Machtkampf in Venezuela Millionenschäden durch Plünderungen

Als der Strom ausfiel, nahmen sich viele Menschen einfach, was sie brauchten: Ladenbesitzer in Venezuela beklagen hohe Schäden durch Plünderungen, allein in der Stadt Maracaibo wurden 500 Fälle gemeldet.

Zerstörter Laden in Maracaibo
AFP

Zerstörter Laden in Maracaibo


Seit der vergangenen Woche hat ein massiver Stromausfall weite Teile Venezuelas lahmgelegt. Eine Folge: massive Plünderungen, vor allem in Maracaibo, einer Stadt im Westen des Landes.

Nach Angaben der Handelskammer haben die Händler dadurch viele Millionen Dollar an Einnahmen verloren. Die rund 500 betroffenen Läden in Maracaibo hätten nach ersten Erkenntnissen rund 50 Millionen Dollar Verlust erlitten, sagte der Präsident der Handelskammer im Bundesstaat Zulia, Fergus Walshe, der Tageszeitung "El Nacional".

Der Handelskammer-Präsident nimmt außerdem an, dass die Zahl noch steigen werde. "Maracaibo ist eine Geisterstadt. Das einzige, das noch geöffnet hat, sind Bäckereien und Mini-Supermärkte", sagte Walshe. Das Einkaufszentrum "Sambil" in Maracaibo war am Montag bereits gestürmt worden.

Berichte über Plünderungen kamen auch aus anderen Teilen des südamerikanischen Landes, das in einer tiefen politischen und wirtschaftlichen Krise steckt. In dem einst reichen Land fehlt es mittlerweile an den nötigsten Dingen. Supermarktregale bleiben leer, es gibt keine Medikamente.

In der Hauptstadt Caracas hatten am Dienstag erneut Tausende angesichts des tagelangen Ausfalls der Strom und Wasserversorgung protestiert. Der selbst ernannte Interimspräsident Juan Guaidó hatte wegen des Stromausfalls bereits am Montag durch die Nationalversammlung den Alarmzustand erklären lassen. Das Parlament hat jedoch keine faktische Macht, weil das Militär bisher zu dem linksnationalistischen Präsidenten Nicolás Maduro steht, der das Parlament entmachten ließ.

