Venezuela: Präsidentenwahl wird komplett neu ausgezählt

Anhängerinnen von Oppositionskandidat Capriles: Wahlbehörde lässt neu auszählen Zur Großansicht
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Anhängerinnen von Oppositionskandidat Capriles: Wahlbehörde lässt neu auszählen

Das Ergebnis der Präsidentenwahl in Venezuela wird überprüft. Damit kommt die Wahlbehörde Forderungen der Opposition nach. Sie hatte den Chávez-Vertrauten Maduro bereits vor Tagen zum Sieger ausgerufen. Am Freitag soll er vereidigt werden.

Caracas - Venezuelas Nationaler Wahlrat hat der Forderung der Opposition zugestimmt und wird alle Stimmen der Präsidentschaftswahl vom vergangenen Sonntag überprüfen. Bislang wurden bereits 54 Prozent der abgegebenen Stimmen kontrolliert, nun sollen auch die restlichen 46 Prozent überprüft werden, wie die Präsidentin der Behörde, Tibisay Lucena, am Donnerstagabend (Ortszeit) in Caracas mitteilte.

Die Opposition will den Wahlsieg des Sozialisten Nicolás Maduro solange nicht anerkennen, bis alle Stimmen neu ausgezählt und geprüft wurden. Der bei der Wahl mit nur rund 265.000 Stimmen unterlegene Oppositionskandidat Henrique Capriles Radonski begrüßte die Entscheidung der Behörde: "Damit sind wir dort, wo wir hin wollen."

Dem offiziellen Ergebnis zufolge hat Maduro einen Stimmenanteil von 50,8 Prozent erreicht, Capriles kam auf 49 Prozent.

Lucena betonte, mit der Entscheidung sollten die "gewalttätigen Sektoren isoliert werden, die versuchen die Demokratie zu verletzen". In den vergangen Tagen war es in Venezuela zu massiven Protesten der Opposition gekommen, bei denen nach offiziellen Angaben acht Menschen ums Leben kamen. Der zum Wahlsieger erklärte Maduro soll am Freitag als Nachfolger des gestorbenen Hugo Chávez vereidigt werden. Capriles betonte, es werde sich nun eher früher als später die Wahrheit zeigen.

Er hoffe, dass die Wahlbehörde nun Wahlzettel, Akten und die Wahlhefte überprüfe. Die Behörde machte allerdings keine Angaben darüber, wie genau die Überprüfung ausfallen soll. Die Wähler stimmen in Venezuela über elektronische Wahlautomaten ab, die dann einen Beleg ausdrucken, der in die Wahlurne geworfen wird. Capriles hatte zuvor eine detaillierte manuelle Auszählung jeder einzelnen Wahlstimme gefordert.

Der 50-jährige Ex-Außenminister Maduro flog am Donnerstag zu einem Sondergipfel des südamerikanischen Staatenverbundes Unasur in Perus Hauptstadt Lima, um dort den "Putschversuch" der Opposition anzuprangern. Er habe Hinweise, dass die USA an der "permanenten Konspiration" in Venezuela beteiligt seien. Unmittelbar nach dem Treffen wollte Maduro zurück nach Caracas fliegen, wo er am Freitag vor der Nationalversammlung seinen Amtseid für das bis 2019 dauernde Mandat ablegen soll.

fab/dpa/Reuters

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insgesamt 98 Beiträge
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1. Die Yankees könen es nicht lassen
robert.haube 19.04.2013
Capriles hatte seine Strategie bei seinem Besuch in den USA abgesprochen. Letztlich ist er doch nur eine Schachfigur der Mächtigen und Super-Reichen der USA.
2. schade
hans_olo_ 19.04.2013
schade, dass schon so viele Zettel verbrannt worden sind...
3. Müssig ...
hasimen 19.04.2013
Was soll da noch nachträglich abermals ausgezählt werden, wenn die Urheber der Manipulation getreu ihren SED / Stasi - Vorbildern auch noch fünf Tage lang Zeit hatten alle Spuren zu beseitigen und die Manipulation zu verfestigen, ... ??? Fragt doch mal die eingeschüchterten Bürger die gezwungen wurden so abzustimmen wie es den Post-Kommunisten genehm zu sein schien.
4. grundsätzlich zu begrüssen
Finnländer 19.04.2013
Zitat von sysopDas Ergebnis der Präsidentenwahl in Venezuela wird überprüft. Damit kommt die Wahlbehörde Forderungen der Opposition nach. Sie hatte den Chávez-Vertrauten Maduro bereits vor Tagen zum Sieger ausgerufen. Am Freitag soll er vereidigt werden. Venezuela lässt Präsidentenwahl neu auszählen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/venezuela-laesst-praesidentenwahl-neu-auszaehlen-a-895280.html)
Wahre "Demokraten" lassen halt nachzählen bis das Ergebnis passt. Höherentwickelte Demokraten unterbinden jegliche Nachzählung wenn das Ergebnis ihnen passt. Und höchstentwickelte Demokraten, sozusagen die "Elite" der Demokratie, bauen dann Zelte in Signalfarben auf und zetteln sogenannte farbig-blumige Revolutionen an, wenn sie sicher sein können, das auch eine Nachzählung ihnen keine Mehrheit bringt.
5. neu ausgezählt
kf_mailer 19.04.2013
wer hätte das wohl gedacht, das sie in Venezuela demokratischer sind als in den USA,..
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