Luisa Ortega Venezuelas Ex-Anklägerin fürchtet um ihr Leben

Sie fühlt sich verfolgt, täglich wechselt sie ihren Unterschlupf: Venezuelas Ex-Generalstaatsanwältin Ortega ist lautstarke Kritikerin von Präsident Maduro - und will auch auf der Flucht weiter kämpfen.

Luisa Ortega beim Interview in Caracas
REUTERS

Luisa Ortega beim Interview in Caracas


Die ehemalige Generalstaatsanwältin Venezuelas, Luisa Ortega, fürchtet um ihr Leben. Sie sei auf der Flucht, werde aber ihren Kampf für Demokratie und Freiheit im Land nicht aufgeben, sagte Ortega der Nachrichtenagentur Reuters.

Ortega hatte im März mit Präsident Nicolás Maduro gebrochen und wurde zu einer laustarken Kritikerin. Er hatte Ende Juli gegen alle Widerstände seine verfassungsgebende Versammlung durchgesetzt und damit de facto das demokratisch gewählte Parlament ausgehebelt. Dort hatte die Opposition die Mehrheit.

Wenige Tage nach der Wahl wurde Ortega entlassen. Offiziell hieß es zur Begründung, sie habe die Verantwortlichen für die monatelangen Proteste gegen die Regierung mit mehr als 120 Toten nicht mit der notwendigen Härte verfolgt und "Straflosigkeit" zugelassen.

Seitdem lebt die 59-jährige Juristin versteckt und wechselt mindestens einmal am Tag ihren Unterschlupf. Sie fühle sich permanent verfolgt, sagte sie in dem Interview, das unter strengen Sicherheitsvorkehrungen stattfand. "Da ist immer ein Auto, das mir folgt und das anhält, wo ich anhalte." Menschen würden immer wieder Fotos von ihr machen und von den Plätzen, an denen sie sich aufhalte.

"Ich weiß nicht, welche dunklen Absichten und Pläne sie womöglich haben, um mich nicht nur meiner Freiheit zu berauben, sondern mir auch das Leben zu nehmen."

Uno fordert Schutz für Ortega

Dennoch arbeite sie weiter für das Land, sagte Ortega. Sie habe Kontakt zu Staatsanwälten und anderen Institutionen in Venezuela und in anderen Ländern. Genauer wollte sie sich dazu nicht äußern. "Ich bin die Generalstaatsanwältin Venezuelas", sagte sie. Ihre Rechte würden ihr aber vorenthalten.

Die Vereinten Nationen forderten inzwischen Maßnahmen zum Schutz der regierungskritischen Generalstaatsanwältin. Ortega stammt aus dem sozialistischen Lager und stand anfangs auf Maduros Seite. Sie wurde aber in den vergangenen Monaten zu seiner ärgsten Gegnerin: Ortega wirft Maduro Menschenrechtsverletzungen vor und beschuldigt die Regierung, Angaben über die Beteiligung an der Wahl der verfassungsgebenden Versammlung gefälscht zu haben.

Auch international mehrt sich die Kritik an Maduro. Mehrere Staaten haben sich bereits gegen ihn verbündet und angekündigt, die Entscheidungen der verfassungsgebenden Versammlung nicht zu akzeptieren. Die USA hatten jüngst zudem weitere Sanktionen gegen Venezuela verhängt.

aar/Reuters

insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
Ra's al-'Ayn 11.08.2017
1. Uno fordert Schutz für Ortega
Vor der Regierung hat sie sicher nichts zu befürchten. Und solange sie nicht zur Gewalt aufruft auch nicht vor der Justiz. Allerdings kann die Regierung in der aufgeheizten Stimmung im Lande wohl kaum eine Garantie für ihren Schutz übernehmen. Sie gefährdet sich durch diese Aussage selbst, weil möglicherweise noch ganz andere Akteure versuchen könnten aus einem Attentat politisches Kapital zu schlagen. Sie hat auch Feinde in der Opposition, das sollte sie nicht vergessen. Ich würde ihr daher empfehlen ins Ausland zu gehen, um von dort aus die politische Agitation fortzuführen.
peter.di 11.08.2017
2. Für solche Fälle wurde politisches Asyl geschaffen
Nur als Info für die, die das vielleicht nicht mehr wissen.
Pecaven 11.08.2017
3.
Es waere nicht das erste mal, dass diese Verbrecher Demokratischdenkende umgebringen oder ins Gefaengnis werfen. Was man nicht durch ehrliche Wahlen schafft, schafft man mit Gewalt.
zaunreiter35 11.08.2017
4. Wenn
ich Frau Ortega wäre, würde ich ins Ausland gehen. Nach Spanien möglicherweise. Aber ich würde nicht in Südamerika bleiben. Denn wenn sie auch die einstige Weggefährtin von Chavez und Maduro ist, hat sie auch so schon genügend politische Feinde. Und dass die UNO ein zahnloser Tiger ist, ist auch jedem bekannt. Da zittern Maduro und seine ausführenden Schergen schon vor Angst.
hoeffertobias 11.08.2017
5. So, so...
Zitat von Ra's al-'AynVor der Regierung hat sie sicher nichts zu befürchten. Und solange sie nicht zur Gewalt aufruft auch nicht vor der Justiz. Allerdings kann die Regierung in der aufgeheizten Stimmung im Lande wohl kaum eine Garantie für ihren Schutz übernehmen. Sie gefährdet sich durch diese Aussage selbst, weil möglicherweise noch ganz andere Akteure versuchen könnten aus einem Attentat politisches Kapital zu schlagen. Sie hat auch Feinde in der Opposition, das sollte sie nicht vergessen. Ich würde ihr daher empfehlen ins Ausland zu gehen, um von dort aus die politische Agitation fortzuführen.
.... von der Regierung hat sie SICHER nichts zu befürchten! Woher haben Sie diese Erkenntnis? Kommunistische Regime neigen immer dazu, Menschen mundtot zu machen, wenn Sie die aus der kommunistischen Misswirtschaft resultierenden Missstände anprangern. Das wird in Venezuela nicht anders sein, als in der ehemaligen DDR, in Kuba oder der ehemaligen UDSSR.
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