"New York Times"-Gastbeitrag Guaidó berichtet von "heimlichen Treffen" mit Streitkräften

Venezuelas selbst ernannter Interimspräsident schreibt in der "NYT" über die Krise im Land - und wie der Machtkampf mit Nicolás Maduro "mit einem Minimum an Blutvergießen" beendet werden könnte.

Juan Guaidó
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Juan Guaidó


US-Präsident Donald Trump hat sich im Machtkampf in Venezuela erneut klar hinter den selbst ernannten Interimspräsidenten Juan Guaidó gestellt. Mit Blick auf die neuen Demonstrationen gegen Staatschef Nicolás Maduro schrieb Trump bei Twitter: "Der Kampf für die Freiheit hat begonnen!"

Von "Freiheit" sprach am Mittwoch auch Guaidó selbst: "Es ist unsere Pflicht, Normalität wiederherzustellen - um das fortschrittliche und wohlhabende Land aufzubauen, von dem wir alle träumen", schrieb er in einem Gastbeitrag für die "New York Times". "Aber zuerst müssen wir unsere Freiheit zurückholen."

In Venezuela tobt ein Machtkampf zwischen Maduro und Guaidó, der sich vor einer Woche zum Übergangspräsidenten erklärt hatte. Er will Maduro aus dem Amt drängen und Neuwahlen ausrufen. Unterstützt wird der 35-Jährige von den USA, vielen lateinamerikanischen und europäischen Ländern.

Der seit 2013 amtierende Maduro wirft den USA einen Umsturzversuch vor. Er kann auf China, Russland und seine Verbündeten Kuba, Bolivien und Nicaragua zählen. Außerdem unterstützt ihn derzeit noch die Führungsriege des im Land extrem einflussreichen Militärs.

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Maduros Zeit laufe ab, er habe nicht länger die Unterstützung des Volkes, schrieb Guaidó nun in der "NYT". Um den Rückzug Maduros mit einem Minimum an Blutvergießen zu gestalten, müsse ganz Venezuela geeint handeln, schrieb Guaidó. "Dafür brauchen wir die Unterstützung von demokratiefreundlichen Regierungen, Institutionen und Einzelpersonen weltweit."

Für den Wechsel brauche es außerdem die Unterstützung des Militärs. "Wir hatten heimliche Treffen mit Mitgliedern der Streit- und der Sicherheitskräfte", heißt es in dem Artikel. All jenen, die wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht für schuldig befunden wurden, sei Amnestie angeboten worden. Einen solchen Straferlass hatte Guaidó schon vor Wochen in Aussicht gestellt (mehr zur wichtigen Rolle des Militärs in Venezuelas Machtkampf erfahren Sie hier).

Am Mittwoch gingen in Caracas erneut zahlreiche Menschen gegen Maduro auf die Straße. Sie schwenkten venezolanische Flaggen und zeigten Transparente mit der Aufschrift "Freiheit" und "Respektiert die Menschenrechte".

Bei einem Protestmarsch in der Zentraluniversität in Caracas sagte Guaidó, Venezuela sei eine Diktatur. "Wir wollen ein Ende der unberechtigten Machtübernahme und Neuwahlen." Er rief das Militär dazu auf, die Seiten zu wechseln und die dringend benötigten humanitären Hilfsleistungen ins Land zu lassen.

Angesichts der Abwerbeversuche und des wachsenden Drucks aus Washington schwor Maduro die Soldaten auf die Verteidigung des Landes ein. "Ich rufe die Streitkräfte zu einer großen militärischen Erneuerung auf, um zu garantieren, dass der nordamerikanische Imperialismus niemals einen Fuß auf unser Territorium setzt", sagte er am Mittwoch bei einem Truppenbesuch.

Vermittlungsversuch von Mexiko und Uruguay

Mexiko und Uruguay verfolgen in dem Konflikt eine Politik der Nichteinmischung und verhalten sich neutral. Nun luden die Regierungen der beiden Länder am Mittwoch zu einer internationalen Konferenz ein, um einen Dialog zwischen Regierung und Opposition in Venezuela anzustoßen.