vks/dpa



insgesamt 9 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
juba39 14.03.2019
1. Jetzt kommt man ins Grübeln!
"Als der Strom ausfiel, nahmen sich viele Menschen einfach, was sie brauchten: Ladenbesitzer in Venezuela beklagen hohe Schäden durch Plünderungen, allein in der Stadt Maracaibo wurden 500 Fälle gemeldet." Jetzt lehnt man sich erst einmal zurück, und ruft sich die Berichte der ÖR seit Januar ins Gedächtnis zurück. Und was taucht da auf? Als Beweis für eine sozialistische Mißwirtschaft unter dem Busfahrer Maduro sehen wir leere Geschäfte und Regale. Und das für die jüngeren User, selbst das schon seit Chile 1973 im Dauerdurchauf fehlende Toilettenpapier erlebte seine Auferstehung. Und jetzt lese ich immer wider das Intro hier auf der Seite, und versuche mir vorstelle, was man in einem leeren Geschäft plündern kann. Und das, werte Redaktion, sind keine Hrngespinste. Einfach nur eine Zusammenfassung gegenteiliger Berichterstattung, oder soll man sagen Gefälligkeitsberichte? Wo bleibt denn hier der Appell des Selbsternannten, keine Gewalt anzuwenden?
hoeffertobias 14.03.2019
2. Sie verstehen aber schon, ...
Zitat von juba39"Als der Strom ausfiel, nahmen sich viele Menschen einfach, was sie brauchten: Ladenbesitzer in Venezuela beklagen hohe Schäden durch Plünderungen, allein in der Stadt Maracaibo wurden 500 Fälle gemeldet." Jetzt lehnt man sich erst einmal zurück, und ruft sich die Berichte der ÖR seit Januar ins Gedächtnis zurück. Und was taucht da auf? Als Beweis für eine sozialistische Mißwirtschaft unter dem Busfahrer Maduro sehen wir leere Geschäfte und Regale. Und das für die jüngeren User, selbst das schon seit Chile 1973 im Dauerdurchauf fehlende Toilettenpapier erlebte seine Auferstehung. Und jetzt lese ich immer wider das Intro hier auf der Seite, und versuche mir vorstelle, was man in einem leeren Geschäft plündern kann. Und das, werte Redaktion, sind keine Hrngespinste. Einfach nur eine Zusammenfassung gegenteiliger Berichterstattung, oder soll man sagen Gefälligkeitsberichte? Wo bleibt denn hier der Appell des Selbsternannten, keine Gewalt anzuwenden?
.... dass es einen signifikanten Unterschied zwischen gut gefüllten Regalen und einer Mangelwirtschaft gibt? Wenn man von "leeren Regalen" spricht, kann es durchaus vorkommen, dass es noch einige wenige Produkte gibt, auf die sich die sozialistische Hochleistungswirtschaft spezialisiert hat oder die verfügbar sind, weil der sozialistische Bruderstaat diese im Überfluss produziert. Auch wenn so gut wie niemand bereit ist, dafür einen Kaufpreis zu bezahlen... umsonst sind sie besser als nichts. Oder meinen Sie ernsthaft, es werden nur gut sortierte Supermärkte mit einem ausgewogenen Sortiment geplündert?
Venezuela.libre 14.03.2019
3. Gezielte Destabilisierung
In einer Dokumentation von Hernando Calvo Ospina wurde 2017 in einer fast schon unheimlichen Genauigkeit von Menschen in Venezuela die aktuelle Phase der versuchten Destabilisierung vorausgesagt. Wer sich die 38 Minuten Zeit nimmt und sich direkt die Aussagen und Einschätzung vieler Menschen aus Venezuela in dieser Doku ansieht, wird m.E. ein recht gutes Bild von der Situation dort bekommen, von den Hintergründen der Entwicklung, den verschiedenen Interessen etc. https://www.youtube.com/watch?v=XwD0-QzKGvw
World goes crazy 14.03.2019
4. Stromausfall, Plünderung und dann?
Ein kroatischstämmiger Bekannter von mir meinte im Hinblick auf den Stromausfall, dass es vor der NATO-Intervention in Serbien genau so war. Plötzlich war der Strom weg (er meinte, das hätte man unmittelbar nur aus serbokroatischen Medien erfahren damals, nicht aus deutschen, bin leider etwas zu jung um mich dran zu erinnern ;) ) und dann kamen die Flieger...in Venezuela heizt es wiederum die Stimmung der Bevölkerung gegen die Regierung an, auch wenn ich glaube, dass die US als ultima ratio immer stärker mit der militärischen Intervention liebäugeln, da Maduro und seine Spezis beim Militär viel zu fest im Sattel sitzen. Den Botschafter haben sie ja schon abgezogen...spricht auch eher dafür, der Maduro-Regierung keine potentiellen Geiseln im Kriegsfall zu überlassen...
PeaceNow 14.03.2019
5. Man muss nicht grübeln
@1 Alles lange bekannt, wie z.B. das die Großhändler und Importeure überwiegend wie bisher und historisch Oppositionelle und Rechte sind, die Warenlager voll sind in Venezuela, aber Waren künstlich verknappt und zurückgehalten werden. Entlarvend dazu Guaidos Aussagen das nach Maduros Sturz sofort genug Strom-Wasser und volle Supermärkte garantiert sind. Dies scheitert aber dennoch da Russland, China, Kuba, Türkei, Iran u.a. bereits tausende Tonnen an Hilfsgütern schicken. @2 Reden Sie bitte keinen Unsinn. Venezuela produziert historisch gesehen leider relativ wenig, hat aber vor den Sanktionen alles gehabt und randvolle Supermärkte, weil alles weltweit eingekauft wurde dank Ölmilliarden. Durch die Sabotage und Sanktionierung aller Wirtschaftssektoren incl. seit rd. 2 Monaten der kompletten Ölindustrie kommen aber kaum noch Devisen ins Land und daher kann kaum noch was gekauft und importiert wertden. Dazu kommt das alle Konten und Goldreserven in den USA und in London gesperrt wurden, Wert rd. 30 MILLIARDEN USD, die für Importe vorgesehen wurden. Hierzu bisher kein Mucks in den westlichen "Qualitätsmedien". Warum? Somit gezielte Aushungerung und Drangsalierung eines ganzen Landes und Volkes.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.