so brutal unterdrückt, darf sich nicht wundern, wenn sich dieses wehrt...
weltenglas 05.08.2018
2.
Das klingt nach ungeheurem Wahnsinn. Wenn dahinter steckt, wen man - vielleicht zu Unrecht - gleich vermuten, steckt die Welt in einer schweren Krise. Was sind unsere Werte noch WERT? Ein solcher Drohnenangriff ist ein Mordversuch wie jeder andere Mordversuch auch.
mig68 05.08.2018
3. In Venezuela nennt man das "falso positivo"
Ein Pseudo Anschlag um ihm irgendwem in die Schuhe zu schieben und entweder einen Ausnahmezustand herbeizuführen, der eh schon seit 2 Jahren existiert, oder oppositionelle Politiker zu verhaften. Erdogan laesst gruessen...
PriseSalz 05.08.2018
4. Drohen verbieten!
Das wird ja dann wohl der nächste Schritt sein: Drohnen verbieten. Eigentlich bin ich ein pazifischer Mensch, habe den Wehrdienst verweigert, mich gegen Krieg woauchimmer eingesetzt. aber bei Leuten wie Maduro in Venezuela oder Ortega in Nicaragua fallen mir nur noch ziemlich radikale Lösungen ein. Es ist so unendlich traurig was die Menschen dort erleiden müssen.
Sachalin 05.08.2018
5. Schweinebucht Version Ii
Nzn werden die letzten Gründe und Voraussetzungen geschaffen für den schon längst geplanten Einmarsch der USA. Es kann ja nicht sein, dass irgend ein Tropfen Oel auf dieser Welt den US-Oelkonzernen und somit Goldmann-Sacjs und Konsorten auf Dauer entzogen bleibt.
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