Zu dem Treffen am 7. Februar in der uruguayischen Hauptstadt Montevideo sollen Vertreter von Ländern und Organisation kommen, die diese Haltung teilen. "Das Ziel der Konferenz ist, die Grundlage für neue Gespräche zwischen allen Kräften in Venezuela zu legen und Stabilität und Frieden für dieses Land zu erreichen", hieß es in einer Mitteilung des mexikanischen Außenministeriums.

aar/dpa/AFP

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sven2016 31.01.2019
1. Problematischer Konflikt
Da die USA kein neutraler Vermittler sein können, wäre es zu begrüßen, wenn Mexiko und Uruguay Kontakte organisieren könnten. Ein durch undurchsichtige Wahlen „wiedergewählter“ Präsident gegen einen US-finanzierten Möchtegern-Putschisten: Das hört sich nicht nach guten Alternativen an. Falls die Beteiligten sich auf überwachte Neuwahlen einigen könnten, hätten die Bürger echtes Glück. Falls Trump eingreift, ist ein weiteres Land tot.
stefan.p1 31.01.2019
2. Maduro ist mit Sicherheit kein guter Präsident,
aber immerhin ein Gewählter.Wenn sich jetzt der Westen,angeführt von den USA ,massiv hinter Guaido stellen, unterstützen sie einen Umsturz. Und nicht etwa aus Menschenfreundlichkeit sondern weil sie dann mit Guaido einen willfähigen Büttel haben,der Ihnen bereitwillig Bohrlizenzen verkaufen wird.Imperialismus2019
butzibart13 31.01.2019
3. Gute Sozialisten gegen böse Sozialisten
Uruguay scheint eine gute Wahl für eine Vermittlung zu sein. Regiert durch den sozialistischen Krebsspezialisten Vazquez und vorher durch den "armen" ehemaligen Tupamaru, aber sympathischen Sozialisten Mujica. zeigt das Land eine gewisse Neutralität. Außerdem war gestern in der Transparency Korruptions Tabelle auffällig, dass Uruguay als eins der wenigen Ländern in Amerika im grünen Bereich verzeichnet war. Vielleicht könnte mit deren Hilfe - auch Mexiko - der falsche, korrupte "Sozialist" Maduro mit seinen Drogengeschäften und seinem militärischen Anhang bald die politische Bühne verlassen müssen, obwohl viele fehlgeleitete Linken ihm noch die Stange halten. Dann spielt auch das etwas umstrittene Gehabe der USA keine Rolle mehr.
biesi61 31.01.2019
4. Elender Rückfall in den Kolonialismus
Es ist schrecklich, wie hier die USA schon wieder versuchen, eine eigene Marionette an die Macht zu schieben. Und mal wieder passiert das in einem wichtigen Ölförderland. Entsprechende Aktivitäten vorher im Iran (gegen Mossadegh), im Irak (gegen Saddam) und in Libyen (gegen Gaddafi) endeten jeweils in fürchterlichen Katastrophen für die Völker dieser Länder. Absolut nichts deutet derzeit darauf hin, dass das in Venezuela anders sein wird! Letztlich ist diese Art amerikanischer Politik - wie in all den anderen Fällen vorher - nur gegen die Menschen im Land und ihr im Völkerrecht festgeschriebenes Selbstbestimmungsrecht gerichtet.
ptb29 31.01.2019
5. In unserer kurzlebigen Zeit,
in der die Medien ein Thema hochkochen und nach ein paar Tagen fallen lassen, sollten wir nicht vergessen, dass mit Venezuela die Politik der USA in Südamerika fortgesetzt wird. In dem Moment, in denen sich ein Land eine Regierung gewählt hat, die sich von den USA emanzipieren will, wird sie zum "nationalen Risiko" für die USA. Diese punpt dann viel Geld in die Opposition, boykottiert die Wirtschaft. Die USA glauben, es wäre ihr gutes Recht, die EU und Deutschland lesen schon gar nicht mehr die Fakten, sondern rennen der USA hinterher. Lest die Geschichte von Guatemala, Chile, Haiti, Honduras und jetzt Venezuela! Immer das gleiche Szenario. Auch nachzulesen in. https://www.rubikon.news/artikel/business-as-usual
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