Putsch-Vorwurf in Venezuela Geheimdienst nimmt Bürgermeister von Caracas fest

Venezuelas Sicherheitsbehörden erhöhen den Druck auf die Opposition: Der Geheimdienst hat den Bürgermeister von Caracas festgenommen - der Staatschef wirft ihm vor, einen Putsch zu planen.

Bürgermeister von Caracas Ledezma (Archivbild): Filmreife Festnahme
DPA

Bürgermeister von Caracas Ledezma (Archivbild): Filmreife Festnahme


Caracas - Agenten des venezolanischen Geheimdienstes Sebin haben den oppositionellen Oberbürgermeister der Hauptstadt Caracs, Antonio Ledezma, festgenommen. "Sie haben ihn geschlagen", twitterte Ledezmas Ehefrau Mitzy über den offiziellen Account ihres Mannes.

Die Festnahme wurde auch vom Oppositionspolitiker Richard Blanco von Ledezmas Partei "Alianza Bravo Pueblo" bestätigt. Ledezma sei unter Schlägen abgeführt worden. Blanco erinnerte daran, dass Ledezma von mehreren Hunderttausend Venezolanern in Caracas gewählt worden sei. Nach lokalen Medienberichten schossen die Sebin-Agenten bei der Festnahme in die Luft.

Ledezma hatte vor einigen Tagen eine Resolution der Opposition unterzeichnet, in der von einem möglichen Machtwechsel in dem südamerikanischen Land die Rede war. Auch eine frühere Abgeordnete und ein bereits inhaftierter Oppositioneller hatten die Erklärung unterschrieben. Sie forderten in dem Schreiben eine nationale Übereinkunft für eine Übergangsregierung, um die derzeitige Wirtschaftskrise zu bekämpfen.

Der linkspopulistische Staatschef Maduro warf den USA erneut vor, Umsturzpläne gegen ihn und seine Regierung zu verfolgen. Er habe Beweise, dass Angehörige der US-Botschaft in Caracas am Versuch beteiligt gewesen seien, die Streitkräfte im Land zu spalten, sagte Maduro in einer TV-Ansprache. Doch sei der Staatsstreich gescheitert. Madrid, Bogotá und die Exilvenezolaner in Miami im US-Staat Florida bezeichnete er zudem als Zentrum der Konspiration gegen Venezuela. Die USA wiesen die Vorwürfe Maduros umgehend als "haltlos und falsch" zurück.

Maduro hatte in den vergangenen Wochen immer wieder von Umsturzplänen und Attentatsvorhaben auf ihn gesprochen. Erst vor wenigen Tagen waren mehrere Angehörige der Luftwaffe wegen mutmaßlicher Beteiligung an Putschplänen festgenommen worden. Das ölreiche Venezuela ist in einer Rezession und leidet erheblich unter den sinkenden Ölpreisen. Die Inflation belief sich 2014 auf mehr als 60 Prozent.

vek/dpa



insgesamt 30 Beiträge
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butzibart13 20.02.2015
1. arme ölreiche Staaten
Das sind die typischen Folgen in einem Land, das an sich reich ist, aber nur auf den Wirtschaftsfaktor Öl setzt und eine verfehlte Investitionspolitik durchführt. Irgendwann regt sich Widerstand. Maduro sollte zurücktreten und einem Realisten - nicht unbedingt USA hörigem Kandidaten - Platz machen.
kosu 20.02.2015
2. Der Vorwurf dürfte mehr als
Die Wahrheit sein. Das wahre Gesicht der USA mit seiner Terrortruppe CIA. Schema immer gleich. 1953 im Iran von einem Enkel Rosevelt erprobt und durchgeführt. Danach 100 Fach kopiert auf der Welt. Alles was den Herren in Washington nicht past muss weg und erlegt werden. Sind aber unsere ganz großen Freunde. Wer hier von Freunden spricht hat keine Moral noch etwas menschliches.
opar 20.02.2015
3. Alter Stalinist, alte Stalin- und Mao Technik,
alles was irgendwie nach Opposition, also eine Gefahr für die eigene diktatorische Machtposition, darstellt, wird verhaftet, denunziert, umgebracht. Ein Grund mit, warum ich froh über niedrige Ölpreise und unsere Energiewende bin. Die Regierung von Venezuela konnte nämlich nur wegen der Öleinnahmen bisher so große Töne spucken. Das Land kann sonst nämlich gar nichts. Selbst Mineralwasser wird aus Mexico eingeführt.
thunderstorm305 20.02.2015
4. Es wird Zeit dass diese Regierung abtritt.
Die Regierung von Venezuela war zu Beginn vielleicht einmal angetreten, um für das Volk zu regieren. Mittlerweile geht es ihr nur noch um den Machterhalt. Und da ist jedes Mittel recht. Ob links oder rechts macht keinen großen Unterschied. Nur die Sprache ist unterschiedlich. Die Methoden sind die gleichen.
klyton68 20.02.2015
5. das dürfte der Beginn vom Ende des Sozialismus in Venezuela sein
Und noch in diesem Jahr, so schätze ich, wird ein echter Demokrat und Vertreter der Marktwirtschaft die Geschicke des Landes lenken. Geht ja auch nicht an, dass es andere Modelle gibt, als die, die sich so wunderbar bewährt haben. Gewöhnen wir uns daran, dass 99% für das Wohl der 1% und ihre Lakaien zu arbeiten haben. Das ist alternativlos. Demnächst dann auch endlich in Kuba. Die Flausen müssen endlich ein Ende haben.
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